Produkt: DVD (1) / Qualität TOP
Deutscher Titel: African Queen. Originaltitel: The African Queen. Produktionsland: Großbritannien. Premiere: 1951
Mit: Katharine Hepburn, Humphrey Bogart, Robert Morley u. A. Regie: John Huston. Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Cecil Scott Forester aus dem Jahre 1935. Drehbuch: John Huston, Peter Viertel, James Agee. Kamera: Jack Cardiff
Bild: gut / Farbe / Technicolor / 4:3 / Originalformat. Sprache: englisch. Synchronisation: nur deutsch. Untertitel: keine. Filmlänge: 101 Minuten
Genre: Abenteuerfilm > Literaturverfilmung > Abenteuerromanze
Auszeichnungen: Oscar für Humphrey Bogart als bester männlicher Schauspieler
Nominierungen: Oscarnominierungen für Katherine Hepburn, Regie und Drehbuch
Specials: 57 Minuten äußerst informative und ausführliche Doku über die Filmproduktion in englischer Sprache mit deutschen UT, mit vielen Szenen, historischen Ausschnitten und Interviews
1914, Methodistenmission Dorf Kungdu, ehemaliges Deutsch-Ostafrika, am Beginn des Ersten Weltkriegs. Ein britisches Geschwisterpaar leitet seit zehn Jahren die Missionsstation auf typisch verwestlichte Weise, ohne organischem Bezug zu Afrikas Urbevölkerung und Natur. Die Beiden sind bis zum Hals zugeknöpft in das Korsett ihrer eigenen selbstauferlegten Zwänge auswendig gelernter Phrasen und eingetrichterter Seligkeiten. Sie verkünden Freiheit, Gnade und Erlösung, wo sie selbst gefangen, beengt und isoliert sind. Insbesondere der Bruder (Robert Morley) lässt seine unbewältigten Komplexe getarnt kultiviert und dennoch außerordentlich gemein hervortreten. Beim Lesen der Zeitung, die ihm der Flußhändler Bogart gebracht hat, mockiert er sich mit gewählten Worten über die Ernennung eines Bischofs in England, dessen niedere Herkunft er unbedingt zu erwähnen meint. Als nach kurzer Zeit die Deutschen im Zuge einer Strafexpedition die englische - als feindlich betrachtete - Missionsstation niederbrennen, begeht der Bruder eine unbedachte Attacke auf einen deutschen Soldaten und wird niedergeschlagen. Ab diesem Moment offenbart sich das gesamte künstlich aufgebaute und lebensunzulängliche Glaubensgerüst des Mannes, das der Realität nicht standhält. In wenigen Momenten geht er an sich selbst zugrunde und dem, was er sich in seinem Wahn zurechtgezimmert hatte. Er leidet nicht so sehr an der Zerstörung des Dorfes und der gewaltsamen Verschleppung der Eingeborenen um ihres Leides willen, sondern an dem Verlust seiner eigenen äußeren Lebensgrundlage und Bestimmung. Indem er kein Missionar mehr ist, ist er nichts mehr. Denn der Status des Missionars ließ ihn in England noch als jemand gelten. In Augenblicken seines Deliriums halluziniert er Wahrheit. Er gesteht, dass er infolge seiner mangelhaften Fähigkeiten das Theologiestudium abbrach und sich die Blamage dadurch ersparte, indem er sich als Missionar opferte. Im Pathos des Weges in die Fremde zu den Heiden und der selbstlosen Opferung des eigenen Selbst, vermochte er als Kind seiner Gesellschaftsstruktur einzig zu bestehen. Da er nun auch diesen Stand verlor, fühlt er sich seiner menschlichen Bedeutsamkeit entledigt. Er kennt seine eigene Wichtigkeit nicht mehr, weil er sie sich nur von Außen geben ließ. Gerade hier, wo das Christentum ansetzt, indem es eine Botschaft von der Neugründung des Menschen an sich konstituiert, begeht der Missionar einen intellektuellen Selbstmord und beweist damit, dass er als Lehrer des Christentums vom Christentum nichts verstand. Ganz beeindruckend diese Botschaft Hustons im ersten Kapitel.
Katharine Hepburn aber verkörpert die treuherzige Schwester, die dem Bruder in die Fremde folgt, trotz seiner kranken Motive. Ein Trip in das Herz der Dunkelheit, um es mit Conrad zu sagen. Und darin verkörpert sich die echte Selbsthingabe. Die eigentliche Missionarin des Herzens ist Hepburn, ohne dass sie es selber weiß. Doch die Berufung als diese wird sie als Frau konstituieren - weil sie eine Frau ist und weder eine ewige Jungfer, noch eine Nonne. Die ganze Hingabe der Folgschaft dem Bruder nach wird sich vollenden in den Armen Bogarts, was ihr in jedem Fall zu vergönnen ist.
Wunderbarer Humphrey Bogart! So was von reizender Urständigkeit. Verdienter Oscar für diese bärbeißige Rolle. Sein Stirnrunzeln ist bestimmt das beste der Welt. Und wenn ihm etwas nicht schmeckt, so verzieht er den Mund nach unten und lässt gleichzeitig die Hasenzähne hervorschimmern in einem sauren Lächeln, dass es ein Vergnügen ist, ihm dabei zuzusehen.
Die Konstruktion einer fanatischen Kriegstreiberin für Hepburn hingegen, die ihr nach dem Tod des Bruders seitens des Drehbuchs aufgehalst wird, wirkt viel zu abrupt und unglaubwürdig. Bereits im Anbeginn der Flußreise mit Bogart setzt sie an mit konkreter Planung zur Torpedierung eines feindlichen Schiffes, das vor der Flußmündung postiert ist. Es ist der Eindruck, als ob sie plötzlich von unkontrollierten Rachegelüsten, bzw. überdrehtem Kriegspatriotismus ferngelenkt wäre, wodurch ihr christlicher Hintergrund völlig ad absurdum ginge. Dieses Persönlichkeitsmuster wirkt unlogisch.
Letzlich aber weiß das Abenteuer zu gefallen, weil die Flußfahrt auf dem Dampfboot voller feiner Dialoge und abenteuerlicher Elemente ist.
Bogart und Hepburn geben ein sehr gutes, unvergessliches Filmpaar ab.