Afrikanische Tragödie
Die Farmersfrau Mary Turner wird ermordet auf der Veranda aufgefunden. Für Polizei und Nachbarn ist die Tat schnell aufgeklärt, der Hausboy wird als Täter verhaftet, er gesteht die Tat. Fragen nach dem Warum werden gar nicht gestellt, da es bei dieser Konstellation offensichtlich nur eine Antwort geben kann.
Doch Doris Lessing fragt nach und nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Apartheit der 1930 - 40 ger Jahre im damaligen Rhodesien. Mary lebt ein unabhängiges und zufriedenes Leben in der Stadt; für sie hätte es immer so weitergehen können, aber bald gilt sie als Sitzengeblieben. So heiratet sie den Farmer Dick Turner, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was es für sie bedeuten wird, als "arme Weisse" ihr Leben auf der Farm, isoliert von allen menschlichen - weissen - Kontakten mit ihrem zunehmend ungeliebten Ehemann zu fristen. Einzig die rasch wechselnden Hausboys bieten ihr eine Projektionsfläche für ihre Frustration. Erst Moses, den Mary einst zutiefst demütigte, erkennt ihre Leere und wagt es sie als Mensch und als Frau anzusprechen. Mary findet sich wieder im Widerstreit zwischen Ekel, Faszination udn Angst, die dieser Mensch, der für sie kein Mensch ist, bei ihr auslöst. Als sie ihn, der in ihrer zerbrochenen Existenz der einzige menschliche Kontakt ist, verrät, eskaliert die Situation.
Doris Lessing sieht bereits die schier unlösbar scheinenden Probleme auf dem Wege, die Apartheit abzuschaffen, voraus. In dem bereits 1950 veröffentlichtem Roman stellt sie die süd-afrikanische Gesellschaft in ihrem absurden Rassenwahn dar. Man ist zutiefst von der Überlegenheit der weissen Rasse überzeugt. Erste aus Europa überschwappende Zweifel an dieser Idee werden nihiliert, Neuankömmlinge von der Notwendigkeit, sich an ihre Sichtweise "zu gewöhnen", überzeugt. Doch das gezielte Dumm-halten und die brutale Unterdrückung der Eingeborenen, aber auch die Verachtung der "armen Weissen", die durch ihren niedrigen Lebensstandard zu nahe an den Lebensbedingungen der Eingeborenen leben, um ihre Überlegenheit eindeutig zu demonstrieren, deuten an, dass die Überlegenheit der weissen Rasse angreifbar sein könnte.
Doris Lessing analysiert mit einer einfühlsamen Sprache diese Spirale des Wahnsinns, ein beindruckender und berührender autobiographisch gefärbter und bis heute moderner Roman.