After the Ice: A Global Human History 20,000-5000 BC: A Global Human History, 20,000-5,000 BC21. Juni 2009. Ich bin extrem beeindruckt. Das Buch "After The Ice" ist ein beispiellos starker Text über die Menschheit nach der Eiszeit, von 22'000 bis 7'000 Jahre vor unserer Zeit. Es erschien kurz vor der "Evolution des Göttlichen", ich konnte es dort noch nicht zitieren.
1. Meine Bewunderung gilt der Form:
Mithen hat sich einen modernen John Lubbock ausgedacht, der am Beginn des 21. Jahrhunderts die archäologischen Fundstätten besucht. Vorbild ist dabei ein reiselustiger Gefolgsmann von Charles Darwin, John Lubbock (1834-1913), der schon in viktorianischer Zeit einen Bericht über das archäologische Wissen seiner Zeit verfasst hatte.
Das Alter Ego von Mithen, der moderne John Lubbock, ist in seiner Neugier nicht zu bremsen. Ausgehend von Westasien, über Europa, die beiden Amerikas, Grossaustralien und Ostasien, Südasien und Afrika besucht er Fundstätte um Fundstätte. Er beobachtet die Menschen am Werk und informiert sich bei den jeweils kompetenten Forschern. So liest sich das Buch anschaulich und spannend.
2. Meine Bewunderung gilt dem Inhalt:
Ich kenne kein anderes Kompendium, das so eingehend und zuverlässig darstellt, welche enorme Herausforderung das dramatische Ende der letzten Eiszeit für unseren Globus und die Menschen darstellte. Insbesondere das heutige Nordamerika erlitt die wohl spektakulärsten Veränderungen seines Reliefs und seiner Flusslandschaften. Jede Klimaänderung zwang die Menschen, Lebensgewohnheiten aufzugeben und sich neu einzurichten. Und überhaupt: Neue Lebenswelten zu erschliessen.
3. Meine Bewunderung gilt der menschlichen Leistung
In dieser Zeit schafften die Menschen den Übergang von Jäger-Sammler-Gesellschaften zu Dorf- und Agrarökonomien. Sie verhielten sich kooperativ und wetteifernd, fürsorglich und gewalttätig, egoistisch und altruistisch. Sie zähmten Tiere und züchteten Nutzpflanzen. In Westasien Weizen und Hafer, Schafe und Ziegen usw. In Afrika Rinder, Melonen, Hirse, Sorghum, Ölpalmen usw.; in Indien Truthühner; in Ostasien Reis und Schweine; in Südamerika Vicunas; in Mexiko Mais, Kürbis etc. Einige wenige Übersichtstabellen wären nützlich.
4. Meine Bewunderung gilt der nüchternen Sicht
Mit seinen Aussagen geht Steven Mithen nur soweit, als die archäologischen Daten und Indizien es zulassen. Nichts von Science Fiction! Nichts von Schwärmerei! Das ist sehr erfreulich, wenn man bedenkt, dass auch bei manchen Wissenschaftlern die Fantasie gerne dort durchbrennt, wo ihr Wissen aufhört.
5. Die Proportionen
Am Ende seines Buches stellt Mithen seine Ausführungen in ein Verhältnis zur Gegenwart. Was wir gegenwärtig erleben, ist eine globale Klimaerwärmung. Eine solche machte Tasmanien schon vor 16'000 Jahren unbewohnbar, und die Sahara wurde vor 7'000 zur Wüste, die wir heute kennen. Vor 11'600 Jahren war die globale Temperatur um 7° angestiegen, im Vergleich zum Eiszeit-Höhepunkt. Der Meeresspiegel war um 120 Meter hinauf geklettert. Schlicht gigantisch!
Die Wissenschaftler erwarten von der gegenwärtigen Klimaerwärmung einen Anstieg des Meeresspiegels um 32 Zentimeter in fünfzig Jahren, und eine globale Erwärmung um 3 Grad in hundert Jahren.
Das Szenario verheisst Dramatisches: Dürren und Überschwemmungen werden Menschen in Hunger und Durst stürzen und sie zwingen, ihre Heimaten zu verlassen. Fruchtbare Landschaften werden Wüste, viele Gegenden unbewohnbar. Auch wenn vielleicht Grönland ein Weideland für Rinder wird, die Jagd auf Wale und Eisbären wird dann wohl der Vergangenheit angehören. Dies alles geschähe nicht zum ersten Mal, wie "After The Ice" herausragend dokumentiert.