Es ist inzwischen sehr schwer geworden, Bücher sachlich als Bücher zu rezensieren. Gerade Sachbücher im Hundebereich werden oft und gerne eher bewertet, indem eine Art Weltanschauung als Grundlage der Buchbewertungen dient. Darum versuche ich gerne, Bücher neutral zu bewerten. So auch dieses neue Buch von Bloch/Radinger. Trotzdem bleibt es nicht aus, meine persönliche Sichtweise einzubringen. Aber wie, gesagt, ich bemühe mich so neutral wie möglich zu sein, weil ich niemanden zu etwas überreden möchte oder vom Kauf abhalten, sondern ein Überblick des Inhaltes wiedergeben möchte.
Beim Inhalt des Buches muss ich auch feststellen wie ein Rezensent bereits vorher, dass ein Großteil bereits von Bloch an anderer Stelle publiziert wurde. Was ich allerdings nicht als negativ ansehe. Nur grundlegend neue wissenschaftliche Erkenntnisse bietet das Buch nicht. Muss es aber auch nicht. Es muss ja nicht immer alles neu sein. Interessant ist, dass die genannten und beschriebenen Erkenntnisse zum Sozialverhalten von Wolf/Hund einmal aus Bloch/Radinger Sicht in einem Buch zusammengefasst sind. So muss man nicht jede Hundezeitschrift und Veröffentlichung der letzten Jahre gelesen und gesammelt haben...
Im Prinzip lese ich Bücher und Veröffentlichungen von Herrn Bloch immer sehr gerne, weil Sie zum Nachdenken anregen und andere Blickwinkel eröffnen. Allerdings fällt mir auch immer stärker auf, dass sein Leitfaden bei der Erstellung von Schriften darauf ausgelegt ist, zu opponieren. So hat er schon vor sehr vielen Jahren mit seinen ersten Werken einen Grundstein gelegt, dass in der Hundeerziehung umgedacht wird und Hunde nicht nur durch brutale Härte erzogen werden, sondern das Lebewesen Hund ernst genommen wird. Beschäftigt man sich aber weiter mit seinen Werken, kann man immer wieder Widersprüchlichkeiten nicht unerheblichen Ausmaßes feststellen. Es scheint, als ginge es mehr ums Opponieren an sich, als um das Lebewesen Hund. Das ist aber nur mein persönlicher Eindruck über die letzen Jahre und Buchveröffentlichungen. Um das aber aufs aktuelle Buch zu übertragen. Wenn man die Kernaussage einmal zusammenfasst, geht es um die grundsätzlichen Unterschiede in den Sozialstrukturen der Menschen im Vergleich mit Wölfen bzw. Hunden. Insgesamt wird dieser Unterschied schön erläutert und schlüssig dargelegt. Tenor ist, dass sich das soziale Grundmodell der Hunde grundlegend vom Modell der Primanten (und so auch Menschen) unterscheidet. Vor allem in dem Punkt, dass Hunde nicht von einem, allmächtigen Rudelführer unterjocht werden, sondern, kurz gesagt, die Führungsstruktur flexibel ist. So weit, so gut - und in der Kernaussage des Buches eindeutig. Alles in Allem eine verständliche Kernaussage, der man als Leser folgen kann oder aber auch nicht. Interpretationsmöglichkeiten bleiben genug Raum. Merkwürdig wird es nur, weil sich die Autoren , wie schon erwähnt, selbst widersprechen. Zum Beispiel wird mit positiven Ausführungen auf einen Amerikaner eingegangen, der im Umgang mit Hunden sehr umstritten ist. Ich möchte auf diesen anderen Autor, Experten, hier nicht näher eingehen, eins ist jedoch auffällig. Der Amerikaner hat einen ganz einfachen Grundtenor im Umgang mit Hunden. Er arbeitet und philosophiert immer damit, dass der Mensch der Rudelführer sein muss. Einfach und klar, immer und in jeder Situation. Flexible Führungsstruktur ist bei ihm völlig verpönt und der alleinige Führungsanspruch wird oft auch mit sehr, sehr harten Mitteln durchgesetzt. Also im Prinzip genau die gegenteilige Sichtweise, die Bloch/Radinger im Prinzip immer publizieren. Wer jetzt aber eine zufriedenstellende Erläuterung dieser Gegensätze im Buch erwartet, wird enttäuscht werden. Was bleibt, ist die Verwirrung des informierten Lesers, bezüglich der Widersprüche. Und davon gibt es im Buch leider einige, dieses Beispiel ist nur sehr herausstechend. Leider hinterlässt dieses Buch mit gutem Ansatz aufgrund seiner Widersprüche, die aber mit hohem Selbstbewusstsein dargelegt werden und eigentlich Verwirren, einen negativen Beigeschmack. Und mir macht die positive Erwäh8ung des Amerikaners sogar etwas Angst. Angst im Bezug auf eine Entwicklung in der Hundeerziehung, die eindeutig ein Schritt zurück in die Zeiten ist, die Bloch vor ca. 20 Jahren verlassen hat. Will er die Zeiten zurückholen? Will er nur wieder opponieren? Ich weiß es nicht, bin aber als alter Bloch-Fan verwirrt und verunsichert und kann diesem Buch, trotz vieler guter Aussagen und Ansätze nur 3 Sterne geben. Weil die inhaltlichen Widersprüche für mich nicht nachvollziehbar sind. Leider...