Amazon.de
In
Adams Äpfel prallen ein Neonazi und ein Pastor aufeinander. Eine tiefschwarze dänische Komödie in bester britischer Tradition. Wer sich ein wenig mit dem dänischen Filmschaffen im neuen Jahrtausend auseinandergesetzt hat, wird zwangsläufig immer wieder über einen Namen stolpern: Anders Thomas Jensen ist als Regisseur und vor allen Dingen als Drehbuchautor für einen beachtlichen Teil der in Deutschland wahrgenommenen Filmproduktion unseres nördlichen Nachbarlandes verantwortlich. Von den Dogma Knallern
Mifune,
Open Hearts oder
Wilbur bis hin zu den sympathisch-schrägen Komödien
Blinkende Lichter,
In China essen sie Hunde oder
Dänische Delikatessen, Jensen hatte überall seine Finger mit ihm Spiel. Ein bemerkenswerter Output, zumal die genannten Filme nur einen kleinen Teil seines Schaffens wiederspiegeln. In
Adams Äpfel nun, ist Jensen wieder hinter den Regiestuhl geklettert. Herausgekommen ist sein bislang stärkster Film.
Es geht um den überzeugten Gutmenschen Ivan, ein Landpfarrer in der dänischen Provinz, dessen Barmherzigkeit vor nichts und niemandem Halt macht. Ivan resozialisiert in seiner Oase der Nächstenliebe überführte Straftäter. Als es den überzeugten Alt-Neonazi Adam, einen 40-jährigen Erbärmling, in Ivans Kirche verschlägt, sind die Rollen klar verteilt scheinbar. Doch in Anders Thomas Jensens Filmen kommt es häufig anders als man denkt. Schon sehr bald wird deutlich, dass Adam, der eigentlich unter der wohligen Behaglichkeit seiner Hitlerbildchen die Resozialisierungsmassnahme aussitzen will, der ignoranten Gutmütigkeit des Pastors nicht gewachsen ist.
Alles an diesem Film scheint darauf ausgelegt festgefahrene Erwartungshaltungen auszuhebeln. Wenn etwa der apfelkuchenbackende Neonazi auf den Araber Kahlid (Ali Kazim) trifft, das Feindbild schlechthin also, verkehren sich die wohlerprobten, leidlich durchexerzierten Rollen des Arthaus Kinos. Der Araber ist weder Opfer noch hilflos, er stellt sich als dreister Tankstellenräuber heraus, der es gar nicht erwarten kann dem Schwuchtelstaat Dänemark zu entkommen. Doch auch die weiteren Schäfchen aus Ivans Besserungsanstalt haben es in sich: ein dicker trotteliger Triebtäter, eine schwangere Alkoholikerin die in Indonesien für den WWF gearbeitet hat; Figuren aus einem Houllebecq Roman oder schlimmeres? Nein, mitnichten. Das größte Verdienst von Adams Äpfel ist die geradewgs traumwandlerische Sicherheit, mit der Jensen auf der scharfen Klinge seines Humors zu spazieren versteht. Jeder bekommt sein Fett weg und am Ende gewinnt doch das Gute. Dass das lakonisch-schräge Lustspiel den jährlich vergebenen Kulturpreis der dänischen Pastoren verliehen bekam ist vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Aber was will Jensen machen, er lebt schließlich im Mutterland der Libertinage. Thomas Reuthebuch
VideoMarkt
Schwarze Schäfchen sind es, die der gutmütige Landpfarrer Ivan um sich versammelt hat. Unter seiner Obhut sollen Straffällige resozialisiert werden, und so findet Ivan sich in der Gegenwart von Vergewaltigern und Tankstellenräubern wieder. Dennoch: Der Job ist für ihn Freude und Berufung zugleich. Auch, als der Neonazi Adam zu der Gruppe stößt und es sich zur Aufgabe macht, den unverbesserlichen Gutmenschen von dessen Glauben an Gott und die Menschheit zu heilen. Aber da hat Ivan einen langen Atem.
Video.de
Regisseur Anders Thomas Jensen, der schon "Mifune" und "In China essen sie Hunde" geschrieben hat, erzählt seine Geschichte vordergründig wertungsfrei und lässt die Kamera schonungslos Adams Umtriebe registrieren. Dennoch zeigt sich stets dessen Anteilnahme und Nähe zu den Figuren.. Mit einer guten Portion schwarzen Humors ausgestattet, entfaltet sich ein ebenso anrührendes wie unterhaltsames Duell, in dem vor allem der vielseitige Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen als Ivan brillieren kann. Ein Arthouse-Gourmetstückchen.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Bissige, aber sympathische Komödie über einen leidgeprüften modernen Hiob.
Eine Art dänisches Gipfeltreffen ist die skurrile Komödie "Adams Äpfel": Mit Ulrich Thomsen ("Das Fest") und Mads Mikkelsen ("Casino Royale") treten hier gleich zwei Exportschlager aus dem Königreich auf. Die skurrile Komödie um einen Priester als Verdrängungskünstler und einen Neonazi, der sich unter kirchlicher Aufsicht resozialisieren lässt, streift leichtfüßig Themen wie Tod, Schicksal und den Sinn des Lebens. Im Bonusmaterial plappern Cast und Crew munter von der prima Stimmung am Set und der familiären Machart dieser Schwarzen Komödie. Und Bond-Bösewicht Mikkelsen fabuliert über seine Art der Schauspielerei. Er müsse nur die Charakterzüge seiner Figur in sich finden und ins Extreme verstärken: "Der Rest besteht aus Wegschneiden. Ich schneide einfach die anderen Seiten von mir weg." Ansonsten liefert die DVD noch ein prima Rezept für Dänischen Apfelkuchen und das Buch Hiob zum Nachlesen - beide spielen im Film eine zentrale Rolle. (kr) www.kulturnews.de
Kurzbeschreibung
"Adams Äpfel" - so nennt Ivan, Landpfarrer irgendwo im dänischen Nirgendwo, die Äpfel am kirchlichen Apfelbaum, seit Adam sich die Aufgabe gestellt hat, aus ihnen einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist der Neuzugang in Ivans Oase der Nächstenliebe, in der er Straffällige zu resozialisieren versucht. Seine derzeitigen Schäfchen sind neben dem gewalttätigen Neo-Nazi Adam der Trinker und Vergewaltiger Gunnar und der arabische Tankstellenräuber Khalid.
Auf den ersten Blick ein überzeugter Gutmensch, begegnet Pfarrer Ivan Allem und Jedem mit unerschütterlichem Verständnis, auch dem rüden Verhalten seiner Schützlinge. Doch bald entpuppt sich seine Barmherzigkeit als Besessenheit, die keine Widerrede duldet. Während Gunnar und Khalid Auseinandersetzungen mit Ivan aus dem Weg gehen, stellt sich Adam der manischen Güte. Er beschließt, den Kampf aufzunehmen und Ivans positiver Sicht der Dinge einen Schuss böse Realität zu verpassen. An der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen den beiden scheint sich jedoch eine dritte Macht zu beteiligen, die beide einer Prüfung unterziehen will.
Produktbeschreibungen
Der Landpfarrer Ivan (Mads Mikkelsen) widmet sich in seinem kleinen Gotteshaus der Resozialisierung Straffälliger und lässt sich durch keinen Schicksalsschlag, scheint er doch so grausam, von seinem positiven Weltbild entfernen. Adam (Ulrich Thomsen) ist ein böser Mensch. Seine Bibel ist Hitlers "Mein Kampf" und momentan hat er nur ein Ziel: Den Scheißjob mit der gemeinnützigen Arbeit, zu dem er in Ivans Gemeinde verdonnert wurde, so schnell als möglich abzureißen und dann zu seinen Kameraden zurückzukehren. Leichter gedacht, als getan, denn schon die erste Begegnung mit dem hamoniesüchtigen Pastor droht zu eskalieren, zu verklärt wirkt Ivan auf den echten Kerl Adam. Also versucht Adam Ivan von der Schlechtheit der Welt zu überzeugen, während Ivan das seinige dafür tut, das fehlgeleitete Schaf zurück auf den Weg der Tugend zu führen. An der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse scheint sich aber noch eine dritte Macht zu beteiligen, die beide Seiten auf eine schwere Prüfung stellen