Nie nich`! Obwohl ich schon diverse durchaus positiven Kritiken mit dem NIN-Beispiel gelesen habe. Aber der Reihe nach. Gesehen habe ich Lluther das erste und bis jetzt einzigen Mal auf dem legendären hamburger Lokalsender TIDE, der immer gut ist für Geheimtipps. Dort wurde das Video zu "Disconnect from me" gezeigt. Dichte, rockige Klänge mit einem Schuss Elektro-Hintergrund, einer schreiend-sanften Stimme in genau dem richtigem Rythmus. Klasse! Als dann noch die bereits erwähnten Paralellen zu NIN in den vorhandenen Kritiken durchkam war ich schon Feuer und Flamme.
Nun, so ganz stimmt das allerdings nicht. Was auch gut so ist! Alleine schon die Existenz eines "richtigen", sprich Live-Drums, das gesamte Album durch verzerrt den Vergleich.
Wenn ich von einem Schuss Elektro schreibe meine ich auch wirklich einen Schuss, eher weniger. Zu wenig um von einer richtigen Industrial-Scheibe zu reden, genau richtig um von einer modernen, voll auf der Zeit liegenden Rockscheibe. Der Beginn mit "People is ugly" kommen einem bei den gehackten Gitarrenriffs als erstes RAMMSTEIN in den Sinn, beim einsetzten der Vocals des Kopfes und Gitarristen der Band Owen der ehemalige NIN-Mitstreiter Richard Patrick von FILTER. Ein schreiendes Organ, welches aber bei der perfekten Produktion und Aussteuerung der Scheibe nicht überreizt und aufdringlich daher kommt, sondern schon fast wieder sanft und doch kraftvoll zugleich. Toll!
Um nicht in Klischees zu verfallen, wirkt dann Stück drei "American Gods" nicht nur von Titel wie von Marylin Manson gemacht. Zwischendurch gibt es doch mit "For you" ein kleines Spiegelbild der NIN/Filter Balladen, Gitarrensequenzen von "Fixer" oder "Stasis" erinnern fast an das legendäre erste RAGE-AGAINST-THE-MACHINE Album.
Um es auf einen Nenner zu bringen: Bei so vielen Anleihen, was durchaus nicht abgekupfert heissen soll, fällt es zu einfach dieses gelungene Debütalbum in eine gar Industrail-Schublade zu stecken. Es ist eher moderner, richtungweisender Rock, wie er auch in Zukunft vielleicht mehr zu hören sein wird.
Unter dieser Vorraussicht bleibt zu hoffen, dass Llluther mit diesem tollen Debüt nicht den Weg vieler Bands gehen und danach gleichmütig und langweilig werden. Sondern den eingeschlagenen Weg weiter mutig zu gehen. Dann könnte eine feste Größe am Moscherhimmel entstehen.