Aus der Amazon.de-Redaktion
Adolf Eichmann. Allein der Klang des Namens lässt einen erschauern. Seit dem Prozess, den man ihm 1961 in Jerusalem gemacht hat, gehört sein Gesicht in der Fratzengalerie der hässlichen Deutschen in die erste Reihe. Bis dahin hatte Eichmanns Name bei der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Terrors kaum eine Rolle gespielt. Man wusste so gut wie nichts über den Mann, der stets im Hintergrund gewirkt hatte. Auch bei den Nürnberger Prozessen spielte der Name keine nennenswerte Rolle.
Nach dem Prozess, der mit dem Todesurteil endete, erschien dann eine Reihe von populären Biografien, die jedoch in vielem ein verzerrtes Bild zeichneten. "Sie hielten sich zudem", schreibt Cesarani in seiner Einführung mit Rekurs auf Adorno, "an das damals modische Bild des NS-Täters als eines Verlierers und verkommenen Kriminellen, das den in den vierziger und fünfziger Jahren entstandenen psychologischen Theorien über Faschismus und Nationalsozialismus entstammt". Auch das wirkungsmächtige, von Hannah Arendt in ihrem Buch Eichmann in Jerusalem entworfene Eichmannbild, dessen zentrale These von der "Banalität des Bösen" weltweit größte Beachtung fand, hält Cesarani für "zu einem großen Teil von Vorurteilen geprägt".
Cesaranis lesenswerte Biografie ist die erste Studie über Eichmann, seine Verbrechen und seine Bedeutung, die seit den sechziger Jahren vorgelegt worden ist. Sie verdient Beachtung, weil sie zugleich das überkommene Bild von der "Endlösung" als eines klinischen Prozesses, durchgeführt "von Profis, von Ärzten und Anwälten in scharf gebügelten schwarzen Uniformen", deren Entscheidungen quasirationalen, rassenhygienischen Mustern folgten, einer kritischen Überprüfung unterzieht. Ebenso wie diese Vorstellung nur einen Teil der Wirklichkeit widerspiegelt, war das bisher vorherrschende Eichmannbild angesichts Cesaranis akribisch recherchierter Biografie dieses "génocidaire" in der Tat zu einseitig. -- Hasso Greb
Pressestimmen
»In seiner umfassenden Biographie rückt Cesarani eine Reihe von Fehldeutungen zurecht …« FAZ »Bereits in der Einführung seines zupackend geschriebenen Buches entlarvt Cesarani vieles von dem, was wir sicher zu wissen glaubten, als Mythos…« Bayerischer Rundfunk »Cesarani ist es gelungen, was lange erwartet wurde: eine Biografie, die die alten Stereotypen hinter sich lässt und eine Interpretation dieser Figur im Licht der neueren Forschung vorlegt.«Die Zeit
Kurzbeschreibung
Der britische Historiker David Cesarani legt die erste große, wissenschaftlich fundierte Biografie Adolf Eichmanns vor, der weltweit als Symbolfigur des nationalsozialistischen Judenmords gilt. In seinem vorbildlichen Werk, das neueste Forschung, biografische Anschaulichkeit und analytische Schärfe souverän verbindet, sucht er Antwort auf die immer wieder gestellte Frage, was einen "ganz normalen" NS-Bürokraten zum Massenmörder werden ließ.
Der Verlag über das Buch
"Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, dass er war wie viele und dass diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind." Hannah Arendt
Klappentext
Adolf Eichmann (1906-1962) stand im Zentrum des nationalsozialistischen Genozids an den europäischen Juden. Er war direkt verantwortlich für die Deportation von mehr als zwei Millionen Juden nach Auschwitz und in andere Todeslager. Doch bis zu seiner spektakulären Festnahme durch den israelischen Geheimdienst 1960 in Argentinien, seiner Entführung nach Israel und dem dortigen Gerichtsverfahren blieb er weitgehend ein Unbekannter. Mit dem Prozess, der 1961 in Jerusalem stattfand und mit dem Todesurteil endete, gelang es Israel, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf den Holocaust zu lenken. So wurde Eichmann zur Symbolfigur dieses Menschheitsverbrechens.
Bis heute gibt es keine große, wissenschaftlich fundierte Eichmann-Biografie. Diese erstaunliche Lücke schließt nun der britische Historiker David Cesarani, der in jahrelanger Forschungsarbeit wichtige neue Quellen erschlossen hat und dem es gelingt, das vorherrschende Eichmann-Bild entscheidend zu korrigieren. Den verbreiteten Klischees vom emotionslosen, kalt planenden Schreib-tischtäter oder vom ideologisch verblendeten Judenhasser stellt Cesarani einen Eichmann entgegen, der, aus bürgerlichen Verhältnissen stammend, eher zufällig mit der "Judenfrage" befasst war und keineswegs eine Disposition zum Massenmörder besaß. Eine wegweisende Biografie, die zugleich neuen Aufschluss gibt über die immer wieder debattierte Frage, warum "ganz normale Männer" zu Tätern des Holocaust wurden.
Über den Autor
David Cesarani, geboren 1956, war langjähriger Leiter des renommierten Institute of Contemporary History and Wiener Library in London und ist derzeit Research Professor für Geschichte am Royal Holloway College der University of London. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zur jüdischen Geschichte und zum Holocaust.