In den vorigen Rezensionen ist fast alles gesagt, und ich habe mit SEHR hohen Erwartungen das Büchlein aufgeschlagen. Und jetzt bin ich etwas enttäuscht:
neben all dem Schönen und Wahren, das das Buch auszeichnet (z.B. liegt der tote Herr Muffin steif und kalt "auf der Bahre" und sieht dabei ziemlich tot und kalt und doch liebenswert aus - das darf man Kindern sicher "zumuten") stören mich vor allem vier Dinge:
1. Herr Muffin scheint das Alter selbst "trostlos" zu finden - er seufzt und denkt nur noch wehmütig an früher. Sicher eine Art, das Altwerden darzustellen - aber ich hätte mir ein oder zwei freundlichere Seiten zuvor gewünscht, damit Kinder nicht den Eindruck bekommen, das Alter sei so trostlos und Alte depressiv.
2. eine Kleinigkeit: Herr Muffin war so glücklich in seinem Leben und hatte ja viel "Glück". Wieso muss er sich in seiner Jugend "fett wie eine Kuh und borstig wie ein Schwein" gefunden haben?
3. Herr Muffin hat zum seinem Lebensende starke Schmerzen - wenn man es so sehen will, tut ihm das Altsein, aber vor allem das Sterben sehr weh.
Und 4. mein Hauptkritikpunkt: Herr Muffin wird allein gelassen in seinem Sterben. Vielleicht sind Punkte 3 und 4 realistisch, vielleicht waren sie den Autoren sogar wichtig - aber ich hätte mir gewünscht, dass das Mädchen ihn noch einmal gestreichelt und geschmust, vielleicht auch auf den Arm genommen hätte. Dann wäre Herr Muffin getrösteter gestorben, und kleine Lesern hätten vielleicht weniger Angst vor dem Kontakt mit Alten/Sterbenden - was ist tröstlicher als die liebevolle Berührung eines Kindes...?
Also: ist natürlich ein schönes Buch. Vielleicht etwas trauriger, als es sein müsste, und vielleicht bewirkt es bei kleinen Kindern eher, dass sie Abstand halten von Sterbenden, als dass es sie zu liebevoller Nähe ermutigt. Ich empfehle jedem Erwachsenen, es erst alleine probezulesen, bevor man es mit Kindern anschaut.