Nichts bleibt wie es war. Auf die Ansage Nr.5 folgt Nr.8. Und diese AGGRO ANSAGE Nr.8 ist eine Anti-Ansage. Fragt nicht! So ist es nun mal. 2008, alles neu, alles anders und trotzdem 100% AGGRO BERLIN. Keine Leichen aus dem Archiv-Keller. Keine Altlasten. Keine Resteverwertung. Anti-Alles, alles was war und alles was sein sollte. Anti-Alles.
Weder Fortsetzung noch Familienfest oder Feature-Friedhof, ist die AGGRO ANSAGE Nr.8 eine Leistungsshow der anderen Art. Während die letzten beiden, extrem erfolgreichen Nummern ihr Thema im Unterton führten, schreit es die Anti-Ansage in die Welt hinaus. Das ist der echte Stoff, unverschnitten. AGGRO BERLIN. Anti-Alles.
Statt vollflächigem Crunk ertönt mal hier ein Bhangra-Fetzen, dort eine unheilvolle Kirchenorgel, auch sonst entspricht nichts dem Klischee. Tony D frisst Kreide und entdeckt den Disco-Hengst in sich; Fan-Favoritin Kitty Kat bringt die Synthesizer zum Brodeln und lässt die Raubkatze von der Leine. Zusammen prägen sie nicht zuletzt mit ihrer Kollaboration Party eine Stimmung von Aufbruch. Aber auch den anderen Tracks merkt man es an: Hier gibt es noch einiges, was raus muss. Neben Dämonen, Ärger und dem ganzen Dreck manchmal auch so etwas wie Spass. Das ist Rap als Rückversicherung für die eigene Existenz jenseits aller Ghettos und Zuschreibungen. Anti-Alles.
Als Kulminationspunkt einer siebenjährigen Erfolgsgeschichte gönnt sich AGGRO BERLIN den Luxus, mit der AGGRO ANSAGE Nr.8 wesentlich mehr Facetten zu präsentieren als es üblich wäre. Ein Marketingsklave müsste sich angesichts der Vielfalt die Haare raufen. Hört man alle 22 Tracks des Albums konzentriert in einem Zug, könnte fast der Eindruck entstehen, dass diesmal jeder Künstler die Kollegen aus dem AGGRO-Camp mit etwas besonders Eigenem übertreffen wollte.
Gleichzeitig sprechen die zahlreichen Zusammenarbeiten eine andere Sprache. Wenn sich auf der AGGRO ANSAGE Nr.8 die Talente von Sido, Fler, Tony D, Kitty Kat, B-Tight und Godsilla zu dieser Einheit verbinden, die das Berliner Label so gross und gewaltig gemacht hat, erübrigen sich auch ohne 10-Jahresplan alle Fragen nach der Zukunft der, im deutschsprachigen HipHop immer noch einmaligen Gemeinschaft. Leute kommen, Leute gehen aber der Kern bleibt derselbe.
Am Ende ist es mit dieser CD wie mit der Kirche: Sie sorgt für viele Fragen und gibt wenige Antworten. Aber obwohl einzelne Kapitel verschollen bleiben, schreibt die AGGRO ANSAGE Nr.8 die Saga fort. Wie es danach weitergeht, ob es überhaupt noch weitergehen kann oder ob die nächste Ansage so Anti-Alles sein wird, dass sie sich selbst kannibalisiert, das weiss nur der Himmel über Berlin. Fürs erste muss dieses Glaubensbekenntnis reichen, und darum ist es auch für die Ewigkeit gemacht.