Ein schönes und lesenswertes Buch, in dem die Autorin den Lebensweg adliger Frauen während der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph nachzeichnet, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Von der Wiege bis zur Bahre erfahren die Leser von den Lebensumständen der Frauen, die sie von einer behüteten Kindheit über die wenigen Jahre als Komtesse, in der sie sich zu verheiraten versuchten, über Eheschließung und Mutterpflichten viel Wissenswertes, das vor allem für Leser interessant ist, die sich mit den Jahren um 1900 in Österreich beschäftigen. Die Autorin, obwohl ihr Buch einen soziologischen Hintergrund hat, schreibt anschaulich, und fügt hier und da eine für die Zeit charakteristische Anekdote ein, ohne ins rein anekdotische abzugeleiten. Man lernt, dass der Adel sich durchaus für seine Dienerschaft verantwortlich fühlte, und immer wieder Spenden zur Linderung der Armut sammelte. Andererseits wird im Buch auch davon gesprochen, wie eng das Lebenskorsett war, das den Frauen oft die Luft zum Atmen nahm, und ihr Dasein nur auf Kinder, Küche, Kirche beschränkte. Und dennoch: Innerhalb dieser engen Grenzen gab es erfüllte Frauenbiografien, und auch im Alter und als Witwe gehörten sie weiter zu den Adelskreisen, blieben nicht allein, sondern waren gern gesehene Gäste in den Salons der adligen Gesellschaft.