Alexander Kull und seine Schwester Yasmin haben mit "After the Storm" eine sehr gute Mischung aus Pagan Folk und Heavy Metal geschaffen.
Der Silberling fängt mit "A new arrival" noch sehr ruhig an, bevor dann aber bei den anschließenden Songs zum Teil richtig die Post abgeht. Bei "Call of yesteryear", "Black mountain", "Transilvania" und "The Otherworld" zum Beispiel, wird das Tempo kräftig angezogen und schleppende Gitarrenriffs, gepaart mit mittelalterlichen Percussions und kletischen Flötenspiel sind keine Seltenheit. Insgesamt wechseln sich schöne, folkloristische, teils auch indianisch klingende Balladen (ein Vergleich mit Loreena McKennith und Dead can Dance ist hier gar nicht mal so abwegig) mit schnelleren Mid-Tempo-Nummern geschickt ab. Absolutes Highlight ist, meiner Meinung nach, der brachiale und absolut Hit-verdächtige Stampfer "Call of yesteryear". Was aber für jeden Song spricht, sind die eingängigen und zum Teil wunderschönen Melodie-Bögen. Die 11 Songs strotzen nur so vor Abwechslung, Ideenreichtum und geschickten Tempo- und Taktwechseln. Auch die folkloristischen Instrumente, die in allen Songs zum Einsatz kommen, wissen zu gefallen. Hier passt einfach alles!
Gesanglich weiß Sängerin Yasmin Kull mit Ihrer leicht dunklen Stimme zu gefallen. Unterstützt wird sie, in einigen Songs, von Sänger, Produzent (u.a. Leaves' Eyes, Elis) und Bruder Alexander Kull. Seine Growls sind dabei allerdings nicht mehr so unpassend und nervig, wie noch auf dem Leaves Eyes'-Debüt-Album "Lovelorn" oder auf Atrocity's "Werk 80" Scheiben. Hinzu kommt, dass Herr Kull in einigen Songs auch mal den Barden raushängen lässt. Er hat, in der Vergangenheit schon, das ein oder andere Mal beweisen, dass er auch ruhige Töne anschlagen kann, was er gesanglich auf "After the Storm" darbietet, klingt richtig gut und absolut passend.
Lange Rede, kurzer Sinn: "After the Storm" ist ein absolutes Muss für jeden Pagan-Metal Fan. Wer sich mit Bands wie Ensiferum, Eluveitie, Kivimetsän Druidi, Shelmisch, Omnia, Faun, Corvus Corax, Annwn, etc. anfreunden kann, sollte dem neuen Silberling von Atrocity auch eine Chance geben. Wer sich für die Scheibe interessiert, der sollte zu Limited Edition greifen, hier gibt es das erste, allerdings auch ein wenig schwächere Album "Calling the rain" von Atrocity feat. Yasmin, für einen relativ geringen Aufpreis dazu. Meiner Meinung nach gehört "After the Storm" derzeit zu den besten Pagan-Alben und deshalb gibt's von mir auch die wohlverdiente Höchstwertung: 5 Sterne!