Die Mahnung des Zentralrats der Juden, in Deutschland sei Rechtsextremismus in einigen gesellschaftlichen Schichten fest verankert, die von der Präsidentin dieser Organisation geäußert wurde, findet Unterstützung in Studien von Wissenschaftlern der Universitäten in Berlin und Frankfurt am Main und anderen Städten. Die bekannte Afrikawissenschaftlerin Dr. Susan Arndt aus Frankfurt kam zu dem Schluss, Rechtextremismus sei nur die Spitze des rassistischen Eisbergs, der ohne Rückhalt in der Gesellschaft schmelzen müsste.
Worte können sein wie winzige Arsendosen, zitiert Frau Arndt aus einer Analyse der Sprache des Nationalsozialismus. Sie würden unbemerkt verschluckt, schienen keine Wirkung zu tun und nach einiger Zeit sei die Giftwirkung doch da. Jeder Bürger, vor allem aber Journalisten und Politiker könnten einen großen Teil dazu beitragen, dass sich extremistische Einstellungen in der Gesellschaft nicht weiter festigen. Dazu gehöre vor allem, die Verwendung bestimmter Begriffe und Bilder als rassistische Klischees zu vermeiden, die ihren Ursprung meist in der deutschen Kolonialzeit haben.
In diesem Nachschlagewerk gibt Susan Arndt dafür praktische Hinweise. Viele Menschen machten sich keine Gedanken darüber, dass es negative Auswirkungen auf das friedliche Miteinander von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen hat, wenn Worte wie Asylant, Dritte Welt, Entwicklungsland, Naturvolk, Schwarzafrika und Rasse verwendet werden. Oft suchten offenherzige demokratische Bürger und Medien nach richtigen Begriffen. Meistens machten sie sich nicht klar, dass zum Beispiel auch der Begriff Farbiger eine rassistische Abwertung darstellt. Dadurch würden Menschen mit weißer Hautfarbe unausgesprochen als höherwertig dargestellt. Die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen empfehlen, künftig alle Worte und Bilder zu vermeiden, die eine Abstufung von Menschen beinhalten.
Es gebe keine Rassen bei Menschen. Das sei eine Erfindung, mit der zunächst die deutsche Kolonialpolitik und später die Barbarei der Nazis gerechtfertigt werden sollte. Menschen in Afrika seien auch nicht in Stämme zu unterteilen.
Sie sprechen, was die Autorin nicht erwähnt, auch keine Dialekte wie immer wieder behauptet wird, sondern haben eigene Sprachen, deren Struktur oft sehr viel komplizierter ist als die der europäischen. In Afrika leben Menschen auch nicht "im Kral", wie selbst von europäischen Wissenschaftlern falsch behauptet wird. Dieser Begriff bezeichnet die Umfriedung für Tiere. Diese beiden Beispiele verdeutlichen, dass das Nachschlagewerk ergänzt werden sollte.
Es gebe in diesem Kontinent wie in allen anderen Erdteilen Menschen, die in verschiedenartigen Gesellschaften mit ihren eigenen Kulturen und Sprachen leben.
In ihren Studien bedauern die Wissenschaftler, dass es bislang keine öffentliche Aufarbeitung der deutschen Kolonialpolitik gebe. In dieser Zeit seien die Wurzeln für die Nazidiktatur zu sehen. Viele Klischees hätten sich bis heute halten können. Selbst in Wörterbüchern habe es nur teilweise Veränderungen gegeben.
In der deutschen Sprache sollte man sich umstellen und statt der unzutreffenden Einteilung in Gruppen von Menschen besser ihre Namen nennen oder deren Staatsangehörigkeit bezeichnen. An zahlreichen Beispielen auch aus der Werbung weisen die Forscher nach, dass Rassismen im Alltag weit verbreitet sind. Dadurch würden auch die Bestrebungen von Neonazis, nationalistischen Parteien und anderen Rechtsextremisten unterstützt.
Ein unverzichtbares Standardwerk, das im Regal keines Menschen fehlen darf, der sich mit Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland beschäftigt.
ULF G. STUBERGER