Überglücklich küsst in schwarzweiß eine alte deutsche Mutti dem wahrscheinlich politich auch selbst heimgekehrten deutschen Bundeskanzler der damaligen Zeit ADENAUER für ein historisches Bild die Hand, das jeder kennt. Botschafter a.D. Kilian eröffnet uns die Hintergründe der Operation mit der Materie angemessener Ironie. Schließlich hatten die Deutschen mindestens 20 Mio. Russen umgebracht und waren auch im weltkrieg - schuldig oder unschuldig - von der Völkergemeinschaft mehrheitlich für schuldig erkannt. - Adenauers und Kilians Trick: Ironie! Anerkennen und so tun als ob. Schließlich waren auch die Russen nicht schuldlos (nicht nur im 1. WK., sondern auch im 2. Hitler-Stalin-Pakt.) "DER KANZLER NAHM BULGANIN vertraulich am Arm und führte ihn zu den Blitzlichtern. Er kommentierte dazu, dass man sich den Journalisten fügen müsse, sie seien schließlich die wahren Diktatoren unserer Zeit." Mit etwas säuerlicher Miene ließ sich Bulganin mitnehmen... (s.115). Später wird zusammengefasst: "Es hätte dem Rezept Fr. Wilhelms I.s entsprochen, der seinerzeit seine Kriterien für die Auswahl eines neuen Preußischen Gesandten zu Russland so definiert hatte: 'Den kan der Zar wol leiden und kan stark sauffen und bleibet doch bei Verstand.'" - Die Pattsituation in der deutschen Frage (Kapitel "Nach dem Eintreffen des 1. Bonner (sic!) Botschafters in Moskau) löst Kilian geschickt auf: Auf dem Altar der bis heute zu Recht bestehenden Rapallo-Furcht der Russen (denn die Deutschen als Mittelmacht müssen zusehen sich mit dem jeweils Stärksten der Weltpolitik zu verbünden) konstatiert er die Moskau-Reise Adenauers eigentlich abseits des politischen Erfolges dessen Wiederwahl nicht als Erfolg, sondern als 1. a u ß e n p o l i ti s c h e n Erfolg eines der bis dato eher durch separatische Bemühungen dieses aktenkundig gewordenen Nachkriegskanzlers. Adenauer setzte auf Dulles. Der nicht auf ihn, berichtet Kilian. - Ziel, und wir können uns all der Worte kurz fassen, war es ohnehin nur, beiderseits Botschafter auszutauschen. (Kilian, S. 297)- DOCH VORSICHT: Die Russen hegen Ressentiments: 20 Mio. Tote lassen sich nicht einfach wegwischen durch Erfolg - und sei es eines kapitalistischen Systems, von dem man zugegebenermaßen wie die Chinesen profitiere. - Es gibt leider offenbar keine Mutti mehr in Deutschland, die PUTIN die Hand für derlei Wirtschaftswunder der Deutschen die Hand küsste. Die Russen kommen ohne uns aus; wir nicht ohne sie.