Sicher, man kann weder einen Kontinent, noch ein Land und seine Bevölkerung durch ein Buch erfahren. Aber "Afrikanisches Fieber" lässt uns Wahrnehmungsmuster, Lebenseinstellungen, Lebensziele und vieles mehr entdecken. Beispiel: In Deutschland fährt der Bus, wenn der Fahrplan es sagt. In Afrika, wenn er voll ist. Von solchen, relativ banal anmutenden kulturellen Unterschieden, bis hin zur schonungslos und brutalen Realität von Fauna, Krankheiten, Kulturstandards und Konflikten lässt der Autor ein historisch solide untermauertes Bild des schwarzen Kontintents entstehen. Kapuszinski lässt uns an seinen mannigfaltigen Erfahrungen teilhaben und eröffnet uns Einblicke in einen Kontinent und seine Bevölkerung, der mehr und mehr seinen Weg in die Presse findet. Das Buch führte mir vor Augen, wie unglaublich oberflächlich unser mediales Afrika-Bild ist. Sei es die Entstehung von Konflikten, Möglichkeiten ihrer Bewältigung oder die Entwicklungshilfe: Vieles sieht man mit ganz anderen Augen (nicht zwingend positiver oder negativer - auf jeden Fall aber fundierter). Ganz Journalist, bleibt Kapuszinski in seiner Schreibe weitestgehend neutral. Für Afrika-Reisende oder Afrika-Interessierte ein hervorragendes Buch, dass Jahrzehnte von Erfahrungen kurzweilig präsentiert.