Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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57 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesenswert mit Schwächen- doch es wird die Verletzung der "political correctness" sein, die das Buch umstritten machen wird, 14. Februar 2008
Schon andere haben es vor dem französischen Autor Eric-Emmanuel Schmitt versucht, die kontrafaktische Annahme "was wäre wenn ...?" auf den deutschen Diktator Adolf Hitler zu beziehen. So hat etwas Stephen Fry in seinem Buch "Geschichte machen", die Frage ventiliert, was sich historisch ereignet hätte, wenn Hitlers Mutter durch einen Zufall nicht schwanger geworden wäre.
Eric- Emmanuel Schmitt wählt für sein Buch eine andere Versuchsanordnung: er fragt sich, was geschehen wäre, wenn Hitler, der ein miserabler Zeichner war und zeitweise seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von kolorierten Wiener Stadtansichten bestritt, im Jahr 1908 die Aufnahme an der Kunstakademie in Wien geschafft hätte. Seine Idee dabei ist, dass seiner künstlerischen Annahme nach das Leben Adolf Hitler anders verlaufen wäre, wäre er nicht durch diese Prüfung gefallen.
Nachdem Schmitt 2005 mit "Das Evangelium nach Pilatus" ein beeindruckendes Buch über Jesus von Nazareth vorgelegt hatte, der Inkarnation des Guten, wollte er, wie er in einer Werkchronik am Ende des neuen Buches schreibt, sich mit vollem Risiko der Inkarnation des Bösen stellen, dem deutschen Diktator Adolf Hitler. Seine Freunde haben ihm dringend davon abgeraten, etliche auch, nachdem er sich nicht überzeugen ließ, den Kontakt mit ihm abgebrochen. Zu sehr hat wohl Schmitts Versuch, literarisch der Frage nachzugehen, ob aus dem jungen Hitler auch ein anderer Mensch hätte werden können, die political correctness" verletzt. Man muss kein Prophet sein, wenn man glaubt, dass diese Verletzung auch die Debatte um dieses Buch bestimmen wird.
Dabei ist es völlig legitim und befreit das Thema auch von der Aura des "Unaussprechlichen", die einer wirklichen historischen Bewältigung und einem vertieften Verständnis dessen, was im Holocaust geschehen ist und im Zweiten Weltkrieg, entgegensteht.
Schmitt spinnt zwei parallele Geschichten um die Hauptfigur herum. Er erzählt abwechselnd von Adolf H. und von Hitler, einmal in der Variante als angenommener Kunststudent und einmal in der Variante, die sich tatsächlich zugetragen hat, als abgelehnter Bewerber.
Adolf H. entwickelt sich über die Jahre zu einem recht passablen Menschen, lässt seine Sexualstörungen von keinem geringeren als Sigmund Freud behandeln und ist später Mitglied der Gruppe um Andre Breton. Je weiter Schmitt hier in der Zeit fortschreitet, desto willkürlicher sind seine Annahmen. Deutschland ist nicht von den Nationalsozialisten okkupiert worden, es gab keinen Krieg, nur einen kleineren Konflikt der durchaus weiterhin autoritären Regierung mit Polen. Ein nationalsozialistischer Agitator namens Joseph Goebbels spielt all die Jahre eine sehr untergeordnete Rolle als Daueropponent gegen die Regierung.
Im anderen Handlungsstrang erzählt Schmitt die Geschichte Hitlers, wie sie sattsam bekannt ist. Eric Emmanuel Schmitt ist, wie man leicht aus seinem, auch diesem Buch wiederum angehängten "Werktagebuch" entnehmen kann, von einem fast missionarischen Eifer durchdrungen, der aufklären will, warnen will und den Ursprung des Bösen literarisch zu ertasten sucht.
Ich halte dieses neue Buch für absolut lesenswert. Eines seiner besten Bücher ist es allerdings nicht. Wenn sich Schmitt für dieses Buch über Hitler genauso viel Zeit genommen hätte wie für das "Evangelium nach Pilatus", an dem er nach eigenen Angaben in der dortigen Werkchronik über sieben Jahre gearbeitet und über einen Zeitraum von fast 10 Jahren alle ihm zugängliche theologische Literatur bearbeitet hat, wäre ihm auch dieses Buch über "das Böse" besser gelungen, davon bin ich überzeugt.
Man wird in den Besprechungen zu diesem Buch mit Sicherheit lesen, er habe Hitlers Person verharmlost, sie regelrecht mitleiderregend dargestellt. Man wird lesen, die Erklärung seines Größenwahns durch die Kränkungen in der Jugend und seine sexuellen Probleme, seien historisch irreführend und würden dem singulären Phänomen dieses Menschen nicht gerecht.
Aber man wird doch noch der Frage nachgehen dürfen als Literat, ob "das Böse""an Hitler z.B. wirklich schon von Geburt an in seinen Genen angelegt war, oder ob es auch anderen Möglichkeiten der geschichtlichen Entwicklung gegeben hätte.
Eric-Emmanuel Schmitt hat mit seinem neuen Buch viele Anregungen gegeben und wird sicher für eine rege Diskussion unter den Leser und Rezensenten sorgen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Antagonistisches Doppelporträt, 15. Mai 2009
Welch hochspannende Fragestellung: Was wäre, wenn Hitler am 8. Oktober 1908 bei der Aufnahmeprüfung zur Kunstakademie in Wien nicht durchgefallen wäre sondern eine Karriere als Künstler eingeschlagen hätte? Die Weltgeschichte hätte sicherlich anders geschrieben werden müssen. Aber auch: Was für ein heikles Unterfangen. E.-E. Schmitt versucht neben einer biografischen Auflistung in z.T. gröberen Schritten des tatsächlichen Lebens von Adolf Hitler, ein fiktionales zu erschaffen. Und dieses endet nicht mit einem Selbstmord im Jahre 1945, soviel sei verraten.
Schmitt hat wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor solch eine Themenbreite in seinen Werken. Nun wagt er sich als Franzose an dieses deutsche Trauma. Und ihm gelingt es, meiner Meinung nach, überraschend unwillkürlich eine Parallelperson zu erschaffen, die mit knapp 20 Jahren eine andere Richtung einschlägt und so nicht dem Weltuntergang zur Verfügung steht. Sie stellt sich ihren Unzulänglichkeiten, geht in Therapie bei Urvater Freud und hat in der Folge, durch alle Höhen und Tiefen, tragfähige Beziehungen zu Frauen, zunehmenden Erfolg auf dem Kunstmarkt und alltägliche Probleme. Faszinierend.
Für mich hat E.-E. eines seiner besten Bücher geschaffen. Ich ließ mich von den fast 500 Seiten jedenfalls sehr fesseln.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut lesenswert wenn auch provokant: Ein Stückchen Hitler in jedem von uns, 5. Mai 2008
E.E.Schmitt ist mit seinem neuesten Roman in meinen Augen sein bester Wurf gelungen. Auf über 500 Seiten schildert er anschaulich, packend und immer wieder überraschend die zwei Leben des Adolf H - so wie es geschichtlich war - und wie es hätte werden können, wäre Hitler als Student an der Wiener Kunstakademie angenommen.
Entschieden weist Schmitt zurecht Vorwürfe über zu weit hergeholte Ausführungen zurück. Seine These: Es ist die Angst, die Macht der Verdränung und der pure Fanatismus, die Hitler zum Monstrum seiner Zeit machten. Doch ohne damit, dass man sich heute damit beschäftigt, kann man die Generation von morgen nicht vor erneuten egozentrisch-demagogischen Auswüchsen schützen.
Eines der besten Bücher der letzten Jahre,
absolut lesens- und bedenkenswert.
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