Ausgehend von der ursprünglichen Bedeutung des lateinischen Verbes "aggredi"
(= auf etwas/jemanden zugehen) verdeutlicht Peter Schellenbaum in diesen Buch die Notwendigkeit der Zuwendungs-, Hingabe-, Abgrenzungs- und Selbstbehauptungsfähigkeit des Einzelnen in zwischenmenschlichen Beziehungen, vor allem aber die des "Zupackens", welches erst die Ergriffenheit in der Liebe ermöglicht.
Wer nur in krisenfreien Zeiten liebt und süchtig nach Harmonie ist, der liebt nicht wirklich, da laut Schellenbaum die Liebe niemals den bequemen, sondern den wahrhaftigen Weg geht.
Die "früh Verlassenen", welche die bedingungslose Liebe um ihrer selbst willen von den Eltern nie erfahren durften, stecken in eingefahrenen Verhaltensmustern, welche sie wieder und wieder zu Verlassenen macht.
Ihre Gier nach dem starken Reiz von außen macht sie passiv, reaktiv, destruktiv und abhängig und verhindert jegliche emotionale Eigeninitiative. Sie belügen nicht nur sich selbst, indem sie ein Gefühl (etwa die Angst) mit einem anderen (der Verliebtheit) zu verdecken suchen, sondern auch ihre Partner, da ihnen grundsätzlich zwar daran gelegen ist, von diesen geliebt zu werden, sie aber selbst sich weder hingeben, noch den anderen in seiner Einzigartigkeit annehmen können und somit alles Verbindende, auch die Aggression im Sinne des Zupackens, des Auf-den-anderen-Zugehens (und somit auch -Eingehens)vermeiden.
Aufgrund ihrer Angst vor Kontrollverlust büßen sie und ihre Partner wahre Intimität ein. Ihr Weglaufen vor der Eigenverantwortung und der für ihre Beziehungen isoliert sie und führt sie nicht in die Freiheit, sondern lässt sie in der Gefangenschaft ihres Traumas (auf der "traumatischen Spur" )verharren.
Der Begriff "Spürbewusstsein" zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Schellenbaum versteht darunter das Gefühl des Einzelnen, im Einklang mit sich selbst sowohl sein Umfeld, als auch die eigene Persönlichkeit mit ihren körperlichen und seelischen Bedürnissen wahrzunehmen.
Neben den destruktiven Wegen und Verhaltensweisen (Lüge, Starrheit, Wiederholungszwänge), die uns von diesem Spürbewusstsein entfernen oder abschneiden, zeigt er auch den einzigen Weg auf, der die Menschen dort hinführt als Voraussetzung für ein "spürbewusstes" Miteinander:
"Wer den Mut zur Einsamkeit aufbringt, findet Bezogenheit und Liebe".
Ein Buch, das ergriffen macht, besonders, wenn man mit einem Partner zu tun hatte, der "auf der traumatischen Spur kleben blieb", anstatt den Weg der Liebe durch Veränderung zu gehen.