Als ich die DVD in der Hand hielt, konnte ich mir unter der Story nicht all zu viel vorstellen. Allerdings haben skandinavische Filme in den letzten Jahren bei mir einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Da, wo wir die Grenzen des Humors ziemlich eng stecken, geht es bei den Skandinaviern oder Briten erst richtig los. Beim Abspann von "Adams Äpfel" war mir dann klar, dass Regisseur Anders Thomas Jensen ein wahrer Geniestreich gelungen ist.
Mit bitterbösem und scharfzüngigem Humor wird die Geschichte des Neonazis Adam erzählt. Er wird aus der Haft entlassen und soll in der Kirchengemeinde des Pfarres Ivan resozialisiert werden. Dort trifft er auf Khalid, einen ehemaligen Bankräuber, dessen Kumpel einen(angeblich) trockenen Trinker und Sittlichkeitsverbrecher, sowie einer zugelaufenen, schwangeren Vollalkoholikerin. Dieses Quartett der schwarzen Schafe ist so ziemlich das schrägste und lustigste, was ich in den letzten Jahren im Film gesehen habe. Jede Geste, jeder Spruch und jede stille Sekunde sind herzerfrischend komisch und perfekt gespielt. Dazu kommt Pfarrer Ivan, der in seiner eigenen Gedankenwelt lebt. Er ignoriert die Realität um sich herum und erfindet sein eigenes Unviersum, in dem Gott jeden liebt und allen eine Chance einräumt. Zu seinen Prinzipien gehört es, dass jeder der Mitbewohner eine Aufgabe erhält. Adam soll einen Apfelkuchen backen. Damit sind wir beim zentralen Thema des Films. Irgendwie versucht der Teufel, oder ist es vielleicht doch der liebe Gott, Adam an diesem Vorhaben zu hindern. Egal, was er auch versucht, die Sache mit dem Kuchen haut irgendwie nicht hin. Von Tag zu Tag gibt es größere Probleme. Erst fressen Krähen die Äpfel, dann greifen Heerscharen von Würmen an und zum Schluss schlägt auch noch der Blitz in den Apfelbaum ein. Aber da ist ja noch Ivan, der Turm in der Schlacht. In seiner allgegenwärtigen Ignoranz wischt er alle Zweifel aus dem Weg und treibt Adam fast in den Wahnsinn. Selbst sein bevorstehender Tod und ein Hirntumor von der Größe eines Tennisballs können Ivan da nicht stoppen. Als dann noch Adams alte Neonazikumpels auftauchen und Khalid zeigt, wie gut er mit einem Schießeisen umgehen kann, scheint nichts und niemand die Katastrophe aufhalten zu können...
Anders Thomas Jensen hat seine Charaktere mit soviel Liebe und Feingefühl besetzt, dass es eine Freude ist zuschauen zu dürfen. Die Darsteller passen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und die Synchronisation ist schlichtweg genial. Dabei driftet Adams Äpfel niemals in den Klamauk ab. Wer genau aufpasst, wird erkennen, das Jensen das Buch Hiob der Bibel fast 1 zu 1 in die Gegenwart des Dänischen Kirchenhofs verlegt und umgesetzt hat. Dabei stellt sich stets die Frage: Wer gibt den Hiob? Ist es Adam, oder vielleicht doch eher Pastor Ivan. Was Ivan an Leid und Rückschlägen über sich ergehen lassen muss; wie oft er dabei im Krankenhaus landet und von einem schrulligen, unglaublich zynischen alten Doktor wieder zusammengeflickt wird, das ist schon einmalig.
Last not least glaubt Adam, dass er der einzig vernunftbegabte Mensch in der Kirchengemeinde ist. Aber er merkt nicht, dass die "Verrückten" um ihn herum dafür sorgen, dass er sich ändert. Der Neonazi verschwindet und ein völlig anderer Adam tritt ans Licht.
Ich habe selten bei einem Film so viel gelacht und mich über intelligente Wortspiele und Anspielungen geradezu diebisch gefreut. Sicher ein Dutzend der gezeigten Gags wären in einem deutschen Film undenkbar; leider. So müssen wir uns weiter an die Briten und Skandinavier halten und ganz fest die Daumen drücken, dass Adams Äpfel noch ein paar würdige Nachfolger findet.