Adam Engelbrecht heißt der eine Held dieser recht unbekannten Geschichte von Astrid Lindgren und Kalle heißt der zweite, der eigentlich Held.
Die Geschichte trägt sich am Ostermontagsmorgen auf einem schwedischen Hof zu. Der riesige Stier Adam Engelbrecht ist wütend. Keiner weiß warum. Das mächtige Tier hat sich losgerissen und der Knecht kann sich grade noch so über das Gatter retten. Bald versammelt sich nicht nur die Familie (die eigentlich zur Ostermesse fahren wollte), sondern auch die Bewohner der umliegenden Höfe neben dem Gatter, um den tobenden Stier zu begutachten. Auch Kalle, der kleine smaländische Junge aus der Kätnerhütte ist gekommen. Der Familienvater versucht den Stier einzufangen, ruiniert sich dabei aber nur die feine Sonntagshose. Die Kühe müssen gemolken werden - aber keiner kann an Adam Engelbrecht vorbei. Nun ist guter Rat teuer. Doch dann setzt sich Kalle auf das Gatter und fängt in aller Seelenruhe an, mit sanften Worten auf den Tobenden einzureden: "Adam Engelbrecht, kommhea, 'ch will'ich zwischenne Höna kraun!" wird das breite Smaländisch hier ins Deutsche übertragen. Und irgendwann hat der Stier das wilde Toben tatsächlich satt und lässt sich vom kleinen Kalle zwischen den Hörnern kraulen und in den Stall führen. Zur Belohnung für den kleinen südschwedischen Matador gibts stürmische Beifallsrufe, 2 Kronen in bar und 20 Eier.
Kalles Erklärung für seinen Erfolg: "Chbn a Stiere gwönt, nem se nur eifach min bchen Höflichkeit" (was auf Hochdeutsch soviel heißt wie: "Ich bin an Stiere gewöhnt, nehme sie nur einfach mit ein bisschen Höflichkeit.")
Die "smaländischen" Passagen sind natürlich auch in der Geschichte immer ins Hochdeutsche übertragen!
Besonders schön an diesem Buch sind die Bilder. So schön, dass ich noch nach weiteren von Marit Törnqvist illustrierten Büchern Ausschau halten werden. Die Bilder sind sehr atmosphärisch (man spürt die Behaglichkeit des Kuhstalls, die feierliche Stimmung am österlichen Frühstückstisch, die Aufregung am Gatter...) und lebendig (die eifrig diskutierenden Zuschauer...) . Außerdem werden auch hier die typischen Lindgren-Motive sehr schön dargestellt - z.B. die hübschen rot-weißen Holzhäuschen nebeneinander, die an Bullerbü erinnern. Auch das Bild vom kleinen Kalle und dem riesigen Stier ist einfach beeindruckend. Und das Schlussbild, auf dem Kalle mit seinem Lohn durch ein kleines Birkenwäldchen nach Hause in die Kätnerhütte läuft, ist wirklich märchenhaft und lässt "Frühlingsgefühle" aufkommen (im Birkenwäldchen ist der Boden mit grün-weißen Blütenpolstern bedeckt).
Fazit: Eine recht unbekannte Lindgren-Geschichte, auf die wir zufälligerweise in der Bücherei gestoßen sind und die es zu entdecken gilt. Es lohnt sich sehr!