1997 in erster Auflage beim Arche-Verlag erschienen, liegt der Erstling des Bündner Autors Silvio Huonder (1954) bereits zehn Jahre zurück. Präzis wird das enge Milieu zweier Arbeiterfamilien in Chur geschildert. Cousin und Cousine erleben eine zarte Jugendliebe, die aber aus verschiedenen Gründen nicht sein darf. In der Retrospektive des Romans - der Erzähler kehrt als 38jähriger zurück - wird ihre seelische Not erfassbar: Johannes muss selber einen Ausweg finden, um eine Phimose behandeln und beheben zu lassen, doch es ist zu spät: Er verliert Adalina an seinen ärgsten Widersacher, Wullschleger. Dieser fährt mit dem Mädchen an ein Openairkonzert nach Sargans und verunglückt mit dem Töff. Das Mädchen stirbt auf der Stelle. Hätte Johannes ihr seinen Helm geliehen, würde sie noch leben. Eifersüchtig, hatte er ihr den Helm verweigert. Er wird zum Brandstifter, Schulabbrecher, flüchtet nach Südfrankreich. Die Rückkehr ist keine Heimkehr, er steigt in unwegsames Gebirge hoch und lässt sich bei der Roten Platte fallen. Zum Selbstmord passen die apokalyptischen Visionen eines ertrunkenen Chur, die Sprache ist an die Bibel angelehnt, der Name Johannes erinnert gezielt an jenen des Apostels. Der Roman ist streckenweise nicht einfach zu lesen, die Atmosphäre recht düster, das Geschehen tragisch. Das Besondere ist, dass die sprach- und hilflose Gespanntheit der Pubertät greifbar deutlich werden und der Leser beiden Jugendlichen gerne hülfe. Anklänge an Gottfried Kellers "Romeo und Julia auf dem Dorfe" unterstreichen die Tragik der Situation.