Mit vorliegendem Buch wird der Versuch unternommen, ein Persönlichkeitsbild Adolf Hitlers zu zeichnen, in dem vor allem sein Führungs- und Entscheidungsverhalten analysiert wird. Dies ist W. Maser, der dafür für seine unermüdliche Energie beim Aufstöbern von noch nicht bekannten Daten bekannt ist, insofern gelungen, als er an unzähligen Vorgängen zeigt, wie das in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild des entscheidungsfreudigen und führungesstarken Diktators nicht den Tatsachen entsprach. Vielmehr sei Hitler's Verhalten durch eine eklatante Entscheidungs- und Festlegungsscheu gekennzeichnet gewesen: „Er hat niemals kühne Entscheidungen getroffen. Von seiner Schulbank an, und dies wird erstmals in diesem Buch nachgewiesen, war er ein Zauderer, der offensive Tatentscheidungen und klare Festlegungen scheute" (S 10). Ist dieser Aussage keinesfalls ein gewisser Wahrheitsgehalt abzusprechen, begibt sich aber der Autor damit in die Gefahr, einer Entlastung und damit einer Rehabilitation jenes Diktators Vorschub zu leisten, der die Welt in eine der größten Katastrophen gestürzt hat. Diese Eindrucks kann man sich bei der Lektüre über weite Strecken nicht erwehren; nur unzureichend wird darauf hingewiesen (so zB im Bereich der Außenpolitik, S 229 ff), dass die Entwicklungsrichtung der NS-Herrschaft durch die Entscheidungen der Person Adolf Hitlers maßgeblich beeinflusst wurde. Hinsichtlich der sprachlichen Ausgestaltung ist bei W. Maser eine gewisse Überheblichkeit, vor allem gegenüber anderen namhaften Historikern, nicht zu leugnen. Dies kann man mögen oder nicht. W. Maser beschreibt mit seinem Buch einen wichtigen, aber nicht den wichtigsten Aspekt des Führungsverhalten Hitler's. Dies und die Schilderung der Genesis von unzähligen Vorkommnissen im Dritten Reich machen das Buch lesenswert.