Vordergründig geht es bei Danièle Thompsons 2009 auf der Berlinale vorgestellten Film "Le code a changé" ("Der Code hat sich geändert") um das Codeschloss am Hauseingang - im übertragenen Sinne ist die Art, miteinander umzugehen, gemeint. Der deutsche Titel "Affären à la carte" liegt leider wie so oft voll daneben und weckt Erwartungen, die der Film natürlich enttäuschen muss.
Denn - wie in den französischen Filmen, die man so dafür liebt, üblich - geht es weniger um Affären, sondern eben um die Menschen und ihren Umgang miteinander.
Eine Freundesrunde trifft sich jährlich am 21. Juni anlässlich der "Fête de la Musique" zum Sommeranfang.
Da bleibt es nicht aus, dass die ein- oder andere Affäre läuft, die es beim gemeinsamen Abend sorgfältig zu verbergen gilt. Aber auch familiäre, berufliche und soziale Spannungen belasten das gesellige Zusammensein. Wie bei unseren Nachbarn üblich, verlaufen die Unterhaltungen dennoch oder deswegen ausgesprochen geistreich und unterhaltsam - Langweilen wäre das Allerletzte.
Doch auch Lebenskrisen grenzt Danièle Thompson nicht aus. Es gibt einen schweren Unfall, und der Onkologe Alain wird mit der psychologischen Last, die sein Beruf mit sich bringt, nicht fertig.
Die Handlungsstränge sind durchaus kunstvoll verflochten und laufen auf ein dramatisches Ende zu, ohne schließlich im Detail aufgelöst zu werden - um aber die Spannung nicht zu nehmen, wird hier nicht in die Einzelheiten gegangen.
Manche mögen diese Filme nicht, weil ihrer Meinung nach "nichts passiert" - es wird eben nur viel miteinander und übereinander geredet. Natürlich auf französische Art sehr viel direkter und offener als sich das der deutsche Normalbürger herausnehmen würde.
Darum beneiden vielleicht auch manche unsere französischen Freunde, weil sie vielleicht selbst auch gerne so unkompliziert und gelassen mit den Problemen, mit denen einen das Leben und die Liebe konfrontiert, umgehen würden.
Wer aber die warmherzige und lebhafte Art unserer Nachbarn mag, wie man sie auch in wundervoller Form in
Hippolytes Fest / Au petit Marguery erleben durfte, wird sich köstlich amüsieren, aber vielleicht auch ein Tränchen der Rührung zwischendurch verdrücken: Ein wirklich gelungener Film von leichter Hand und mit viel Gefühl.
Im Original 100 Minuten, Format 2,35:1, Digital Intermediate 2K, DTS|DD (IMDB)
Nachdem der Film im "Ersten" bereits in HD gezeigt worden ist, kann man nur hoffen, dass man diese vorzügliche Bildqualität irgendwann einmal auch auf einer Blu-ray käuflich erwerben kann. Auch der Ton lässt keine Wünsche übrig, aber man muss schon aufmerksam zuhören, wenn man die schnell gesprochenen Dialoge vollständig verfolgen möchte. Musik wird relativ spärlich und zurückhaltend eingesetzt.
jury 5* A0740 27.9.2011e 10A