Zwei ganz normale Mädchen, zwei Jugendliche - Jerus (17 Jahre / Israelitin) und Nadira (18 Jahre / Palästinenserin). Also alleingesehen normal, aber können sie eine gemeinsame Geschichte haben?
Es ist zwar ein Buch für Jugendliche und meine Tochter mit ihren 21 Jahren fällt nicht mehr ganz in das Alter, aber sie hat das Buch verschlungen und es mir unbedingt auch ans Herz gelegt.
BASIEREND AUF EINER WAHREN GESCHICHTE !!!!
Übersetzt von Eldad Stobezki, Mirjam Pressler
Die Autorin:
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... wurde 1957 geboren und ist Hochsculprofessorin für Pädagogik und leitet unter anderem Gesprächsgruppen zwischen Juden und Arabern.
Das vorliegende Buch ist das dritte aus ihrer Feder. Es ist auch auf Arabisch und Hebräisch erschienen und erhielt den Martha-Preis zur Förderung von Toleranz in Jerusalem.
Leseprobe:
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Jerus lachte und war mit meinem Vorschlag einverstanden. Die Wahrheit war, dass ich mich mit ihr am Supermarkt verabredete, weil ich mich schämte, allein zu ihr hinaufzugehen in ihre Wohnung, die ist normalerweise voll mit Onkeln und Tanten. Wir verabredeten uns immer irgendwo außerhalb und gingen gemeinsam hinauf. Jerus begrüßte dann jeden Gast persönlich, und ich begrüßte sie alle zusammen und hatte es eilig, in Jerus' Zimmer zu verschwinden.
Also sagte ich zu meiner Mutter: Ich fahre vom Supermarkt aus gleich zu Jerus und komme zum Abendessen zurück. Danach darfst du mich zur Party fahren. Mach dir keine Sorgen, ich stelle die Einkaufstüte bei Jerus in den Kühlschrank. So plante ich den Verlauf des Freitagnachmittags mit meiner berühmten Effizienz.
Ich setzte den Fahrradhelm auf den Kopf, steckte mein Handy in die große Jeanstasche, wickelte mir ein Sweatshirt um die Hüften und machte mich in einem kurzen T-Shirt, das mein türkisfarbenes Piercing an meinem noch weißen Bauch betonte, auf den Weg zum Supermarkt und tröstete mich mit dem Gedanken, dass ich Jerus und mir etwas Leckeres zur Belohnung kaufen würde.
Ich hörte meine Mutter hinter mir lachen. Rothelmchen, rief sie mir nach, bleib schön auf dem Weg und sprich nicht mit dem bösen Wolf.
Inhalt:
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Das Buch umfasst 12 Kapitel, ein Nachwort und mehrere Seiten mit Worterklärungen.
Das Buch ist über die Ferien entstanden - es war der 1. August, so erzähllt die Autorin eingangs, als sie endlich über das, was ihr seit dem Terroranschlag passierte zusammenfügen und niederschreiben konnte.
Sie ist Ella, die mit Jerus befreundet ist. Ella schreibt in der Ich-Schreibweise. Jerus und Ella treffen sich im Supermarkt und gerade zu diesem Zeitpunkt zündet Nadira den Sprengstoffgürtel. Sie ist eine Selbstmordattentäterin. Ella ist 15 Jahre und überlebt das Attentat, aber ihre Freundin Jerus nicht. Von diesem Tag an ist für Ella nichts mehr wie es war, sie kommt mit ihrem Leben nicht mehr klar. Aber sie muss lernen weiterzuleben. Sie hat Schuldgefühle und sie weiß sich keinen weiteren Rat, als mit den Familien der Attentäter Kontakt aufzunehmen. eine wahnsinnige Idee, aber sie heilt Ella.
meine zusammenfassende Meinung:
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Man spürt deutliche die Gefühle, den Hass auf die Täter und die Politik im allgemeinen, aber auch die Angst und das alles zerreißt Ella im Lauf der Zeit nach dem Attentat, weil sie sich gegenüber ihrer toten Freundin Jerus schuldig fühlt.
Sehr viel psychologischer Tiefgang ist hier im Buch enthalten. Es ist authentisch geschrieben, zu Herzen gehend, einfühlsam und besonders aufrüttelnd. Es geht besonders um die Themen: Menschenrechte / Krieg und Zeit-Geschichte.
Man spürt weiterhin die Verzweiflung und die Gefühlswelt der Protagnistin wird klar und deutlich offen gelegt. Aber auch die "Gegenseite" kann super nachvollzogen werden in ihren Werten und Normen.
Es ist sehr erschütternd, wie realistisch und offen über dieses Thema geschrieben ist, es ging damals durch die Presse, aber hier so im Roman zu Herzen gehend und detailliert geschildert, ist es für mich - trotz Jugendbuchcharakter - sehr aufrüttelnd und wunderschön zu lesen.
Die Übersetzerin Mirjam Pressler - man kennt sie von ihrer eigenen Autorentätigkeit und auch als Anne-Frank-Kennerin z. B. durch folgendes Buch: Ich sehne mich so! Die Lebensgeschichte der Anne Frank - und durch viele weitere Kinderbücher - hat es perfekt geschafft, die Übersetzung aus dem Hebräischen sehr ansprechend hinzubekommen.
Die Verwendung der wörtlichen Rede und die bildhaften Adjektive tun dem realistischen Buch mit seiner intensiven Handlung besonders gut. Das gesamte Buch ist schlüssig aufgebaut und die Charaktere sind perfekt herausgearbeitet und bilden einen prima Rahmen um die Handlung. Inhaltlich und qualitativ finde ich, ist dieses Buch besonders hochwertig und könnte perfekt auch in Schulen eingesetzt werden.
Es macht sehr nachdenklich, zum einen wie ein Moment ein Leben auslöschen und ein anderes total verändern kann, zum anderen welche Auswirkungen Historie und Politik auf jeden von uns haben können, auch wenn es meist doch so weit weg scheint. Was der Charakter Ella alles unternimmt, um endlich wieder zu einem einigermaßen normalen Leben zurückkehren zu können, das kann man sehr nachvollziehbar im Buch lesen. Es geht unwahrscheinlich unter die Haut, besonders, wenn man das Buch als Mutter liest, die sich in die Familien hinversetzen möchte.
Ein solch negativ intensives Erlebnis verkraften und aufarbeiten zu können, ist nicht leicht, das ist wohl jedem von uns klar, gerade in dem Alter, aber wie man reagiert, das weiß wohl niemand im Vorfeld. Hier wird klar, deutlich und offen sehr gefühlvoll davon erzählt, wie ein junges Mädchen versucht, damit klarzukommen. All dies wird immer vor dem politischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund gesehen, denn man hier perfekt eingeordnet und zugeordnet hat.
Ein wirklich lesenswertes Buch !!!