Der Titel der Compilation verspricht einen großen Überblick über die afrikanische Musik seit der Unabhängigkeit. Dies ist ein gewaltiger Anspruch in Anbetracht der Existenz von ca. 54 Ländern auf diesem Kontinent. Dass die Herausgeber dabei nicht allen Ansprüchen gerecht werden können, sei zugestanden, denn zu unterschiedlich sind die Geschmäcker und Vorlieben der Zuhörer, die auch auf 18 CDs nicht insgesamt befriedigt werden können.
Allerdings sind hier doch etliche Unzulänglichkeiten zu finden, die im Wiederspruch stehen zum Anspruch "The ultimate box set of african music" darzustellen. Statt den angekündigten 200 Titeln finden sich hier nur 185 (!) und keinesfalls "mehr als 250". Die durchschnittliche Laufzeit der CDs beträgt nur 54 Minuten. Dass eine der CDs aus der Abteilung "Lusophones Afrika" nur eine Laufzeit von gut 33 Minuten hat, ist sehr merkwürdig. Dabei ist in dieser Abteilung das Land Mosambik nur mit einem Titel vertreten und damit die bedeutendste Musikrichtung des Marrabenta unterrepräsentiert. Da hätte man deutlich mehr bieten können. Insgesamt sind 39 Länder vertreten, also sind 15 Länder Afrikas gar nicht berücksichtigt. Äquatorial Guinea wird zwar in der Übersicht aufgeführt, die drei Künstler findet man aber nicht auf den CDs. Das 80seitige Booklet reduziert sich auf 40 Seiten, da der englisch und der französische Teil auch die gleichen Bildinformationen enthält. Zahlreiche der Bands und Künstler, die im Booklet als Meilensteine aufgeführt werden, sind auf den CDs aber nicht zu finden. Die Auswahl der Stücke ist beliebig. Einige Klassiker findet man, z.B. "Indenpendance Cha Cha" von Grand Kalle, bei den meisten anderen ist nicht ersichtlich, warum diese ausgewählt wurden. Die üppige Musikkultur Nigerias, immerhin das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist lediglich von drei (ohne Zweifel bedeutenden) Künstlern vertreten. Dass hier nicht einmal King Sunny Ade als Vertreter des Juju aufgeführt wird, bleibt unverständlich. Von den Komoren finden sich 4 Stücke, aber nur eins von La Reunion und keins von Mauritius, die durchaus viel zu bieten haben. Vermutlich war das Kriterium, welche Songs der Herausgeber Ibrahim Sylla im eigenen Bestand zur Verfügung hatte. So bleibt die Zusammenstellung unbefriedigend.
Positiv ist zu vermelden, dass die Stücke in Wesentlichen durchaus hörbar und von der Soundqualität her gut sind. In Anbetracht des Preises ist auch die geringe Lauflänge der CDs zu verschmerzen. Was die Auswahl, Dokumention, Vollständigkeit und Lauflänge angeht, sind die 3 Doppel-CDs "Golden Afrique" von Network Medien deutlich besser, aber eben auch, was ganz Afrika angeht, nicht vollständig, was aber auch nicht deren Anspruch ist.
Fazit: Wer eine repräsentative Dokumention afrikanische Musik seit 1960 erwartet, wie es der Titel verspricht, wird enttäuscht. Wer sich mit einer wenig systematischen und unvollständigen Sammlung zahlreicher Songs zufrieden gibt und damit die eine oder andere Lücke im eigenen Regal füllen will, kann sich hier nicht beklagen.