Murakami erzählt im eigentlichen Sinne dieses Wortes eine Geschichte, die anfangs an Jarmuschs schönen Film "Night on Earth" erinnert ("wir" beobachten die Protagonisten, "sind ein Auge, eine Kamera" - und die ganze Erzählung handelt von den Geschehnissen in nur einer Nacht) und eine dichotome Struktur a la "Hard Boiled Wonderland" (Murakami) zu haben scheint, wobei aber die Verbindung zwischen beiden Welten oder Erzählsträngen weniger konsequent hergestellt wird sowie das ganze Ende nicht sehr beeindruckend ist. Erzählen kann Murakami fraglos meisterhaft und auch "Afterdark" ist gewiß sehr fesselnd und läßt sich locker in einem Zug durchlesen, kommt aber in seiner Intensität an die meisten anderen Murakami-Werke nicht ganz heran. Schon in "Kafka am Strand" hatte ich teilweise den Eindruck, daß Murakami seine eigenen Stilmittel exzessiv einsetzt und über die eigentliche Erzählung stellt, sei es mit einer Übertreibung an Bizarrem oder - wie im vorliegenden Buch - der typischen und unvermeidlichen Musik, die permanent von irgendjemandem aufgelegt/gehört wird. Das kann doch nicht das einzige Mittel sein, Atmosphäre zu beschreiben, oder? Sieht sich der gute Murakami gezwungen extra murakami-ig zu sein? Das Lekorat ist übrigens mit diversen teilweise ärgerlichen Fehlern vor allem in der ersten Hälfte des Buches bescheiden. Denjenigen unter den Lesern dieser Rezension, die zuvor noch nicht Murakami gelesen haben, empfehle ich, frühere Bücher von ihm zuerst zu lesen. Alte Murakami-Fans (wie ich) werden das Buch trotzdem "fressen".