Das Geheimnis der Mumie zu erforschen, kann ich nur hartgesottenen Fans der Sherlock-Holmes-Reihe empfehlen.
Das Problem ist keineswegs das Alter des Spiels (auf Windows 7 läuft es passabel); die Grafik ist aus heutiger Sicht natürlich schwach, aber darüber könnte man leicht hinwegsehen, würde der Rest passen. Das Spiel wählt eine Variante zwischen 3D und 2D Grafik, die das schlechteste beider Welten verbindet: Man kann nur zwischen einzelnen Positionen in Räumen herumspringen, dort aber den "Kamerawinkel" mit der Maus relativ frei einstellen. So ist die Suche nach Objekten mühsam, Schwindel und Verwirrung erregend, ohne dass man je das Gefühl hätte, in die grobkörnige und vorwiegend in verwaschenen Braun- und Grautönen gehaltene Spielwelt einzutauchen.
Leider haben es sich die Macher des Spiels überdies in den Kopf gesetzt, es durch ständige Zeitlimits "spannender" zu gestalten, was beides zusammen Grundlage legt für den folgenden Horror. Die Rätsel sind nämlich großteils (zumindest für Gelegenheitsspieler ziemlich bis sehr schwer, großteils, weil sie einfach abstrus sind und das Spiel keinerlei Hilfestellungen bietet. So muss man meist unter äußerstem Zeitdruck Gegenstände zusammensuchen, von denen man nicht weiß, wie sie aussehen, in welcher Perspektive sie erreichbar sind und wozu man sie brauchen soll und wann. Dann trifft man auch noch einige der bestgehassten Adventure-Bekannten, namentlich die trostlosen Verschieberätsel. Die Speicherplätze reichen auch hinten und vorne nicht...
Und dann wird erwartet, dass man, nachdem Holmes in die Luft gesprengt wurde oder sonstwie verstarb, alles noch einmal freudig wiederholt. Innerhalb der sehr langwierigen Rätselsituationen kann man das Rätsel nicht verlassen, sonst wird alles auf 0 zurückgesetzt.
Da greift wohl jeder nach dem ersten Kapitel zur Lösung. Aber auch mit deren Hilfe ist das Nachvollziehen der Rätsel zum Teil mühsam und deprimierend. Horror pur eine Art japanisches Zahlenrätsel, wo man unter extremstem Zeitdruck (Bombe!) einen riesigen Raster gefühlter tausend winziger grauer Kästchen mit grauweißen und schwarzgrauen Steinchen ausfüllen muss - wenn man denn weiß wie! Sogar mit Lösung wurde die Zeit hier knapp.
Die Story ist dünn und recht an den Haaren herbeigezogen, aber noch annehmbar. Leider ist das Spiel eine sehr einsame Erfahrung. Holmes irrt das ganze Spiel durch das große, graue Herrenhaus mit den vielen versperrten Türen und Geheimverstecken, außer am Anfang und am Ende trifft er keine Menschenseele und wechselt mit niemandem ein Wort (Watson fehlt), das habe ich schlimmer nur noch bei Sokals "Amerzone" erlebt, mit dem das Spiel udn seine Handhabung den frustrierenden Charakter großteils teilt.
Myst-Fans und andere Profitüftler werden sich wohl mit vielem leichter tun als Laien wie ich und auch Spaß finden, daher noch gütige zwei Sterne.