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Musik: 5 Sterne
Klang: 5 Sterne
(von max. 5 Sternen)
Er ist der wichtigste afrikanische Sänger des 21.Jahrhunderts neben Youssou N'Dour und Lokua Kanza: Der Malier Habib Koité hat das Bild der Sahel-Musik für immer verändert - als Brückenbauer zwischen Singer-Songwriter und Griot, zwischen Savannen-Traditionen und Rock, zwischen afrikanischem Selbstbewusstsein und vielfältigen Berührungen mit Europa. Nach sechs Jahren Studiopause kommt der mehrfache Spitzenreiter der Weltmusikcharts mit seinem neuen Opus "Afriki" zurück: Geprägt von poetischer Power und pragmatischer Lyrik, die zur beherzten Selbstbestimmung Afrikas aufruft. In jahrelanger Detailarbeit entstand in Mali, Belgien und Vermont dieses vierte Werk, auf dem wiederum die Roots aller Völker Malis in einem hochaktuellen Sound gedeihen: Von den Jägerrhythmen der Wassoulou-Region über die Griotgesänge des Zentrums bis zu den ungeschliffeneren Tönen des Nordens. Ein würdevolles, kraftgeladenes und souveränes Combeack des Barden aus Bamako und seiner Band Bamada.
In jahrelanger Detailarbeit entstand in Mali, Belgien und Vermont sein viertes Werk Afriki, auf dem wiederum die Roots aller Völker Malis in einem hochaktuellen Sound gedeihen, von den Jägerrhythmen der Wassoulou-Region über die Griotgesänge des Zentrums bis zu den ungeschliffeneren Tönen des Nordens. Wesentlichen Anteil an der packenden Akustik hat wiederum die mittlerweile 19 Lenze zählende Band Bamada, die durch ihre eng verzahnten Interaktionen und ihren frappierenden Teamgeist betört. Ein feines Wechselspiel zwischen Habibs Gitarrenlicks und den federnden Balafon-Teppichen von Altmeister Kélétigui Diabaté bildet den Kern. Perkussive Finesse aus den Händen von Souleyman Ann und Mahamadou Koné mit einer Vielzahl von Schlagwerken, darunter Rockdrums, Talking Drum und Kalebasse spinnen die rhythmischen Netze. Die Harfen- und Banjo-Instrumente Kamalengoni und Ngoni von Abdoul Wahab Berthé und dem Gast Barou Kouyaté gruppieren sich ins Saitenspiel, Harmonika-Einlagen von Boubacar Sidibé färben bluesig - all dies bestimmt den unspektakulären und doch einzigartigen Klangzauber von Habibs Heroen. Als besondere Färbung hat sich der Malier im Titeltrack prominenten Supports versichert: Die Textur der Bläsersektion kommt aus der Arrangierstube eines der Größten des Funk: Kein geringerer als James Browns Zeremonienmeister Pee Wee Ellis hat Hand an die Hornsätze gelegt. Neu sind auch die ruppigen Töne der traditionellen Fiedel Soukou, für deren Bogenstrich Hassey Sarré verantwortlich zeichnet. Und ein fünfköpfiger Background-Chor bringt die weibliche Seite von "Afriki" zum Schwingen.
Thematisch holt der Barde aus Bamako weit aus. Im Zentrum des lyrischen Spektrums steht sein wohl größtes Anliegen, das er im Titelstück formuliert - das Lösen des Kontinents von jeglicher Fremdbestimmung: "Die Menschen in Afrika sind bereit, ihr Leben zu riskieren, um nach Europa oder in die USA zu gelangen", so Koité, "aber sie sind nicht bereit, das Risiko auf sich zu nehmen, zu bleiben um hier etwas auf die Beine zu stellen." Und den Wohlstandsgesellschaften hält er als vermeintlichen Paradiesen unverblümt den Spiegel vor: "Auch wenn Mali arm ist: Du gehst vor die Tür, lächelst und es gibt immer jemanden, der dann auch dir ein Lächeln schenkt. Ich habe viel darüber nachgedacht und ich bin nicht überzeugt, dass arme Länder notwendigerweise eine schlechtere Lebensqualität aufweisen als die reichen." Lauscht man den Lyrics, erkennt man schnell, dass hier eine präzise Verbalattacke verborgen ist: Koité erzählt, wie seine Landsleute in Céuta, an der Pforte zu Europa abgewiesen werden und erkennen müssen, dass Gastfreundschaft woanders mit Füssen getreten wird. Besonders in den Nachwehen des grotesken G8-Schauspiels sind seine Zeilen bitter: Mit verzweifeltem Trotz zeichnet er das Bild von einem Kontinent, der sich nur selbst aus dem Schlamassel befreien kann, wenn die UNO nicht endlich Armut, AIDS, Kindessterblichkeit und Entschuldung ernst nimmt.
Das Statement ist Programm für viele Titel auf Afriki: Sein Songwriting auf dem vierten Opus stützt sich noch ein wenig mehr auf die traditionelle Seite als auf den vergangenen Werken und stärkt so den Pulsschlag seiner Heimat: In "Massaké" dringt ein komplexer Rhythmus kräftig ins rockige Arrangement hinein. "Barra" ruft zum anstachelnden Klang des Ngoni und der Fiedel die Bauern, Fischer, Viehzüchter und Kaufleute zur Arbeit. "Nta Dima" verblüfft im Intro mit polyphonen Jägerhörnern und spricht mit seinen naturbelassenen Männerchören Warnungen an die Heiratsvermittler aus: Eine Tochter darf nicht an Taugenichtse und aggressive Zeitgenossen weggegeben werden.
Natürlich gibt es auch die geschliffenen Akustikperlen, in denen Habib seine charismatische Vokalsanftheit walten lassen kann, etwa im bezwingenden und optimistischen "N'tesse", oder dem orchestralen Preislied "N'Teri". Und eine wunderschöne Liebeserklärung an das unter dem Baum sitzende maurische Mädchen mit den großen Augen hält der Eröffnungstitel "Namania" parat. Doch auch hier versteckt sich eine nachdenkliche Botschaft: Die Angebete verschwindet wie die gefällten Bäume auf der Farm. "Ich spreche über Liebe, aber auch über die Dinge, die wir behalten wollen und die uns entgleiten." Damit die kulturellen Werte seiner Heimat sich nicht verflüchtigen, hat Habib Koité einen Kunstgriff angewandt: "Ich will unserer Jugend ein kleines Fenster öffnen - und ihr mittels neuer Musik helfen unsere alten Traditionen wahrzunehmen", bekräftigt er.
Der Mann neigt zu Bescheidenheit: Für die Verbindung von Sahel und Westen hat er eine große Flügeltür aufgestoßen, die sich mit Afriki noch ein Stück weiter aufgetan hat.
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