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Zum Inhalt. Adam Haberberg ist ein 47 jähriger erfolgloser Schriftsteller. Er will immer „Wichtiges" schreiben, statt über das zu schreiben was ihm wichtig ist. Er hat nur einmal Erfolg als anonymer Autor eines Groschenromans, denn unter eigenem Namen zu schreiben hätte er sich geniert. Das wäre nicht hoch genug gewesen. Und da das Leben keine Handlung braucht, um Konflikte zu erzeugen, gibt es in dem Roman unablässig Handlung aber keine Konflikte, und dadurch hat er Erfolg mit diesem Buch.
Er ist unglücklich verheiratet, die Erziehung der Kinder ist gescheitert, er ist schwermütig, weil sein Arzt ihm eine schwere, inoperable Sehstörung unter dem linken Auge diagnostiziert hat. So sitzt er traurig und vergrämt auf einer Bank gegenüber dem Zoo, als eine Frau dort aus der Tür tritt und zielstrebig auf ihn zugeht, ihn mit den Worten, erkennst du mich nicht?, anspricht. Es ist seine ehemalige Klassenkameradin Marie Therese. Aber auch vor dreißig Jahren war sie so unscheinbar, dass sie ihm gar nicht aufgefallen ist. Sie setzt sich neben ihn, überfällt ihn mit banalem, sinnlosem Geschwätz. Sie erzählt von ihrem Business und ihren unterschiedlichen Merchandise Produkten, spricht schließlich eine Einladung zu einem gemeinsamen Abendessen in ihrer „Biederwohnung" aus. Und da Haberberg diese beruhigende Welt gefällt, folgt er der Einladung.
Sie bereitet ein leckeres Omelett, erzählt von ihrer Passion für Haushaltsgeräte. Und dann reden die so gänzlich uninteressanten Personen vor sich hin, über Themen wie Angst vor Versagen, Angst vor dem Altwerden, Angst vor Desillusionierung des Lebens. Er redet weniger, fragt sich vielmehr, was mache ich hier eigentlich? Die Innenwelt dieses Mannes ist viel komplizierter, als das was er redet. Er führt eigentlich mehr innerer Monologe mit seinem Augenarzt, stellt sich dauernd der Furcht vor dem Tod. Aber die Lächerlichkeit der Situation ist scheinbar weniger schlimm zu ertragen, als sein eigenes graues Leben noch einmal Revue passieren zu lassen.
Und nun erfahren wir, dass diese Frau einen Brief ihrer Freundin über all die Jahre, seit der Schulzeit, aufbewahrt hat, in dem sie ihr nahe legt sich doch ein Herz zu fassen und diesen Adam Haberberg einmal anzusprechen. Das hat sie erst jetzt getan und dieser inzwischen alte Mann sitzt jetzt vor ihr und langweilt sich tödlich. Und dieser Brief ist in der Tat eine ungenierte aber unzweifelhafte Art der Aufforderung zur Liebe. Es ist eine Aufforderung den Mut zum Leben zu fassen, einem Leben das die beiden ja lange hinter sich und eigentlich nie vor sich gehabt haben.
Und dann kommen zwei starke Stellen. Die Frau beginnt damit den Brief zu zerreißen und ihn zu verbrennen, eine große Geste. Sie sagt mit anderen Worten, ich gebe es dran, du brauchst dich nicht zu fürchten, ich mute dir keine Annäherung zu der wir möglicherweise beide nicht gewachsen sind. Er ist betroffen und es kommt zum ersten physischen Kontakt zwischen den Beiden. Und er kämpft um die Asche mit ihr. Und der zweite starke Punkt ist seine unbändige Aggression gegen sie, als sie ihm sagt, du siehst schlecht aus. Da kämpft er mit ihr um seine Ansehnlichkeit und sein Wohlsein. Im Grunde kämpft er jetzt um sein Leben mit ihr.
Es ist eine Liebesgeschichte, die natürlich einerseits überhaupt keine ist, denn die Frau ist ihm lästig und hoch peinlich und doch wiederum weniger lästig und peinlich als er sich selber ist.
Beide können mit ihrem Leben nicht viel anfangen, beide führen ein hoffnungsloses, halb gescheitertes, in sich inhaltloses Leben, bei dem nicht immer die existentiellen Dinge sie zu Grunde richten, sondern sie werden zermürbt, weil sie immer das Gegenteil von dem machen, was sie machen möchten.
Es ist ein schmales Buch mit 120 Seiten, die sich leicht lesen, in einer wunderbaren Sprache. Ein leidenschaftlicher, sardonischer Roman über die Ehe Tristesse, den Anspruch zu viel vom Leben zu erwarten, die Enttäuschung über alles was nicht stattfindet, und den Konsum als Äquivalent.
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