Ich finde schade, dass sich bis vor kurzem noch keine Kundenrezension zu Arne Petersens Roman "Affenstall, Auf Station" hier finden ließ. Zugegeben, das Wort "Affenstall" im Titel hatte bei mir erst zu der Überlegung geführt, das Buch nicht zu kaufen. Abgesehen davon, dass ich es für einen Roman in Taschenbuchausgabe verhältnismäßig teuer finde, hatte ich mir zuerst eine Schmähschrift unter dem Buchtitel vorgestellt, die mit Krankenhauspersonal und mit denjenigen Mitpatienten, welche einem nicht in den Kram passen, abrechnet.
Aber i wo. Ein durchaus erträglicher, nicht selten sogar amüsanter Icherzähler beschreibt realitätsnahe, wenn auch für Außenstehende vielleicht nicht detailliert genug, wie es in einer Psychiatrie zugeht. Einige Monate war ich selbst schon Patient in so einer Einrichtung und habe vieles in dem Roman wiedererkannt.
Er spielt großteils gar nicht in der Psychiatrie, sondern in der normalen Außenwelt, von der aus es logischerweise in die "Klapse" geht. Zum Glück nicht für jeden, aber leider für den Romanhelden Aleks Gründel, der als Architekt anfangs, sage und schreibe, eine Bauleitung innehat, viel Verantwortung. Bald aber zwingt eine Manie diesen Manisch-Depressiven, die Autorität seiner beiden Chefs sowie die Verantwortung von sich zu werfen. Beides konnte er bis dahin anscheinend nur schwer ertragen. Sein Drang, sich erträglich frei zu machen, bringt ihn so weit, dass er sich in eine Psychiatrie auf Station begeben muss. Anfänglich hat der ehemalige Bauleiter dort sogar Hemmungen, aus Furcht vor Verantwortung, im Patientendienst das Abendbrot mit vorzubereiten.
Arne Petersen hat seinen autobiographischen Romanhelden und dessen Umfeld für meine Begriffe recht übersichtlich gestaltet, sodass ich als Leser ein gutes Stückchen weit in die Seele eines Menschen schauen durfte. Er schreibt fast durchgehend humorvoll, was mir auf die Dauer gelegentlich zu viel wurde, andererseits das Ganze wohl nicht zu schwer werden ließ. Auch gibt es einige sehr ernste Momente, wo man zum Beispiel im Ungewissen liest, ob es für Aleks und seine Freundin eine gemeinsame Zukunft geben werde. Ich muss zugeben, ich habe ihn um seine Freundin Clara etwas beneidet. Warum, das könnt ihr, wenn ihr wollt, selbst lesen.