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Produktinformation
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Risse am Denkmal des ersten Bundeskanzlers
Adenauer wurde von den Bundesbürgern 2003 zum "Besten Deutschen" gewählt, weil er ihnen zu "Freiheit, Wohlstand und sozialer Sicherheit" verholfen habe. Wie diese Biographie des renommierten Publizisten von Sternburg zeigt, ist der machtbewußte Patriarch jedoch keine unangreifbare historische Persönlichkeit. "Sternburgs Analyse ist wichtig und zwingt zum Überdenken mancher Positionen. Das Buch ist elegant und ?üssig geschrieben." Die Zeit
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Das Buch erschien erstmals 1987, kurz vor der unvermuteten Wiedervereinigung, und wurde 2001 vom Autor "nur leicht überarbeitet". Eine stärkere Überarbeitung wäre angebracht gewesen. Der Punkt der Erstveröffentlichung war ein Lamento über das Scheitern von Adenauers Deutschlandpolitik. Der greise Kanzler habe gar keine Wiedervereinigung gewollt, vielmehr aus Abneigung gegenüber Preußen einen "Rheinbund" angestrebt und über seine wahren Absichten das Volk systematisch belogen. Dazu sei er trotz zur Schau getragener christlicher Überzeugungen ein skrupelloser Machtpolitiker gewesen, der politische Gegner im Wahlkampf diffamierte. Und schließlich habe er sich als Oberbürgermeister von Köln unzulässig bereichert.
Mitlerweile hat die Geschichte dem Deutschlandpolitiker Adenauer aber spektakulär Recht gegeben, und der "Heiligenschein", der noch vor zwanzig Jahren über seinem Haupt geleuchtet haben mag, wurde durch eine Vielzahl von Publikationen längst entfernt. Aus dem Buch spricht noch die Verbitterung einer schon fast 40 Jahre dauernden Teilung. Dabei deutet auch der Sternburg von 1987 mehrfach an. dass es zu Adenauers Außen- und Deutschlandpolitik damals keine wirkliche Alternative gegeben hat. Adenauer hat mehr oder weniger kaltblütig die Teilung in Kauf genommen, im Sinne der Westbindung der Bundesrepublik. Das war, wie wir heute wissen, der einzig gangbare Weg.
Inwieweit der spießige Mief der Adenauer-Jahre vom Kanzler verschuldet ist, wäre interessant zu diskutieren. Sternburgs Buch ist, trotz der Überholtheit seines zentralen Anliegens, immer noch lohnend. Es bietet eine sehr kritische, aber aus der zähneknischenden Bewunderung des ersten Bundeskanzlers geborene Analyse der Person und Politik Adenauers.
Sternburgs Feststellung, Adenauer habe aufgrund anti-preußischer Einstellungen die Wiedervereinigung letztlich nie gewollt, trifft meines Erachtens voll zu. Nach dem Auffinden des sogenannten Kirkpatrick-Dokuments vom 16.12.1955 dürfte in der Tat feststehen, dass für Adenauer Westintegraton eindeutig Vorrang vor der - von diesem nicht gewünschten - Wiedervereinigung hatte. Sternburgs Feststellungen: "Daß jeder Schritt zur Westintegration die Grenzpfähle zwischen beiden Teilen Deutschlands fester einrammte, haben viele Zeitgenossen dieses Kanzlers mit aller Deutlichkeit gesehen und gesagt...Wie tief er das Scheitern seiner Deutschlandspolitik...empfunden hat, darauf deutet seine Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer im August 1961 hin. Der Kanzler verstummte...Bis in die letzten Lebensjahre hinein hat Adenauer versucht, an der Legende seiner Wiedervereinigungs-Strategie zu stricken. Die "Erinnerungen", nach dem Abschied aus dem Amt geschrieben...,sind durchzogen von Bekenntnissen zur "Politik der Stärke", die allein die Sowjetunion zur Umkehr in der Deutschland-Frage bewegen könne. Die verzweifelten Wiederholungen dieser These nehmen schon beinahe pathologische Züge an. Er hat vielleicht gespürt, daß das Urteil der Geschichte über seine Kanzlerschaft gerade in diesem Punkt wenig schmeichelhaft ausfallen würde. Denn wer die öffentlichen Reden Adenauers durchblättert,...dem wird deutlich, welch tiefe Unwahrhaftigkeit die politische Auseinandersetzung der Adenauer-Zeit um die Einheit beherrscht hat. Daß sie dann ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod doch Wirklichkeit wurde, hatte weniger mit deutscher Politik als vielmehr mit innersowjetischen Entwicklungen zu tun."
Genauso war es. Die ungeprüfte Ablehnung der sowjetischen Noten-Offensive von 1952, der sogenannten Stalin-Note von 1952, ist Adenauer - meines Erachtens völlig zu recht - schon von Paul Sethe, Jakob Kaiser oder Kurt Schumacher zum Vorwurf gemacht worden. Adenauer-Apologeten wie Schwarz erklären unverdrossen, letztlich habe Adenauers "Politik der Stärke" ja Erfolg gehabt, nur habe sich Adenauer eben im Zeitrahmen geirrt: die Sowjetunion sei eben später zusammengebrochen, als von ihm prognostiziert. Dies stimmt zwar, kann aber keine Rechtfertigung für Adenauers Umgang mit der Wahrheit - nicht nur in diesem Punkt - sein. Denken in Freund-Feind-Kategorien, Verächtlichmachung der politischen Gegner, sein Verhältnis zu den Medien,das Vorgehen des Staates in der sogenannten "Spiegel"-Affaire: in dieser Biographie werden die Schattenseiten dieses Politikers deutlich angesprochen, jedoch seine unbestreitbaren Verdienste ebenso gewürdigt. Seine Bewunderung für die Person Adenauers verbirgt Sternburg keineswegs. So ist eine gut lesbare Darstellung über den Gründungskanzler erschienen, die weit von der fast unerträglichen Apologetik von Hans-Peter Schwarz entfernt ist und meines Erachtens ein zutreffenderes Geschichtsbild der Adenauer-Epoche gibt als Schwarz' "Anmerkungen" oder dessen umfangreiche zweibändige Adenauer-Biographie. Daher unbedingt als Ergänzung zu Schwarz' "Anmerkungen" zu empfehlen. Sehr lesenswert.
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