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Afghanische Reise
 
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Afghanische Reise [Unbekannter Einband]


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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Frankfurt am Main : S. Fischer 2006 (1. Januar 2006)
  • ISBN-10: 3100921038
  • ISBN-13: 978-3100921031
  • ASIN: B002CDRQKK
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 3.119.139 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Roger Willemsen
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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wie live dabei 16. Mai 2007
Von Colin Wood TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Willemsens Afghanische Reise beginnt in Locarno, in dem legendären Grand Hotel, wo er sich zur Vorbereitung noch einmal drei Tage lang intensiv einliest. Am Frankfurter Flughafen trifft er auf seine Begleitung: die langjährige Freundin Nadia, Exil-Afghanin, den Fotografen Christian und seinen Leser, den Vierten im Bunde. Das ist, neben allen inhaltlichen Aspekten, die große Leistung dieses Buches: man fühlt sich beim Lesen live dabei, sieht die Landschaften, hört die Töne, empfindet die Spannung mit, als es z. B. darum geht, eine Kino-Vorführung für Frauen und Kinder auf die Beine zu stellen. Diese Liste kann man endlos fortsetzten.

Willemsen bereist den Norden des Landes von Kabul nach Kunduz; in beiden Städten hält er sich länger auf, lernt Nadias Verwandtschaft und andere Familien kennen. Sogar zu einer Verlobung wird er eingeladen, wo er als fremder Gast das Privileg genießt, sich auch zwischen den von den Männern traditionell getrennt feiernden Frauen aufhalten zu dürfen. Er reist weiter an den Oxus, den Grenzfluss zu Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan und nimmt den beschwerlichen Weg in abgeschiedene Bergdörfer auf sich, um mit den dort lebenden Tadschiken zu reden.

Wieder eine andere, sehr eindrucksvolle Begegnung ist die mit Menschen, die jahrelang in Flüchtlingslagern hinter der pakistanischen Grenze gelebt haben und nun zurückgekommen sind in ihre Heimat, die kein zu Hause mehr ist. Ihre Lebensweise unterscheidet sich kaum von der im Lager, da man ihre neue Unterkunft auch nicht anders nennen kann. Sie haben weder ein festes Dach über dem Kopf, noch verfügen sie über Strom oder fließendes Wasser. Auf engstem Raum leben sie zusammen, ohne Arbeit, ohne Schulen in der unmittelbaren Umgebung, und es wird noch sehr lange dauern, bis sich daran etwas ändern wird. Das Land ist eine riesige Baustelle.

Sehr bewegend sind Passagen, in denen Willemsem beschreibt, wie die Menschen mit der Abwesenheit von Verboten und Unterdrückung umgehen. Da gibt es die auf der Straße spielenden Kinder, die erwarten, geschlagen zu werden, als der Autor mit seinen Begleitern auf sie zugeht, um mit ihnen zu sprechen. Spielen war unter den Taliban verboten wie so vieles andere auch: das Drachen steigen lassen, was in Afghanistan große Tradition hat, Schulbesuch und Ausbildung für Frauen, Arbeit für Frauen, eine zeitlang war es Frauen gänzlich verboten, das Haus zu verlassen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Frauen die Abschaffung des Burka-Zwangs nicht nur als Erleichterung empfingen, da der Ganzkörperschleier ihnen auch Schutz bot. Viele von ihnen müssen nun nach Jahrzehnten des sich Verhüllens erst lernen, mit den Blicken umzugehen, die Fremde, insbesondere Männer, auf sie richten.

Weitere interessante Begegnungen sind sowohl die mit einem Taliban-Führer als auch die mit dem Sprecher der Guantanamo-Häftlinge, der gerade erst vor kurzem aus der Haft entlassen wurde. Beide Treffen laufen sehr konspirativ ab und führen in Stadtteile, die man als Tourist nicht gerne freiwillig betreten möchte. Interessant ist hier für den europäischen Leser die Art der Gesprächsführung: um eine vollständige Antwort auf eine Frage zu bekommen, muss sie mehrmals, jeweils von einem anderen Gesichtspunkt betrachtet, gestellt werden.

Dieser Reisebericht ist nicht chronologisch verfasst im Sinne von erst das, dann das, dann das nächste, sondern springt zwischen den verschiedenen Ereignissen hin und her. Anfangs war das verwirrend, doch es spiegelt hervorragend den Ablauf der Reise. Um es am Beispiel der Kinovorführung für Frauen und Kinder deutlich zu machen: deren Organisation hat einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen, in dem sich die Gruppe aber nicht ausschließlich damit befasst hat, sondern parallel mehrere Unternehmungen verfolgte. In dieses Hin und Her wird der Leser so mit einbezogen. Darüber hinaus ist er eloquent und wortgewaltig. Ein Willemsen eben.

PS: Zur Kinovorführung kamen Jugendliche und Männer, Frauen leider nicht. Auch hier ist also die jahrelange Unterdrückung des weiblichen Geschlechts noch tief verankert. Aber immerhin ist es gelungen, das Kino, welches jahrelang nicht genutzt werden durfte, weil unter den Taliban Abbildungen von Menschen verboten waren, zurück ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Und wer weiß, vielleicht kommen ja inzwischen auch Frauen......
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Roger Willemsen hat Philosophie studiert - das kommt in diesem "Reisebericht" deutlich zum Vorschein. Hier passiert mehr als nur die Wiedergabe von Ereignissen und Erlebnissen. Vielmehr erschafft Willemsen mit seiner lyrischen Sprache eine Atmosphäre der Fremde, der ich mich als Leser nicht entziehen konnte. Unweigerlich geht der Geist auf Reisen und besucht dabei nicht nur die unwirkliche Landschaft eines uns so (unverdient) fremden Landes, sondern geht den verschlungenen Weg einer Philosophie der Fremde, die Willemsen gleichsam auf einer Nebenstrecke vorführt. Hier wird über das Reisen an sich, über Fremdheit und das Wesen des Reisenden, seine Selbst- und Fremdwahrnehmung philosophiert. Dennoch bleibt Afghanistan in seiner "alttestanmentarischen" Landschaft, seinen sozialen Strukturen, seiner Geschichte des Krieges und des Widerstands im Fokus dieser Reise. Und ein unbedarfter Leser wie ich entwickelt schließlich den ernsthaften Wunsch, das Fremde einmal selbst so wahrnehmen zu dürfen. Ein sehr empfehlenswertes Buch!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nur eine Reise 2. Januar 2010
Von Ralf KvF
Format:Gebundene Ausgabe
Willemsen begleitete eine exilierte afghanische Bekannte auf ihrem Weg in die alte Heimat. Sein Buch ist im klassischen Reiseberichtstil geschrieben. Man vermisst eine zuvor präsentierte Gliederung oder ein Inhaltsverzeichnis. Der Leser muss sich auf die Führung durch Willemsen einlassen und kann keine eigenen Einstiegskapitel bestimmen. Der Bericht glänzt durch seine detaillierte und plastische Beschreibung der erlebten Situationen.
Wer jedoch etwas über Afghanistan und seine Stämme "erfahren" will, dem wird Willemsens Reisebericht nicht genügen. Jenen Lesern ist zu empfehlen, sich mit Autoren wie Oskar Ritter von Niedermayer, Peter Levi, Jason Elliot, Eric Newby oder Siba Shakib auseinanderzusetzen.
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Die neuesten Kundenrezensionen
Sprachgewandtes Portrait eines geschundenen Landes
Roger Willemsen hat seine vielfältigen Eindrücke von Afghanistan und dessen Bewohner in einer bewundernswert sprachgewandten Art und Weise dokumentiert. Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von HeiKe veröffentlicht
Ein ganz TOLLES Buch!
Ein wunderschön geschriebenes Buch, das einen Einblick in die Geschichte, Politik und das andere aber wie auch traurige Leben in Afganistan verschafft. Empfehlenswert!!!
Veröffentlicht am 21. August 2009 von Tarantula
Hab mich durchgekämpft!
Also zumnächstmal, ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mich durch dieses Buch gekämpft habe! Roger Willemsen ist ja ein ganz besonderer Spezie .. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Januar 2009 von Sandra Wiese
Nicht mein Fall
Ich habe es angefangen und beiseite gelegt. Ich wollte etwas über Afghanistan erfahren stattdessen fand ich mich in poetischen wortreichen Darstellungen der Gedanken des... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 3. Oktober 2008 von Cornelia Diedrichs
"Quo vadis" Afghanistan
"Afghanische Reise", ein sehr kurzweilig geschriebener, aufschlussreicher Reisebereicht mit sehr viel persönlichen Eindrücken. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 22. Februar 2008 von Donaustadt
Wunderbar!
Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussionen, der vielen Entführungen und Anschläge kann ich dieses Buch nur empfehlen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 23. August 2007 von Sarah Wern
Facettenreiches Werk
Roger Willemsen erzählt in seinem Werk über (sehr) traurige und emotionsvolle Geschichten. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. Juni 2006 von M. Azim
nah dran
willemsen startet ziemlich geschraubt und prätentiös, nimmt sich dann aber zurück und beschreibt seine sehr interessanten einblicke in den afghanischen... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. März 2006 von gb musicista
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