Man muß wissen was einen bei Steven Seagal erwartet. Wer anspruchsvolle Unterhaltung möchte ist grundsätzlich schlecht beraten. Aber ab und zu hirnlose Action mag ich eigentlich ganz gerne. Deshalb griff ich zu diesem Film. Zumal Steven Seagal in einem Vampir-Horror-Film mal eine interessante Abwechslung zu sein schien im Vergleich zu seinen circa 200 verschiedenen CIA-Action-B-Movies beziehungsweise 200 mal den selben CIA-Action-B-Movie mit langem braunen Ledermantel. Der lange Ledermantel ist hier immerhin schon mal schwarz.
Als glühender Verehrer zahlreicher Vampir- und Zombiefilme muß ich sagen, grundsätzlich ist der Film nicht so schlecht. Da hat man in dem Genre schon durchaus schlimmeres gesehen. Es stimmt vieles: die Atmosphäre der dunklen Gänge, die aufwändige und professionelle Inszenierung von den Kameraeinstellungen bis hin zu den Schockmomenten. Die Musik und auch die Grundidee an sich. Sogar die schauspielerischen Leistungen sind okay, selbt Mr. Seagal mit seinen bekanntermaßen begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten nehme ich seine Rolle ab, auch wenn er hier kaum noch selbst kämpft sondern eher seine Mitstreiter herum kommandiert. Er ist Anführer einer Kampfeinheit, die nach Überlebenden sucht.
Was mich viel mehr stört ist, dass sich sämtliche Protagonisten dem Drehbuch entsprechend fast schon grenzdebil verhalten. Ständig sagt irgendwer zu irgendjemand, er möge hier auf ihn warten, was selbstverständlich verheerend ist. Wer will auch schon freiwillig in einem von Untoten bevölkerten Krankenhaus in einer Ecke alleine warten bis man dann eventuell irgendwann wieder abgeholt wird. Weitere Beispiele gefällig? Treffen sich zwei Gruppen von Überlebenden in diesem Krankenhaus, die einen gerade erst angekommen, die anderen offensichtlich schon länger da. Als allererstes wird überlegt, wie man denn am besten wieder raus kommt (zumindest die Leute die gerade erst angekommen sind sollten sich bei funktionierendem Kurzzeitgedächtnis noch an den Rückweg erinnern können) Die anderen, die schon länger da sind, sollten sich doch mittlerweile so gut auskennen, um den Weg zu der rettenden Sicherheitsschleuße zu kennen, von der sie ständig reden, anstatt sich fortwährend zu verlaufen und auf blockierte Treppenhäuser zu treffen. Während die Gruppe nun durch das Krankenhaus irrt - ständig auf der Flucht und darum bemüht, nicht von den Kreaturen entdeckt zu werden - unterhält sie sich in maximaler Lautstärke, und es fällt nicht mal den starken Männern ein, sich mal zu bewaffnen. Nachdem die Gruppenmitglieder genretypisch voneinander getrennt wurden, wickelt sich ein Junge, der in einem Alter ist, in dem man logisches Denken erwarten könnte, in eine Decke ein und legt sich schutzlos mitten auf einen Gang zum Schlafen. Hat dann endlich Mr. Seagal alle Überlebenden aufgespürt und wiedervereint, dann liegt es doch nahe, das man erst mal zurück bleibt und Smalltalk macht, anstatt der bis an die Zähne bewaffneten Eliteeinheit auf Schritt und Tritt zu folgen. Und in Anbetracht dessen, dass der Stromgenearator jeden Moment ausfällt, benutzt man am besten trotz reiflicher Überlegung den Aufzug. Nanu, er bleibt stecken. Welch Überraschung! Ach ja, und fremde Jungen die man zum ersten mal trifft sind natürlich grundsätzlich nicht infiziert, so dass man ihnen schon mal 2 Sekunden nachdem man sie getroffen hat über den Kopf streicheln kann, während man in die andere Richtung schaut.
Wie konnten Leute die sich dermaßen dämlich anstellen nur so lange überleben? Aber auch die Kreaturen verhalten sich sehr ungewöhnlich. Stets auf der Suche nach Fleisch und Blut scheinen manche davon schon wochenlang an ein und der selben Stelle im Hinterhalt zu liegen, bis mal zufällig jemand vorbei läuft.
Das Klinikum Süd in Nürnberg hat übrigens keine Hauptsicherheitsschleuße, sondern mehrere normale Eingänge und zur Not auch ebenerdige Fenster, die man einschlagen könnte, um aus dem Gebäude zu entkommen. Aber vielleicht sind ja Kliniken in den USA anders gebaut. Über diesbezügliche Aufklärung von Lesern dieser Rezension würde ich mich sehr freuen. Vielleicht würden mir dann Teile des Films nicht gar so seltsam erscheinen. So bleibt der Eindruck, dass ein teilweise unsinniges Drehbuch den Gesamteindruck eines Films mit eigentlich gutem Potential deutlich schmälert.