Zunächst mal ein Hinweis für die (immerhin DREI) Autoren: wie wäre es, wenn man ein Buch vor der Drucklegung auch mal Korrektur liest? Ich hab noch nie so viele Fehler (Rechtschreibung, Trennung usw.) in einem gedruckten und nicht eben billigen (für ein Paperback) Buch gesehen wie hier. Unmöglich. Das stört enorm.
Die Neutralität, die das Buch zum Thema Adoption angeblich an den Tag legt, ist nur scheinbar vorhanden. Hier schreiben eindeutig der Adoption positiv gegenüber stehende Leute. Viele heikle Themen (Schädigungen, Trauma nach Trennung von leiblichen Eltern, Behinderungen, Integrations- und Erziehungsschwierigkeiten usw.) werden zunächst scheinbar neutral beleuchtet, dann aber schnell relativiert und schön gefärbt nach dem Motto "klar ist Motorradfahren gefährlich, aber es kann einen auch ein Ziegelstein treffen und töten". Da kommt immer schnell der Tenor, "ja, das gibt es alles, aber ganz selten und wenn, dann ist es meist gar nicht so schlimm und man bekommt es mit viel Liebe und der richtigen Einstellung schon hin". Von Fachleuten erwarte ich was Fundierteres. Auch z.B. keine unbelegten Aussagen wie "Studien haben ergeben, dass..." (und nirgendwo steht, welche Studien und wie sie das ergeben haben, so dass man das mal nachlesen könnte). Insgesamt ist das Buch scheinwissenschaftlich aufgebaut, inhaltlich aber doch eher eines, das die Einstellung zur Adoption eher positiv beeinflussen soll. Schließlich sind die Autoren selbst überzeugte Adoptiveltern. Vielleicht wären neutrale "Beobachter", die nicht selbst betroffen sind, für ein neutrales Ratgeberbuch doch die besseren Autoren.
Manche Schlussfolgerungen sind sehr abstrus und klingen so, als seien Grundaussagen ganz bewusst falsch verstanden worden, um sie dann entspannt widerlegen zu können.
Weiterer Knackpunkt: fast alles ist auf ungewollt kinderlose Paare ausgerichtet. Dass es auch andere gibt, die adoptieren wollen, kommt nur am Rande vor.
Positiv: Manche Gedanken regen zu gründlichen Überlegungen an. Alle wesentlichen Punkte einer Adoption sind angesprochen und alle Adressen genannt. Buchtipps und Links sind auch einige dabei.
Jedenfalls kann ich den anderen sehr positiven Rezensionen nicht einfach so zustimmen und sehe das Ganze differenzierter. Und noch was: witzig, wie ein anderer Rezensent schrieb, ist das Buch absolut auf keiner Seite. Aber mal ehrlich: witzig braucht es bei dem Thema auch wirklich nicht zu sein.