Die Autorin dieses Sachbuches gehört weltweit zu den bekanntesten und schärfsten Islamkritikerinnen. Geboren wurde sie in Somalia, als ihr die Zwangsheirat drohte floh sie in die Niederlande. Dort machte sie eine Karriere als Publizistin und Politikerin und schuf sich auch zahllose erbitterte Feinde. Als der holländische Filmemacher Theo van Gogh 2004 auf offener Straße ermordet wurde fand man einen Drohbrief an Ayaan Hirsi Ali gerichtet, den der Täter an der Leiche befestigt hatte, weil beide gemeinsam das Drehbuch für den islamischen Kurzfilm "Submission Part 1" erarbeitet hatte.
Ihre Bücher "Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen" und ihre Autobiografie "Mein Leben, meine Freiheit" wurden weltweite Bestseller. Jetzt hat sie mit "Adan und Eva" ein Jugendsachbuch geschrieben in dem sie eine Geschichte der Hoffnung und Aufklärung erzählt und die Kritik am Islam sich vornehmlich auf die Auseinandersetzung zwischen Juden und Muslimen beschränkt.
Im Fokus des Buches stehen die beiden Protagonisten Adan und Eva. Geschildert wird eine schwierige Freundschaft zwischen einem muslimisch, marokkanischen Jungen aus einem Amsterdamer Problemviertel und einem reichen jüdischen Mädchen. Adan lebt wie die meisten afrikanischen Kinder mit seinen vielen Geschwistern auf engstem Raum. Die Eltern sprechen kein Holländisch. Sie leben mit ihren Kindern entsprechend den Werten ihres Heimatlandes. Das Kind Adan wird ausgegrenzt. Auch die jüdische Eva, die in luxuriösen Verhältnissen aufwächst empfindet sich als Außenseiterin, denn sie kommt von dem anderen Ende der Gesellschaft, von dem oberen. Adan und Eva lernen sich kennen und lieben, wobei ihre Liebe von Anfang an zum, Scheitern verurteilt ist.
Das Buch ist sehr symmetrisch aufgebaut. Da gibt es die arme marokanische Familie Zakhrour mit den absurden Vorurteilen über die Juden, die angeblich das Blut von muslimischen Kindern trinken und auf der anderen Seite die reiche jüdische Familie Liebermann mit dem irren Klischee über die Moslems, die alle Mörder und Terroristen sind. Der vermeintlich sittliche und kulturelle Verfall in einer reichen jüdischen Familie ist aber eigentlich kaum mit der Gewalttätigkeit islamischer Sitten und Überlieferungen zu spiegeln.
Die Autorin wählt ein Jugendbuch, erfindet darin ein Gleichstellungsprogramm, um durch das Erzählen einer solchen Geschichte, durch die Überwindung von Vorurteilen, versöhnlicher zu stimmen. So wird es Adan ermöglicht auf eine weiße Eliteschule zu gehen. Dort trifft er die etwas übergewichtige Eva. Beide werden in der Schule ausgegrenzt, was sie eigentlich dazu bringt Freunde zu werden. Sie besuchen sich gegenseitig zuhause, werden mit den Vorurteilen konfrontiert. Ihre Freundschaft überwindet das alles, denn die beste Strategie die Vorurteile auszuräumen ist es aufeinander zuzugehen und festzustellen welche Missverständnisse eliminiert werden müssen. Wenn die Toleranz an die Stelle radikaler Ideen tritt und den Kindern die Idee des kritischen Denkens beigebracht wird, dann wirkt es möglicherweise wie eine Art Schutzimpfung, die langfristig eine dauerhafte positive Lösung in Bezug auf Integrationsprobleme bringt. Im Buch wird auch das Geschlechterproblem beleuchtet. Adan hat eine ältere Schwester, die auf dieselbe Schule geht, dort offensichtlich wesentlich erfolgreicher ist, weil sie wie alle Mädchen die Bildung als einzige Chance für die Emanzipation begreift.
Der irgendwie zu moralische Plot, gespiegelt mit der Schöpfungsgeschichte, ist sicher keine literarische Meisterleistung. Es ist ein sehr schmales Buch wobei der eigentliche Roman schon nach 115 Seiten endet.Im Anhang befindet sich eine zusammengefasste Biographie Ayaan Hirsi Alis, so wie Auszüge aus ihrer Autobiografie und aus dem Buch "Ich klage an". Es fehlen eigentlich kritische Analysen zu einem konsequenten Umgang mit dem Islam, obwohl das eigentlich der Autorin nicht schwer fallen dürfte.