Aus der Amazon.de-Redaktion
“There comes a time in every man’s life, when he gets tired of fooling around“ lautet die beeindruckend schlichte Erklärung für den Schritt ins Erwachsensein, zusammengefasst von Prince in nur einer einzigen Textzeile seines Songs “Forever In My Life“. Das gilt auch für Rapper Sido, der sich inzwischen zunehmend um ein verantwortliches Miteinander bemüht, auch wenn ihm, wie jüngst, ein Verfahren wegen Körperverletzung nachhängt. Dass er vorab eine Geldstrafe akzeptierte, spricht immerhin für ein wachsendes Maß an Einsicht und Reife. “Ich habe den Anspruch ein guter Mensch zu sein“ äußerte er jüngst. Für das Booklet seines neues Album
Aggro Berlin hat er denn auch sein Äußeres gewaltig verändert: eine Mischung aus Gentlemen-Ganove, Sigmund Freud und Geheimbündler, dessen purpurner Kaftan der einzige Farbtupfer darstellt, im grauen Berlin der 20erJahre, dessen Straßenzüge er kampfesbereit durchstreift. Das ist nicht mehr das “Superintelligente Drogenopfer“, sondern ein analytisch reflektierender Mastermind. Schon das Intro des Albums, ein Dialog in der Manier von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, zwischen dem damaligen und dem heutigen Sido, macht unmißverständlich klar: Tunichtgut war gestern, Streetworker ist heute! Vielleicht ist gerade deshalb
Aggro Berlin zu einem durchweg gelungenen Album geraten, weil die Maske runter ist und viele der Songs eine ungewöhnlich feinfühlige Seite zum Vorschein bringen. Originell getextet erzählen sie von seiner Zeit im Berliner Wedding, als Ostjungs im Westen nicht unbedingt angesagt waren, weshalb Sido seine wahre Herkunft verschwieg (“Hey Du“). Sie handeln von persönlichen Zweifeln, die mit zunehmendem Erfolg und Reichtum eher gewachsen sind und jetzt, da er es “geschafft hat“ noch immer an ihm nagen (“Wenn das alles ist“). Und sie beschäftigen sich mit dem Zeitpunkt, darüber nachzudenken, aufzuhören auf Bühnen rumzuhampeln: “Spätestens wenn die Schafe mich als Chef ihrer Herde gewinnen wollen“ (“Seniorenstatus“). Musikalisch kommt
Aggro Berlin vielseitig daher, aufwändig arrangiert, mit “phetten“ Beats und dennoch ohne die üblichen Klischees. Ein Highlight des Albums ist “Tanz“, eine Reminiszenz an die Band “Deutsch Amerikanische Freundschaft“ aus den späten 80ern: “Ich würde gern mit Dir tanzen, doch ich kann nicht | Denn man muss am Rand rumstehen, wenn man ein Mann ist | Ach was red ich- heute tanz ich!“ Auf
Aggro Berlin gibt Sido seinen Hörern anständig was auf die Ohren, und das ist amüsamt und hörenswert! -
Andreas Schultz
Kurzbeschreibung
Das mittlerweile vierte Studioalbum des Maskenmannes und die Maske bleibt im Schrank. Nach dem Abschluss seiner fulminanten Trilogie Maske Ich Ich und meine Maske kommt sido nun mit seinem neuen Album Aggro Berlin . Auf der einen Seite ist es ein Abschied von seiner einstigen Labelheimat, gleichzeitig beinhaltet es aber auch das ewige Versprechen: Der Junge von der Straße bleibt aggro.
sido nimmt sich auf Aggro Berlin das Recht des erfolgreichen Künstlers seine ganze Farbpalette auszupacken und zu machen, was er will.
Singen? Ok ! Natürlich ! Party? Lass krachen! Beleidigen? Wenn es sein muss! Überraschende, biografische Geständnisse? Auch das! Reflektieren ? Sowieso !
sido kann das machen, weil er es kann und er darf das machen, weil er niemanden um Erlaubnis fragt. Hätte er das getan, dann wäre er heute nicht da, wo er ist als einer der witzigsten, charmantesten und hintergründigsten Musiker des Landes.
sido beweist mit Aggro Berlin, dass Rap weder tot ist, noch im sterben liegt sondern gerade eben von einer 14-tägigen Sauftour mit sido zurückgekehrt ist und vielleicht gerade ein bisschen Kopfschmerzen hat. Das ist dann aber genau der richtige Zeitpunkt, um in einen kühlen Pool in Los Angeles zu springen und ein bisschen über den eigenen Seelenzustand nachzudenken. Danach kommt die Yogastunde am Nachmittag, mit dieser äußerst charmanten Lehrerin aus Palm Beach, für den inneren Frieden, bevor es dann abends ins Studio geht, wo das Ganze dann in musikalischer Form aufgearbeitet wird.
Ist ja klar, dass Rap dann lieber mit sido zusammen chillt als irgendwo anders abzuhängen.
Und deshalb ist so viel von ihm zu hören auf Aggro Berlin und deshalb ist Aggro Berlin auch so gut und deshalb hat Aggro Berlin so viel Soul und Hingabe und deshalb ....
Immer schön aggro bleiben ! Yo !