Soweit ich weiß, war es Theodor Heuss, der sagte, daß die beste Methode, um die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes zu verhindern, die reichliche Lektüre von "Mein Kampf" sei.
Daß in Deutschland nur eine Auswahl erscheinen kann, liegt daran, daß nach wie vor der Freistaat Bayern die Urheberrechte innne hat und sich gegen die komplette Edition sperrt.
Die Auswahl der vorliegenden Ausgabe leuchtet bei weitem nicht immer ein, der langatmige Charakter insbesondere des zweiten Bandes des Originals kommt nicht zum Ausdruck. Für den Historiker, der sich mit dem Quellenmaterial auseinandersetzen will, ist es deutlich zu wenig. Für die umfassende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hitler wird der Historiker nach wie vor auf das ungekürzte Original angewiesen sein. Die zuweilen altklugen Kommentare empfinde ich (trotz vieler richtiger und anregender Bemerkungen) mitunter als störend - das Werk spricht eigentlich für sich selbst.
Dennoch ist zu würdigen, daß es ja nicht die Absicht des Autors ist, dem Historiker neues zu sagen (denn der hätte ja bei Bedarf Zugang zum Original), sondern in einer verantwortungsvollen Auswahl für eine Auseinandersetzung auf breiterer Ebene zu sorgen. Die Nachteile der Auswahl sind daher gleichzeitig seine Vorteile. Mit gemischten Gefühlen gebe ich daher drei Sterne - sowohl die Verdienste wie die Probleme der Ausgabe anerkennend.