Der Bandname "Tool" weist darauf hin: Die vier Musiker verstehen sich als Werkzeuge einer Musik, die ohnehin schon da ist. In unseren Seelen, in unseren Abgründen, in unseren Gehirnwindungen. Daher sind Tool- und somit auch die Scheibe "Aenima" auch eher als Medium zu betrachten denn als Band. Als Medium, dass uns die dem Menschen innewohnende Musik- ein Ereignis "klingt nach", man findet etwas "unerhört", etwas ruft "Resonanz" in uns hervor- übersetzt in Klänge, die mit vier Instrumenten erzeugt werden und diese Innenwelten so gut abbilden, dass das Album als eine Art "Spiegel" dienen kann. Jedwede Kategorisierung in "Alternative", "Progressive" oder ähnlich muss zwangsläufig entfallen und kann allenfalls als Behelf herangezogen werden- niemals aber als Beschreibung dessen, was da vor sich geht, wenn Tool musizieren. Ich sprach eben von vier Instrumenten und tat das ganz bewusst, denn Keenans Stimme ist im Gegensatz zu vielen Stimmen in Bands ebenfalls eher zurückhaltendes "Instrument" im Sinne eines Mediums, das stellvertretend für den Hörer sehr zurückhaltend kryptische Texte singt, ja, teilweise eher haucht. Sich niemals aufdrängt, sondern anbietet. Keenan gelingt es, seine eigene Stimme zur Stimme aller derer zu machen, die sich in die Musik versenken, die Tool abzubilden versuchen. Kein Ego steht im Weg, kein Geltungsdrang, die Stimme ist zunächst so unscheinbar, dass man meint, sie ginge unter um Klanggefüge der Band. Dem aber ist nicht so, denn hier präsentiert sich eine Einheit aus vier Musikern, die sich nunmal der klassischen Rockbandanordnung bemächtigen, um der Durchleuchtung unserer seelischen Abgründe einen Soundtrack zu liefern.
Und das schaffen eben nur Tool in dieser Form. Ein zeitloses Jahrhundertalbum, das noch sehr lange in den Playern- vor allem aber in den Köpfen und Seelen- der Hörer nach"klingt". Und da haben wir wieder die Metapher vom Medium einer ohnehin vorhandenen, aber nie kanalisierten musikalischen Energie in uns.