Ich habe mich sehr gefreut, im Rahmen der Entdecker-Challenge auch eine Biographie über Agatha Christie lesen zu können, deren Kriminalromane für mich der Einstieg ins Genre waren. Gerne wollte ich wissen, wer hinter diesem großen Namen steht, den ein jeder sofort mit Miss Marple und Hercule Poirot in Verbindung bringen kann, wobei die Bücher mit diesen beiden Ermittlern wirklich nur einen Bruchteil des großen Werkes dieser Autorin ausmachen.
Der Wunsch nach mehr Hintergrundwissen wurde von dieser Biographie vollkommen erfüllt, doch ein bisschen enttäuscht bin ich dennoch, denn Laura Thompsons Stil ist nicht leicht zu schlucken. Die Autorin ist unglaublich weitschweifig, ihre Beschreibungen sind für eine Biographie oft viel zu blumig und unsachlich. Besonders grenzwertig fand ich ihre Charakterisierungen Agathas und der Menschen aus ihrem engsten Umfeld. Die wirkten meist plump und hatten wenig Tiefgang. Gerade im Hinblick auf Agathas zweiten Ehemann Max Mallowan wird deutlich, dass Laura Thompson ihm keinerlei Sympathien schenkt und sämtliche Liebesbriefe oder Geschehnisse so deutet, dass er schlecht da steht. Die Seitenhiebe auf den Mann, der immerhin 46 Jahre an der Seite seiner berühmten Frau verbrachte, bis zu deren Tod im Jahre 1976, sind für mich meistens nicht zu verstehen und in diesem Punkt lässt die Biographin auch jegliche Objektivität vermissen. Die Beispiele, die sie bringt, um ihre These des Ehemanns als reinem Nutznießer zu untermauern, habe ich völlig anders gedeutet und verstanden, was die Lektüre manchmal recht mühselig machte, weil ich ihrer Argumentationskette absolut nicht folgen konnte.
Weiterhin spickte sie ihr Buch mit unheimlich vielen Zitaten, Querverweisen und Fußnoten, was ich prinzipiell immer sehr begrüße - je mehr Informationen desto besser -, doch Laura Thompson hat es gerade zu Beginn deutlich übertrieben und den Leser dadurch tüchtig verwirrt. Außerdem hätte ich es sehr begrüßt, wenn die Fußnoten nicht in einem Anhang am Ende des Buches gestanden hätten, sondern gleich auf der entsprechenden Seite, denn bei ihnen handelte es sich nicht nur um reine Quellangaben, sondern um sehr nützliche Erläuterungen, die zum besseren Verständnis beigetragen haben. So aber musste man den Lesefluss immer wieder unterbrechen, um in den Anhang zu blättern und die Anmerkungen zu lesen, was ich als sehr lästig empfunden habe.
Am besten gefallen hat mir das Kapitel um Agathas elftägiges Verschwinden im Jahre 1926, was Laura Thompson wirklich gut gelungen ist. Diese 11 Tage werden immer ein ungelöstes Rätsel bleiben, doch die Deutung der Biographin Thompson hat mir wirklich gut gefallen und ich halte sie auch für sehr wahrscheinlich.
Als kleines Fazit lässt sich abschließend zusammenfassen, dass dieses Buch mir ein Meer an neuen Informationen beschert hat, über die ich mich sehr freue und die ich sicher erst nach und nach verarbeiten werde, doch ich habe mir diese Informationen auch hart erkämpfen müssen, da ich selten wirklich konform ging mit den Deutungen Laura Thompsons.