Selten genug gelingt es einem Künstler, den passenden Titel für sein Werk zu finden; oftmals sind es bestenfalls Andeutungen, die die Richtung erahnen lassen, wohin die Reise gehen soll...
Nicht so bei diesem Werk von Gavin Bryars: After the Requiem wird diesem Anspruch völlig gerecht und zeigt, dass tatsächlich noch etwas kommt, wenn man glaubt, man wäre bereits am Ende angelangt. Wer jemals einem Requiem der alten Meister (wie Mozart) andächtig lauschte oder sich gar in der Welt des Künstlers wiederzufinden wähnte, kann sich schwerlich vorstellen, dass alles Sein hier nicht schon an sein Ende gelangt ist. Und doch macht Bryars genau hier weiter, wo eigentlich nichts mehr geht, und steigert die Intensität von musikalischer Todesahnung und -Erfahrung ins Unendliche. Ein Stoff für wahrhaft stabile Gemüter - oder besser gesagt, für die Zuhörer, denen es gelingt, sich in derartigen musikalischen Welten aufzuhalten, ohne dabei in tiefste Depression oder Todessehnsucht zu verfallen. Wer sich diesen Gewalten aber gewachsen zeigt, der erlebt eine furiose Reise in die Unterwelt des Bewusstseins, den packt ein faszinierend-dichter musikalischer Teppich, gewebt aus dunklen Fasern und Mustern des Unter-Bewussten. Und erfährt eine ganz eigene innere Gewissheit, dass es selbst hier immer noch ein (musikalisches) Danach gibt. Intensiv, Packend und Aufwühlend.