Die Philosophie des Advaita, die vor dreitausend Jahren mit den indischen Veden begann, zu beschreiben ist nicht einfach. Für unseren im Dualismus verweilenden Verstand ist es schwer, sich für eine Lehre zu öffnen, die dem Menschen vermitteln möchte, dass Trennung und Leid nur vorübergehende Phänomene auf dem Weg unserer wahren Herkunft sind - der Einheit. Trotzdem ist es dem Autor Christian Salvesen gelungen, diese Thematik nicht nur leicht verständlich, sondern spannend wie einen Krimi zu transportieren. Kurzweilig und dabei fundiert ist Salvesen in der Lage, den Spannungsbogen durch das ganze Buch hinweg zu halten. Das gelingt ihm, weil er die so komplexe Philosophie des Advaita nicht als etwas Abstraktes darstellt, sondern durch viele bildhafte Beispiele zum heutigen Leben in Bezug setzt. Dabei ist es gleichgültig, ob er auf die Entstehungsgeschichte der Veden und Upanishaden eingeht, das Prinzip des Karma erklärt, Shankaras Lehre oder den Umgang mit der Frage "Wer bin ich" darstellt. Es gelingt ihm auf spielerische Weise, die gemeinsame Verbindung und Essenz des Einen in allen großen Weltreligionen zu finden, auf die westliche Philosophie des Bewusstseins sowie auf die modernen Wege der Selbsterkenntnis einzugehen und zu beschreiben. Darüber hinaus ist er auch in der Lage, dem Leser, der vielleicht noch keine unmittelbare Erfahrung von Einheit gemacht hat, einen Geschmack davon zu vermitteln, was mit Advaita, mit der Nicht-Zweiheit, gemeint ist. Ja, er macht sogar neugierig, sich überall mit der Frage: "Wer bin ich" zu beschäftigen.
Salvesens Beispiele handeln von Meistern aus vergangenen Zeiten, aber auch von zeitgenössischen Lehrern, die ihren Schülern verdeutlichen, dass sie nicht ihre alltäglichen Gedankenschleifen sind, sondern universelles Bewusstsein. Es sind Beispiele, die zeigen, dass es sich dabei nicht um etwas Heiliges, Sakrales handelt, sondern um etwas, dass immer schon da war und immer da sein wird. Denn im Advaita gibt es keinen Unterschied zwischen heilig und weltlich, spirituell und profan. Durch Salvesens Beispiele, kleine Geschichten, Gleichnisse und Parabeln, die er zur Verdeutlichung des Einen mit einbezieht, bekommt der Leser eine Idee davon, was heilige Schriften wie die Bhagavad-Gita oder Aussagen von Ramana Maharshi, dem Hindu-Heiligen bedeuten, bzw. wie sie uns helfen können, den Weg der Selbsterfahrung zu gehen.
Neben einem theoretischen Teil bietet Salvesen auch praktische Übungen, Literaturtipps sowie Adressen von spirituellen Lehrern an, die den neugierig gewordenen Leser darin unterstützen können, der Einheit ein Stück näher zu kommen.
Dass Christian Salvesen diese komplexe Materie so leicht verständlich zu transportieren vermag, liegt daran, dass er sich seit Jahrzehnten intensiv sowohl mit der Philosophie des Advaita als auch mit der westlichen Bewusstseinsphilosophie beschäftigt. Dieser tiefe Wissensschatz erlaubt es Salvesen, nicht nur auf bekannte Zitate der Upanishaden und der Bhagavad Gita zurückzugreifen, sondern auch unbekanntere Literatur mit einzubeziehen oder Interviews mit Erwachten aus seiner Tätigkeit als Journalist zu verwenden. Darüber hinaus sind die persönlichen Erfahrungen Salvesens sehr berührend und lassen das Lesen zu einem Vergnügen werden.