Aggro Berlins nunmehr fünfter Sampler ist, könnte man sagen, ein Gesamtkunstwerk vieler vieler Hiphop-Künstler. Die Aggro-Crew selbst, inzwischen mit G-Hot und Tony-D auf fünf Rapper angewachsen, verhilft hier Bass Sultan Hengzt, Shizoe, Alpa Gun, Frauenarzt, sidos Lieblingsrapper-Kumpanen Harris sowie MC Bogy zu ihren eigenen Auftritten, und auch die Sekte ist mal wieder mit dabei. Alle elf Rapper polemisieren sich durch die gigantische Masse von stolzen 37 Tracks auf beiden CDs (darunter natürlich ein paar Skits). Klingt alles ziemlich gut, nicht?
Ich würde sagen, die Ansage 5 krankt an genau zwei Dingen, die sie nicht zum Gesamtkunstwerk, sondern nur zum Gesamtwerk machen. Zum einen ist das die Überfülle an Rappern und Ideen. Das Album hat einfach kein Konzept und damit auch noch weniger Inhalt als von Aggro Berlin gewohnt. Die Beats sind wie immer gut, sie klingen sogar amerikanischer und härter als je zuvor, in gewisser Weise auch noch synthetischer. Aber es ist Aggro Berlin schlicht nicht gelungen, die guten Grundlagen zu einem auditiv gefälligen Etwas zu zimmern. Man ist als Zuhörer schlicht überfordert von der Masse an Rappern, Geräuschen und Gebrüll, weil es keinen Zusammenhang gibt, weder inhaltlich noch musikalisch. Und so ist man sehr angetan von den wenigen Soli: Flers "Identität" beispielsweise, oder Alpa Guns "Alpa für Westberlin".
Der zweite Schwachpunkt ist einer der beiden neu gesignten Aggros: Tony-D. Wie dieser lyrische Dilettant es in die bunte Truppe geschafft hat, nachdem er schon "Heiße Ware" meines Erachtens einfach verhunzt hat, ist mir schlicht ein Rätsel. Er trifft nicht den Rhythmus und kennt nur eine einzige Art, seine Stimme zu gebrauchen: gequetscht klingendes Herumbrüllen, das wohl den Namen der Hiphop-Schmiede unterstreichen soll. Das tut es aber nicht. Bei sido und selbst bei Fler wirkt das Aggro-Sein nicht so völlig sinnentleert wie bei Tony-D's Herumgegröhle, das nicht einmal angenehm klingt. Und, wie sollte es anders sein, "Tony Damager", Tony-D's Solo, ist auch prompt das unerträglichste Stück des Doppelalbums. Laut auf eine unangenehm aufdringliche Weise, penetrant und vom Klang dem nächtlichen Gegröhle betrunkener Fußballfans nicht unähnlich.
Die Inhalte sind bei alledem altbekannte. Es geht ums Straßenleben, darum, toller und krasser als alle anderen zu sein, ums Zerstören und um Sex, und nebenbei ums Dissen der ganzen politischen Landschaft Deutschlands, weil diese es ja gewagt hat, einen Großteil der Aggro-Produkte zu indizieren. Fler spricht deutliche Worte: "Ihr hättet mich verbieten sollen, als ich ein Niemand war, doch jetzt ist mein Wort Gesetz in diesem Staat." Einen recht netten Beitrag zum Thema bieten auch sido und G-Hot in "Wahlkampf", in dem auf simple, aber unterhaltsame Weise politische Stimmenwerbung persifliert wird.
Warum es sich trotzdem lohnen kann, Ansage 5 zu kaufen? Weil ein paar wirklich gefällige Tracks dabei sind, die den Kauf durchaus lohnen. "Wahlkampf" zum Beispiel. Oder "Ein Schritt voraus". Und weil, trotz des schieren Überaufgebots Berliner Rapper, es ja trotzdem interessant ist, sich die ganze selbsternannte Underground-Elite mal die verbale Hand schütteln zu sehen. Fehlt eigentlich nur noch Bushido, aber die Zeiten sind ja wohl vorbei. Ob das schade ist? Solange er durch Tony-D's unmotiviertes Herumgebrülle ersetzt wird: ja!