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Produktinformation
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Willemsen beobachtet ein Land, das erste Schritte in den Frieden wagt, sich sammelt, Lebensfreude gewinnt und diese auch zeigt. Er spricht mit einfachen Frontsoldaten, Kommandanten und Generälen, trifft Drogenschmuggler, Nomaden und Weise, begegnet Verstörten und Traumatisierten, Menschenrechtlerinnen und Häftlingen, ehemaligen Mudschaheddin und Taliban-Funktionären, Fußballerinnen und Musikern. Er besucht Fabriken, Märkte, Schulen und den Ältestenrat eines Dorfes, ist Gast bei einer Verlobungsfeier und inszeniert eine Kinovorführung für Frauen und Kinder. Er überquert den lebensgefährlich verminten Salang-Pass, besucht die schwer zugänglichen Dörfer der Tadschiken, trifft turkmenische Kamelhirten in der Steppe und gelangt schließlich an die Ufer des mythischen Flusses Oxus, der die Grenze Afghanistans zu Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan bildet.
Am Ende ist Roger Willemsens Buch weit mehr als der persönliche Bericht von einer faszinierenden Reise, sondern eine literarische Betrachtung der Grundlagen allen Reisens und eine Suche nach dem Eingang in die Fremde.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie live dabei,
Von
Rezension bezieht sich auf: Afghanische Reise (Broschiert)
Willemsens Afghanische Reise beginnt in Locarno, in dem legendären Grand Hotel, wo er sich zur Vorbereitung noch einmal drei Tage lang intensiv einliest. Am Frankfurter Flughafen trifft er auf seine Begleitung: die langjährige Freundin Nadia, Exil-Afghanin, den Fotografen Christian und seinen Leser, den Vierten im Bunde. Das ist, neben allen inhaltlichen Aspekten, die große Leistung dieses Buches: man fühlt sich beim Lesen live dabei, sieht die Landschaften, hört die Töne, empfindet die Spannung mit, als es z. B. darum geht, eine Kino-Vorführung für Frauen und Kinder auf die Beine zu stellen. Diese Liste kann man endlos fortsetzten.Willemsen bereist den Norden des Landes von Kabul nach Kunduz; in beiden Städten hält er sich länger auf, lernt Nadias Verwandtschaft und andere Familien kennen. Sogar zu einer Verlobung wird er eingeladen, wo er als fremder Gast das Privileg genießt, sich auch zwischen den von den Männern traditionell getrennt feiernden Frauen aufhalten zu dürfen. Er reist weiter an den Oxus, den Grenzfluss zu Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan und nimmt den beschwerlichen Weg in abgeschiedene Bergdörfer auf sich, um mit den dort lebenden Tadschiken zu reden. Wieder eine andere, sehr eindrucksvolle Begegnung ist die mit Menschen, die jahrelang in Flüchtlingslagern hinter der pakistanischen Grenze gelebt haben und nun zurückgekommen sind in ihre Heimat, die kein zu Hause mehr ist. Ihre Lebensweise unterscheidet sich kaum von der im Lager, da man ihre neue Unterkunft auch nicht anders nennen kann. Sie haben weder ein festes Dach über dem Kopf, noch verfügen sie über Strom oder fließendes Wasser. Auf engstem Raum leben sie zusammen, ohne Arbeit, ohne Schulen in der unmittelbaren Umgebung, und es wird noch sehr lange dauern, bis sich daran etwas ändern wird. Das Land ist eine riesige Baustelle. Sehr bewegend sind Passagen, in denen Willemsem beschreibt, wie die Menschen mit der Abwesenheit von Verboten und Unterdrückung umgehen. Da gibt es die auf der Straße spielenden Kinder, die erwarten, geschlagen zu werden, als der Autor mit seinen Begleitern auf sie zugeht, um mit ihnen zu sprechen. Spielen war unter den Taliban verboten wie so vieles andere auch: das Drachen steigen lassen, was in Afghanistan große Tradition hat, Schulbesuch und Ausbildung für Frauen, Arbeit für Frauen, eine zeitlang war es Frauen gänzlich verboten, das Haus zu verlassen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Frauen die Abschaffung des Burka-Zwangs nicht nur als Erleichterung empfingen, da der Ganzkörperschleier ihnen auch Schutz bot. Viele von ihnen müssen nun nach Jahrzehnten des sich Verhüllens erst lernen, mit den Blicken umzugehen, die Fremde, insbesondere Männer, auf sie richten. Weitere interessante Begegnungen sind sowohl die mit einem Taliban-Führer als auch die mit dem Sprecher der Guantanamo-Häftlinge, der gerade erst vor kurzem aus der Haft entlassen wurde. Beide Treffen laufen sehr konspirativ ab und führen in Stadtteile, die man als Tourist nicht gerne freiwillig betreten möchte. Interessant ist hier für den europäischen Leser die Art der Gesprächsführung: um eine vollständige Antwort auf eine Frage zu bekommen, muss sie mehrmals, jeweils von einem anderen Gesichtspunkt betrachtet, gestellt werden. Dieser Reisebericht ist nicht chronologisch verfasst im Sinne von erst das, dann das, dann das nächste, sondern springt zwischen den verschiedenen Ereignissen hin und her. Anfangs war das verwirrend, doch es spiegelt hervorragend den Ablauf der Reise. Um es am Beispiel der Kinovorführung für Frauen und Kinder deutlich zu machen: deren Organisation hat einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen, in dem sich die Gruppe aber nicht ausschließlich damit befasst hat, sondern parallel mehrere Unternehmungen verfolgte. In dieses Hin und Her wird der Leser so mit einbezogen. Darüber hinaus ist er eloquent und wortgewaltig. Ein Willemsen eben. PS: Zur Kinovorführung kamen Jugendliche und Männer, Frauen leider nicht. Auch hier ist also die jahrelange Unterdrückung des weiblichen Geschlechts noch tief verankert. Aber immerhin ist es gelungen, das Kino, welches jahrelang nicht genutzt werden durfte, weil unter den Taliban Abbildungen von Menschen verboten waren, zurück ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Und wer weiß, vielleicht kommen ja inzwischen auch Frauen...... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein poetischer Reisebericht / Philosophieren über das Fremde,
Von
Rezension bezieht sich auf: Afghanische Reise (Gebundene Ausgabe)
Roger Willemsen hat Philosophie studiert - das kommt in diesem "Reisebericht" deutlich zum Vorschein. Hier passiert mehr als nur die Wiedergabe von Ereignissen und Erlebnissen. Vielmehr erschafft Willemsen mit seiner lyrischen Sprache eine Atmosphäre der Fremde, der ich mich als Leser nicht entziehen konnte. Unweigerlich geht der Geist auf Reisen und besucht dabei nicht nur die unwirkliche Landschaft eines uns so (unverdient) fremden Landes, sondern geht den verschlungenen Weg einer Philosophie der Fremde, die Willemsen gleichsam auf einer Nebenstrecke vorführt. Hier wird über das Reisen an sich, über Fremdheit und das Wesen des Reisenden, seine Selbst- und Fremdwahrnehmung philosophiert. Dennoch bleibt Afghanistan in seiner "alttestanmentarischen" Landschaft, seinen sozialen Strukturen, seiner Geschichte des Krieges und des Widerstands im Fokus dieser Reise. Und ein unbedarfter Leser wie ich entwickelt schließlich den ernsthaften Wunsch, das Fremde einmal selbst so wahrnehmen zu dürfen. Ein sehr empfehlenswertes Buch!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Nur eine Reise,
Von Ralf KvF "Ralf KvF" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Afghanische Reise (Gebundene Ausgabe)
Willemsen begleitete eine exilierte afghanische Bekannte auf ihrem Weg in die alte Heimat. Sein Buch ist im klassischen Reiseberichtstil geschrieben. Man vermisst eine zuvor präsentierte Gliederung oder ein Inhaltsverzeichnis. Der Leser muss sich auf die Führung durch Willemsen einlassen und kann keine eigenen Einstiegskapitel bestimmen. Der Bericht glänzt durch seine detaillierte und plastische Beschreibung der erlebten Situationen.Wer jedoch etwas über Afghanistan und seine Stämme "erfahren" will, dem wird Willemsens Reisebericht nicht genügen. Jenen Lesern ist zu empfehlen, sich mit Autoren wie Oskar Ritter von Niedermayer, Peter Levi, Jason Elliot, Eric Newby oder Siba Shakib auseinanderzusetzen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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