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Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur
 
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Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur [Taschenbuch]

Johannes Ullmaier
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 216 Seiten
  • Verlag: Ventil (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3930559838
  • ISBN-13: 978-3930559831
  • Größe und/oder Gewicht: 21,9 x 15,4 x 1,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 936.734 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Johannes Ullmaier
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Anlehnung und Ablehnung

Zwei Bücher zur Geschichte der deutschen Popkultur

«Verschwende Deine Jugend» und «Von Acid nach Adlon und zurück» sind zwei wichtige Beiträge zur Popgeschichte. Die Autoren Jürgen Teipel und Johannes Ullmaier zeigen auf je verschiedene Weise, dass man es im Pop oft mit kulturellen Gegenstimmen zu tun hatte.

Nach wie vor ist das Wort «Pop» in aller Munde, man spricht von «Popliteratur», «Poptheater» und gar von «Poppolitik» – als wäre Pop in solchen Begriffskombinationen ein allzeit verfügbarer Frische-Faktor, mit dem sich angestaubte Ausdrucksformen renovieren lassen. Die konkreten Entstehungsbedingungen, die Situationen und Sensationen von Popkultur geraten dabei aber gewöhnlich aus dem Blick.

Historische Konstellationen

Zwei neue Bücher gehen anders vor: Sowohl Jürgen Teipels «Doku-Roman» über den deutschen Punk und New Wave (besser bekannt als Neue Deutsche Welle/NDW) als auch Johannes Ullmaiers «Reise durch die deutschsprachige Popliteratur» befassen sich weitaus präziser mit popkulturellen Phänomenen – zumal Popliteratur und Neue Deutsche Welle hier nicht als abstrakte Kulturtechniken verstanden werden. Teipel und Ullmaier machen vielmehr deutlich: Bei Pop hatte man es fast immer mit kulturellen Gegenstimmen zu tun, abhängig – das ist entscheidend – von historischen Konstellationen. Der Schweizer Autor Johannes Ullmaier hat seinem Buch (dem eine CD mit kurzen Hörbeispielen beiliegt) den bedeutungsschweren Titel «Von Acid nach Adlon und zurück» gegeben und bringt so zwei historische Marker ins Spiel: zum einen den 1969 von Rolf-Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla herausgegebenen Band «Acid. Neue amerikanische Szene», zum anderen das Berliner «Adlon-Hotel», in dem sich die jungen deutschen Popliteraten um Benjamin von Stuckrad-Barre 1999 zum «popkulturellen Quintett» trafen.

Damit sind die Pole bestimmt, deren Dialektik dem Buch Schwung verleiht: einmal die politisch aufbegehrende Literatenszene der sechziger Jahre, zum anderen die zynische «Popperliteratur» (Ullmaier) der Gegenwart. Letztere wird von Ullmaier ganz offensichtlich als belanglos und banal empfunden, er sieht in ihr nicht wesentlich mehr als das «Kokettieren mit gefahrlosen Provokationshäppchen».

«Von Acid nach Adlon» ist dennoch ein beeindruckendes Kompendium der deutschsprachigen Popliteratur: Unzählige O-Töne, Fotos, Textauszüge und Kommentare ergeben eine oft verwirrend interessante Polyphonie. Störend ist da nur Ullmaiers manchmal aufdringlich manierierter Stil. Jürgen Teipel hingegen hält sich in «Verschwende Deine Jugend» als Autor gänzlich zurück. In seinem nach einem Stück der Düsseldorfer Band DAF benannten Buch verkettet er die O-Töne von nicht weniger als 77 Protagonisten – darunter Schauspieler wie Ben Becker und Musiker wie Campino von den Toten Hosen – zu einer packenden Oral History der Jahre 1976–1983.

Traditionsvernichtung

Teipel hat es dabei mit einem ähnlichen Paradox wie Ullmaier zu tun: Auch er will Begebenheiten historisieren, die sich eigentlich einer linearen Geschichtsschreibung verweigern. Schliesslich trat der Punk der siebziger Jahre mit einem ähnlich radikalen Anspruch wie die Popliteratur der Sechziger auf: Literarische beziehungsweise musikalische Traditionen sollten vernichtet werden. «Punkrock war ja gerade so interessant, weil es auf einmal keinen ideologischen Ballast mehr gab. Das waren die tollen Momente an Punk: dass man sich selber erfinden konnte», so der Ur-Punker Jäki Eldorado, der heute als Manager der Hamburger Hip-Hop-Combo 5 Sterne Deluxe arbeitet.

Gleichwohl entstanden Punk und NDW keineswegs aus dem Nichts heraus – so wie sich die deutschsprachige Popliteratur an amerikanischen Vorbildern orientierte, bezog man sich in den Proberäumen Hamburgs, Düsseldorfs und Berlins offensiv auf englische Popkultur. «Wir waren absolut England-bezogen», erklärt Peter Hein, Sänger der legendären Düsseldorfer Bands Mittagspause und Fehlfarben.

Originelles Nachmachen

Der in «Verschwende Deine Jugend» immer wieder als massgeblicher Vorreiter gewürdigte Peter Hein ist es auch, der sagt: «Wir fanden etwas gut – und wenn wir es gespielt haben, war es etwas völlig anderes. Mittagspause galt als das eigenständigste Ding in Deutschland – wahrscheinlich, weil es das Nachgemachteste überhaupt war.» Damit weist er darauf hin, dass deutschsprachige Popkultur von jeher eine Aneignungskultur ist – sie importiert angloamerikanische Stile, verformt und vermischt sie, um sie dann in eine eigene Ästhetik zu übersetzen. Daraus entsteht bis heute eine Art «Originalität zweiter Ordnung». Das gilt auch für die Popliteratur: Der Import amerikanischer Beat-Literatur brachte neue Formen hervor – genauso wie die Aneignung von Rap-Kultur zu jenen hitzig improvisierten «Poetry Slams» führt, die heute in den Hinterräumen diverser Lokalkneipen stattfinden. Ullmaier widmet diesen zeitgenössischen Spontanliteraten weite Passagen seines Buches.

«Die geistigen Produktionsmittel waren freigegeben», sagt der Maler und Mittagspause-Drummer Markus Oehlen in «Verschwende Deine Jugend» über die frühe Neue Deutsche Welle. Weil sie diese Euphorie des Neubeginns nachzeichnen, sorgen die beiden Bücher für eine sanfte Sentimentalität. Indem sowohl Teipel als auch Ullmaier ihre jeweiligen Pop-Historien als Verfallsgeschichten beschreiben, verstärken sie jene kulturpessimistische Sicht, die von einer progressiven Banalisierung ausgeht. Beide Bücher legen nahe, dass dies an der zunehmenden Kommerzialisierung von Pop liege: In «Verschwende Deine Jugend» ist vom Ausverkauf der NDW, genauer vom «Markus- und Nena-Super-GAU» (O-Ton Andreas Dorau) des Jahres 1982 die Rede; Ullmaier hingegen wettert gegen die «mediengeilen Jungkonservativen» um Stuckrad-Barre und Co. Doch ist es wirklich so einfach? Ist für die Verluste tatsächlich ein industriell und medial gesteuerter «Ausverkauf» verantwortlich? Oder ist es nicht vielmehr eine veränderte politische Situation? «Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein», sang die Hamburger Band Tocotronic vor ein paar Jahren und verkündete damit vielleicht den verzweifelten Wunsch nach klaren Freund-Feind-Verhältnissen, nach kompromisslosen Zugehörigkeiten und verloren gegangenen Gegnerschaften. Während die für «Verschwende Deine Jugend» interviewten frühen Punks und New Waver ihre linken Lehrer provozierten und die Popliteraten der sechziger Jahre den hochkulturellen Kanon aufmischten, fehlt den Popaktivisten von heute ein solcher Gegner. «We Are One Family» oder «Friede, Freude, Eierkuchen» lauten stattdessen die Slogans der Techno-Generation.

Produktive Ressentiments

Wie weit sie damit von produktiven Ressentiments der Neuen Deutschen Welle entfernt ist, zeigt ein Statement von Detlef Diederichsen, dem ehemaligen Leader der Hamburger Band Die Zimmermänner: «Der Feind war dieses ganze sozialdemokratische Klima, diese Atomkraftliberalen und Althippies – mit Rockertypen wie Bap und Westernhagen als Meinungsführern. Für die waren kurzhaarige, in Anzügen steckende junge Leute ein rotes Tuch.» Wer würde heute noch ernsthaft Sozialdemokraten und Westernhagen verbissen die Feindschaft erklären?

Aram Lintzel

Stefan Mössler in Nürnberger Nachrichten, 12.12.2001

"Ullmaier startet einen fundierten und unterhaltsamen Streifzug von der Beat-Bewegung der 60er Jahre bis zur aktuellen 'Generation Golf'."

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Liebhaber der alten BEAT-Anthologie werden sich wundern: der noch lebende Mitherausgeber erlaubte Ullmaier das Originalcover mit ausgestanztem gelben Gitter zu benutzen und im Sinne des erweiterten Titels zu verfremden. Dadurch beginnt die populär-wissenschaftliche Reise auf einem reichhaltigen Flickenteppich aus collagenartigen Szene-Zitaten und poetischen Fallbeispielen schon mit einem formal aufwendigen Höhepunkt, der die krimi-taugliche Analyse dieses unkonventionellen Germanisten ästhetisch legendär einrahmt. Als Beweis seiner souverän-subtilen These des feinen Unterschieds zwischen leicht konsumierbaren (Unzeit-gemäßigten) POPPERN & echten (unzeitgemäßen) POPLITERATEN, die vor wie nach "Adlon" subversiv (wenn auch meist bloß zynisch statt visionär) arbeiten, dient ein gigantischer bibliographischer Anhang, dem eine äußerst gewissenhafte Recherche nach möglichst vielen Selbst- und Kleinverlagspublikationen vorausging. Wer allerdings im medienkompatiblen öffentlichen Raum als Popper abgestempelt werden kann oder sich doch Poppoet schimpfen dürfte, bleibt letztendlich sogar offen, weil die "wechselseitige Verzahntheit" (S.160) von Poesie + Publikum alles sehr sehr knifflig erscheinen läßt... selbst als im Buch erwähnter Lyriker frage ich (T.de.T.) mich nun, ob ich unter die Kategorie SPLEEN oder SPEKTAKEL falle, weil die Grenzen wirklich fließen: laut Ullmaier dienen zwar die Adlon-Sessel als korrekte Angriffsfläche, aber auch in Acid-Bombern hängen Trash-Piloten auf irgendwelchen Sitzgelegenheiten - und fallen nicht ALLE Plätze letztlich schlicht unter die Kategorie Kaltlandmöbel? Johannes Ullmaier hat mit seinem Meisterwerk die postmoderne Inventur der literarischen Betriebsamkeit vollendet! Sein nächster Titel könnte lauten: "JENSEITS VON SATIRE UND SESSELN"; aber allein dessen Lieferbarkeit wäre schon ein Paradox. Der Flug von Acid nach Adlon und zurück erweist sich damit als ziemlich riskant, aber sehr inspirierend - gut festhalten, tief durchatmen und danach erstmal prüfen, ob der Boden zu sumpfig für Stühle ist. Dann: Hinset-Zen und selber zum Dichter (Isolation) UND (!) Designer (Interaktion) mutieren, sobald das Schwindelgefühl nachläßt!!! Ich wünsche dem Leser ein gute Reise...
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