Zufällig kam ich durch meine Hobby, in dessem Zuge ich mich auch seit mehreren Jahren intensiv mit der Kostümkunde des Mittelalters auseinandersetze, auch an das Buch, wobei alleine bei dem Hinweis "Dresscode der Burgfräulein" als Empfehlung / Klappentext sich auch jedem Laien, der korrekte Infos sucht, die Haare aufstellen sollten.
Meine Befürchtungen bestätigten sich dann auch mit jeder Buchseite mehr:
Erst tauchen heftige Widersprüche zu moderner, anerkannter Fachliteratur im Werk selbst auf, die mehr an einen Pseudo-Mittelalter-Online-Shop (z.B. "Ledermieder") denn Handschriften & Fundgut denken lassen, und auch noch so Bemerkungen kommen wie (sinngemäß gekürzte Aussage lt Buch): "Die Kopfbedeckung "Hennin" - vergleichbar mit dem Burgfräuleinhut, den man im Kindergarten bastelt, wurde aus Pappe (!!!!!WANN HATTEN DIE PAPPE IM MITTELALTER!!!???? ) konstruiert und mit Stoff überzogen."
Oder "Die hatten schon blauen Jeansstoff." (JA, VIELLEICHT ÄHNLICHE STOFFE VON DER BINDUNG ABER DOCH KEINEN JEANSSTOFF!!!!)
oder "Also die hatten so Fibeln, die waren so aufwendig gefertigt, dass ich (also die Autorin) an einer Verwendbarkeit zweifle - ABER: Es gab ja so nen Fund in Wr. Neustadt unlängst, da wirds ja wohl doch irgendwie funktioniert haben" (ES GIBT SOVIELE KOSTÜMHISTORIKER ODER MITTELALTERVEREINE.. DIE HÄTTEN DAS SYSTEM BEI NACHFRAGEN SICHER ERKLÄRT ^^)
- DA ist dann wirklich Feuer am Dach!
Denn eine praktische Aneignung oder auch nur Annäherung zu der Thematik Kleidung schien im Verlauf des Buchschreibens seitens der Autorin nicht stattgefunden zu haben - im Gegenteil: Das Mittelalter war ja eh nur dreckig, die Leute faul & planlos, und unpraktisch war das Gewand ohnehin sondergleichen!
Dieser Faden zieht sich leider von Anfang bis Schluß durch. Ja, es liest sich amüsant - also wer sich mit der Materie auskennt wird viel schmunzeln und sollte vielleicht einen Platz zum Lesen suchen, wo die Wand "gepolstert" ist - der hämmert häufig gegen die Wand vor Unglauben über soviel geballten Nonsens! ;)
Aber da ich bereits von einzelnen Leuten weiß, die pädagogisch tätig sind, und glauben, dass dieses Werk die BASIS für einen Unterricht oder eine wissenschaftliche Arbeit dastellen würde... NIEMALS! Dafür strotzt das Buch durchgehend von Fehlern, Missinterpretationen, Falsch- bis Garnicht-Datierungen bzw. Verallgemeinerungen, zumeist auch ohne Hand & Fuß. Und auch die Hoffnung ansprechende Bilder zu finden zerschlägt sich spätestens dann, wenn der Leser feststellt, dass der Hauptteil der Abbildungen aus dem 15./16. Jh.(man bemerke das "16. Jh.!" eigentlich allgemein in Gesamteuropa lange kein Mittelalter mehr und sollte für eine Kunsthistorikerin auch klar sein!) entstammt. Allerdings versucht die Autorin anhand von einer sprichwörtlichen Handvoll Bilder (es sind tatsächlich kaum mehr) aus der Zeit von insgesamt 900-1400, die meist noch sehr symbolbehaftet sind bzw. definitiv Höchstadel darstellen, also auch optisch für einen Laien nichtmal ableitbar auf die einfache Bevölkerung wären, die gesamte modische Entwicklung zu umreißen.
Zudem stellt die Autorin oftmals Objekte als für das "gesamte Mittelalter gültig" in den Raum, selbst wenn in ihrer eigenen Literaturquelle z.b. ein in dem Werk erwähnter Fallhut für Kinder lt. Text & Bild "um 1600" datiert ist, und keinerlei Belege existieren, dass diese Kopfbedeckung für Kinder zuvor existiert hätte.
Und ehrlich: Würden sie es als Angehöriger einer Berufssparte mit Bildungsauftrag vertreten können, ihrem Schüler/Leser/etc. Falschwissen und Mythen & Märchen sowie ein rein negativ-schwarzmalerisches Bild des mittelalterlichen Menschen zu vermitteln?
Ich persönlich als Pädagogin als auch als sehr aktive Darstellerin auf historischen Veranstaltungen definitiv nicht.
Kurz: Finger weg und zwar sofort, und lieber dafür in pädagogisch und inhaltlich wertvolle Kostümkundewerke wie eine Margaret Scott, Katrin Kania,... investieren, die vielleicht ein paar Euronen mehr kosten, aber jeden Cent wert sind, da sich die Autoren dort jahrelang NUR mit dieser Materie beschäftigt haben und auch wirklich Fund - Text - Bild in den Kontext einbeziehen. Und nicht wie hier beim Vergleich der Erscheinungsjahre der Vorgängerwerke von der Autorin unter Druck Jahr um Jahr ein Buch rausdrücken müssen, dessen Qualität wohl jeder Uni-Professor dem Studenten nur mit einem "Um die Ohren hauen der Arbeit" quittiert hätte, weil es offensichtlich alleine schon am Abschreiben & korrekter Quellenkritik sowie Grundlagen richtiger Recherche scheitert.