Viele Menschen tun sich (zumindest anfänglich) schwer, Raphaels Bücher zu lesen. Auf seinem letzten Seminar in Würzburg hat er selber geklärt, warum das so ist: Der analytische Verstand interessiert sich ausschließlich für persönliche Themen, universelle Wahrheiten interessieren ihn nicht. Deshalb sind Raphaels Bücher (scheinbar) so schwer zu lesen. Sie können nur mit der Buddhi (höherem intuitivem Intellekt, Widerschein des reinen Bewusstseins) erfasst werden. Ja diese Bücher bergen sogar die Kraft, die Buddhi für die tiefe und bewusste Wiedererkennung dessen, was wir wirklich sind (s. S. 74 unten) zu aktivieren.
Dieses Buch gehört definitiv in diese Kategorie, ist deshalb (scheinbar zunächst) kein leicht zugängliches Buch. Außerdem kenne ich selber keinen anderen Meister, der so wie Raphael den Bogen vom indischen Advaita Vedanta zu den europäischen Mystikern schlägt. Der mit Zitaten von Plotin (S. 14 f.; S. 90 f.), Parmenides (S. 35 ff.), Platon (S. 38 f.) so eindrucksvoll die Einheit(!) westlicher und östlicher Überlieferung belegt: der wahrhaft Lernbegierige (wird) nicht eher Befriedigung finden für seine Liebe, bis er die Natur von jedem selbst, was ist, aufgefasst hat also dem wahrhaft Seienden sich nähernd und sich damit vermischend, und so Vernunft und Wahrheit erzeugend, er erkennen wird und wahrhaft leben und sich nähren und so seiner Schmerzen Ende finden, eher aber nicht. (Zitat von Platon, aus: Politeia, auf S. 38).
Sehr interessant finde ich persönlich das Kapitel Advaita Vedanta, die deutliche Abgrenzung des Hinduismus von christlichen, hebräischen oder islamischen Religionsgemeinden. Es wäre ungenau, von hinduistischer Religion zu sprechen, weil der Hinduismus in seiner Gesamtheit und zu allen Zeiten eher eine Seinsweise, eine Art zu leben war und ist, als eine organisierte, hierarchisch strukturierte und dogmatische Religion (S. 45 f.).
Und das Kapitel Was ist das, was wandert?. Dort wird das Thema Wiedergeburt im Licht des Advaita Vedanta beleuchtet und erklärt. Denn: Wenn die Atman-Konstante (der reine Geist, das Absolute in uns oder das reine Sein) weder geboren werden kann, weil sie einfach ist, noch wandern kann, weil sie der Veränderung nicht unterliegt, müssen wir uns also fragen, was eigentlich in uns wandert? Und warum es wandert und warum wird es wiedergeboren? (S. 94).
Kurz: dieses Buch bietet eine Fülle an fundierter Information, eine Zusammenstellung von Fakten um den Advaita Vedanta wie sie in dieser Art wohl einmalig sein dürfte.