Inhalt:
Aatami Rytmättylä hat den Weg aus der drohenden Energiekrise gefunden: einen kleinen Akkumulator, der Strom im Überfluss liefern kann. Um diese Erfindung einzusetzen, benötigt Aatami jede Menge Geld - er hat jedoch keins. Zum Glück nimmt sich Eeva Kontupohja, Strafverteidigerin und Quartalssäuferin, des vom Pech verfolgten Weltretters an. Doch die umweltfreundliche Energiequelle stößt nicht uneingeschränkt auf Gegenliebe. Die Ölscheichs sehen darin eine Gefahr für ihren Reichtum und setzen ein Killerkommando auf ihn an ...
Story:
Finnische Unterhaltungskunst ist keineswegs weit verbreitet in Mitteleuropa. Doch wieso eigentlich nicht? Wo unsere Fernsehlandschaft von skandinavischen Krimis geprägt ist, da dürfte doch um Finnland wohl kaum ein Bogen gemacht werden. Grund genug also für einen finnischen Krimi von LÜBBE AUDIO, die schon öfters auf Werke des finnischen Autoren Arto Paasilinna zurückgegriffen haben, wenn es um die Veröffentlichung von Audioproduktionen ging. Nun gibt es also zu dem gleichnamigen Hörbuch auch ein Hörspiel mit einer Spielzeit von 54 Minuten, was angesichts der Zusammenfassung eines kompletten Romans doch recht wenig erscheint. Schnell wird dem Hörer aber bewusst, dass es gar nicht Paasilinnas Wille war, einen Kriminalroman zu schreiben. Nein, es ging um die Auslebung eines kuriosen Gedankenguts, einer absurden und irre komischen Handlung in einer kühlen nordländischen, mit fast schon surrealen Momenten geprägten Umgebung, in der nüchterne Emotionalität der handelnden Protagonisten dafür sorgt, dass das Hörspiel kaum greifbar ist und damit bleibenden Eindruck hinterlässt. Der Held von "Adams Pech, die Welt zu retten", mit dem leicht auszusprechenden Namen Aatami Rytmättylä versehen, ist wahrlich ein verkapptes Genie. Sein Plan, die Welt zu retten, wird erstaunlich ernst genommen und so ist er selbst überrascht, welche Wellen er damit auslöst. Diese erstaunlichen Momente erlebt der Hörer eins zu eins mit, er ist amüsiert und lauscht gebannt, wie weit der Welteneroberer mit seinem Plan kommen wird - von Anfang bis Ende liefern die verantwortlichen Produzenten damit ein kurzweiliges, erlebnisreiches und in gewisser Weise auch anregendes Hörspiel, denn unmöglich erscheint diese Handlung nicht.
Sprecher:
Eine durchaus prominente Riege hat sich beim Einsprechen der Texte zusammengefunden. Zwar liegt die Popularität weniger im Synchronbereich, dafür sind zahlreiche teilnehmende Sprecher vor allem aus dem Fernsehen bekannt. So spricht etwa Matthias Matschke den Hauptcharakter Aatami Rytmättylä und scheint meines Erachtens dafür bestens geeignet, jedenfalls nimmt der Hörer glaubwürdig ab, dass die Figur mit vollem Enthusiasmus hinter seiner Erfindung steht und auch später für die Konsequenzen gerade steht. Mit Erzähler Michael Wittenborn hat man ebenfalls einen sehr erfahrenen Sprecher an Bord, der mit einer gewissen Gelassenheit durch die Geschehnisse führt, ansonsten übernimmt auch Johanna Gastdorf eine tragende Rolle in der Produktion, als Ehefrau des leidtragenden Helden wirkt sie noch recht rational in der total kuriosen und skurril verdrehten Welt, die Paasilinna gezeichnet hat. In weiteren Rollen zu hören sind unter anderem Jochen Langner, Wolfgang Rüter und Bruno Tendera.
Musik und Effekte:
Kurios, absolut kurios, ja fast schon wahnsinnig ist die Untermalung. Finnischer Gesang. Und nicht etwa nur das, gleich ein kompletter Chor trägt Musikstücke zu diesem Hörspiel bei. Die Auswahl dieser Melodien ist als hervorragend und komisch einzustufen - komisch im höchst unterhaltsamen Sinne. Jürgen von der Lippes Zitat auf der Rückseite der CD "Die spinnen, die Finnen" erscheint dadurch irgendwie liebevoll und übel nehmen kann man die Gesänge auch nicht, denn sie sind gesanglich sehr gut vorgetragen und fügen sich auch in das Gesamthörspiel ein. Matti Kontio und Sinnika Kontio sowie dem Chor der finnischen Gemeinde Düsseldorf gelang hier eine starke Darbietung, die zu unterhalten weiß. Effekte hingegen vermisst man über weite Strecken des Hörspiels, an einigen Stellen hätte ich mir da schon mehr gewünscht, wenngleich auch das dazu beiträgt, eine kühle, sterile Stimmung zu erzeugen, in der die Handlung noch abstruser wirkt als sie es sowieso schon ist. Zum perfekten Hörspiel fehlen im untermalenden Bereich allerdings noch die nötigen Quäntchen.
Fazit:
Nichtsdestotrotz unterhält "Adams Pech, die Welt zu retten" bravourös, wenn man dazu in der Lage ist, den logischen Gedanken zumindest für eine Stunde ein wenig missachten zu können. Zunächst fühlt man sich in einem Realkrimi gefangen, bis die Erleuchtung durchdringt, dass Paasilinna die Zuhörer lediglich zum Schmunzeln bewegen möchte, was dann auch dank superber Sprecher und witzigen Musiken gelingt. Wer finnischen Humor mag, wird "Adams Pech, die Welt zu retten" lieben!
Note 2