Der Anfang dieses Romans hat mir richtiggehend den Stuhl unterm Hintern weggetreten: Was für eine Begabung! Die Beschreibung eines Mitt-Dreißigers in der größten Krise seines Lebens ist nicht nur sprachlich mit einer Fantasie beschrieben, bei der mir die Spucke wegbleibt, sondern auch formal von gespenstisch sicherem Timing und schließlich von geradezu körperlich angreifender Intensität. Und es ist schließlich auch dieser ganz eigene Tonfall, seine kühnen, fast immer ins Schwarze treffenden Metaphern, die mich an dieses Buch gefesselt haben. So wenig der Einfallsreichtum von Juli Zeh auch auf der gesamten Strecke nachlässt, so hatte ich allerdings doch, vor allem nach einer dreitägigen Lektürepause, zuletzt den Eindruck, dass die unablässige Düsternis den Antrieb der Erzählung hemmt. So kunstvoll die Krimihandlung auch in die Rückblenden und Auftritte seltsamer Figuren aus der Vergangenheit eingeflochten ist, so wenig vermochte sie mich in dieser Form von Schnitzeljagd zu interessieren. Das wut-, trauer und koksgezeugte Nervenreißen des Ich-Erzählers, dessen Protokoll der Roman ist, führt immer mehr zum Rückzug und dem Ausleben pervers-morbider Fantasien, die aber der Geschichte kaum mehr etwas hinzufügen, was man nicht schon geahnt hätte. Auf diese Weise ist das Buch stilistisch sehr einheitlich geraten - was hier alles andere heißt als glatt: hier bebt und knallt es, wie in wenigen anderen Romanen - aber auch von einer Monumentalität, die Zwischentöne ein wenig an den Rand drängt. Wer jedoch eine junge Autorin von grandioser sprachlicher Begabung und furchteinflößender Intelligenz kennen lernen will, dem ist dieses beeindruckende Buch rückhaltlos zu empfehlen, ja: aufzudrängen!!