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Wenn sich jemand in Washingtons inneren Zirkeln der Macht auskennt, dann ist es Richard Clarke. Seit seinen Tagen im Stab Ronald Reagans, hat er noch jeder Regierung in gehobenen und höchsten Ämtern gedient. Auch George W. Bush mochte auf Clarkes Mitarbeit nicht verzichten und berief ihn zum "Koordinator für Sicherheit, Infrastrukturschutz und Antiterrorpolitik". Doch wollte dann niemand so recht auf das hören, was Clarke über die Bedrohung zu sagen hatte, die seiner Einschätzung nach von Osama bin Ladens Terror-Netzwerk al-Qaida ausging und wie man ihr begegnen sollte. Wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001, die nach seiner Überzeugung hätten verhindert werden können, räumte Clarke seinen Posten.
Obwohl man ihm zugesichert hatte, ihm nun endlich die Programme finanzieren zu wollen, die er immer gefordert hatte, konzentrierte sich die Regierung schon bald nach den unerwartet schnellen Erfolgen in Afghanistan wieder auf andere Dinge und rückte den Irak und Saddam Hussein ins Fadenkreuz, von dem doch nach allem, was man wusste, gar keine unmittelbare Gefahr ausging. Als die USA im März 2003 den Krieg gegen den Irak eröffneten, quittierte Clarke den Dienst endgültig -- und begann das Buch zu schreiben, das George W. Bush die zweite Amtszeit kosten könnte.
In Amerika war die gesamte Erstauflage -- immerhin 300.000 Stück -- noch am Erscheinungstag ausverkauft! Und das Interesse ist berechtigt: Detailliert legt der Bericht die fortgesetzte und kaum vorstellbare Fahrlässigkeit offen, mit der die US-Regierung vor und nach dem 11. September immerfort die sicherheitspolitisch falschen Prioritäten gesetzt hat (und noch immer setzt). Und dies nachweislich unter Missachtung ihr vorliegender Erkenntnisse.
Auch wenn sie es fortwährend behaupten: Bush, Cheney und Rumsfeld haben weder die Welt, noch Amerika sicherer gemacht. Das genaue Gegenteil ist der Fall! Statt Amerika vor seinen Feinden zu schützen, wie es ihr Amtseid geböte, schaffen sie ihm sehenden Auges immerfort neue. Einen anderen Schluss jedenfalls lässt die Lektüre kaum zu. --Andreas Vierecke
Richard A. Clarke, hochrangiger Beamter und langjähriger Nationaler Koordinator für Sicherheit, Infrastrukturschutz und Antiterrorismus, diente seit Ronald Reagan jedem US-amerikanischen Präsidenten in hochrangigen Positionen, unter Clinton sogar im Kabinettsrang. Am 11. September 2001 leitete er in den entscheidenden Stunden nach den Anschlägen auf die Twin Towers den Krisenstab im Weißen Haus. Im März 2003 wechselte Richard Clarke enttäuscht/ aus Protest gegen den Irak-Krieg den Posten und erarbeitete die US-Strategie zur Cyberspace-Sicherheit.
Mit seiner Offenlegung der Versäumnisse im Anti-Terrorkampf und seiner harschen Kritik an einer falschen Prioritätensetzung in der US-amerikanischen Sicherheitspolitik, die sich streckenweise wie ein autobiografischer Thriller liest, erhebt Clarke schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Vorgesetzten: Präsident Bush und Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice hätten die intensiven Warnungen vor der von Al Qaida ausgehenden Bedrohungen trotz der damals verfügbaren Daten der Geheimdienste nachweislich nicht ernst genommen, weil man zu sehr auf einen Umsturz im Irak fixiert war. Durch den unnötigen und kostspieligen Krieg gegen den Irak wurde wertvolle Zeit verloren und die Gelegenheit verpasst, das islamistische Netzwerk zu zerschlagen, das sich inzwischen neu formieren konnte und zu einem härteren Gegner als vor dem 11. September geworden sei. Anfängliche Versuche des Weißen Hauses, den ehemaligen Antiterrorismus-Spezialisten als unglaubwürdig abzutun, schlugen fehl.
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Dieses Buch konzentriert sich auf die politische Ebene der Vorgänge, wer mehr über das Versagen auf der operativen Ebene (also CIA und FBI) wissen möchte, der sollte zu „Tödliche Fehler" von Oliver Schröm und Dirk Laabs greifen. Beide Bücher zusammen ergänzen sich hervorragend. Bob Woodwards „Bush at War" - so gut es sonst auch ist - lieferte in diesem Zusammenhang zu wenig, vielleicht liefert sein neues Buch über den Irak-Krieg „Plan of Attack" ja noch etwas mehr Substanz nach.
Im Ganzen ist zu sagen, dass dieses Buch auch jenseits der aktuellen Tagespolitik sehr lesenswert ist. Und auch jene, die nur an den aktuellen Ereignissen interessiert sind und meinen aus der Presse schon alles zu wissen, sollten dieses Buch lesen, den viele der Einzelaussagen in der Presseberichterstattung waren aus dem Kontext gerissen und ergaben ein falsches Bild von jenen Ereignissen und auch Clarke selber.
Der Titel "Against all enemies" ist ein Zitat aus der amerikanischen Verfassung, die gegen "alle Feinde" zu verteidigen ist.
Clark's Werk zieht die Entwicklung über vier US-Präsidenten nach, beginnend bei Ronald Reagan. Und dies macht den Wert dieses Buches aus. Es geht nicht um eine Adhoc-Bestandsaufnahme, hektisch suchend, was gegen die neuen Terrororganisationen zu tun sei. Sondern man vollzieht nach, wie sich die Strukturen und Schlüsselpersonen bis heute entwickelt haben. Al Quaida mag neu sein, die dahinter stehenden Figuren sind es nicht. Auch diese Organisation zerlegt sich beim Lesen in ihre Strukturen. Man lernt eine Menge.
Auch ist das Buch sehr atemberaubend wie ein guter Krimi geschrieben.
Aber Clarke hält auch mit Kritik an der gegenwärtigen Regierung nicht hinter dem Berg. Er wirft ihr vor, die Geheimdienstearbeit für eigene Zwecke mißbraucht zu haben, in dem sie deren Wirkrichtung umkehrte: Eigentlich sollen die Dienste Informationen verdichten, analysieren und Erwartungen daraus ableiten. Politiker sollen dabei möglichst wenig ins Handwerk pfuschen und z.B. auch keine Informationen isoliert abgreifen und für eigene Zwecke verwenden. Genau das aber taten die Mitglieder der Bush-Administration als sie den Auftrag haben: Liefert uns Informationen, die auf einen Zusammenhang zwischen dem Irak und Al Quaida hinweisen. Und als man keine fand, wurde der Auftrag so lange wiederholt, bis endlich Informationsschnipsel geliefert wurden. Das war das Ende des Erträglichen für Richard Clarke. Und für das Selbstverständnis vieler Dienstemitatbeiter...
Usw.
Das Buch ist sehr empfehlenswert.
Ein spannendes Buch, dass einem die Augen öffnet. Dieser Bericht beweist auf eindringliche Weise, dass das Entsetzen vor der Administration Bush nichts mit "Antiamerikanismus" zu tun haben muss. Vor dem Hintergrund der Informationen Clarkes wird vielmehr um so klarer, dass der 3. Irakkrieg heute, in der Situation der bereits seit den 90ern stattfindenden islamischen Radikalisierung bestimmter Länder wie Irak, Iran, Afghanistan, Sudan, Saudi-Arabien, Jemen usw., das Schlimmste war, was passieren konnte und dass sich die im Nahen und Mittleren Osten bereits lang existierenden Probleme und Gefahren nur verschärfen werden.
Ein Muß für jeden, der Entwicklungsprozesse der terroristischen Bedrohung in den 90ern nachvollziehen will und ein Muß für denjenigen, der die außenpolitische Entwicklungen der USA, bzw die Antiterrorpolitik der USA in den 90er Jahren, verstehen möchte.
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