Cowboyhut. Tagebuch. Taschenmesser. Hosenträger - es gibt eigentlich nichts, was Simon auf seiner Reise durch Amerika nicht verliert. Am Ende des Buches konstatiert er den Verlust seiner gesamten Ausrüstung und muss schließlich seine Hosen - nun eben ohne Hosenträger - mit den blanken Händen festhalten. Das Schöne: Simon stört es nicht. Unberührt genießt er gemeinsam mit Schwester Adèle und Tante Cecile die vielen Facetten des historischen Amerikas um die Zeit 1900.
Detailverliebt präsentieren die nostalgischen Zeichnungen der Autorin Barbara McClintock zwölf geschichtlich denkwürdige Reisestationen vom schusseligen Simon und seiner kleinen Reisegruppe: Das französische Viertel in New Orleans, der Boston Public Garden, der Rocky Mountain Nationalpark, die Madison Street in Chicago, um nur einige zu nennen.
McClintocks Illustrationen sind dabei weitaus mehr als reine Kinderbuch-Zeichnungen, sondern basieren fast immer auf realistischen Fotovorlagen. Neben Simons verlorenen Gegenständen versteckt die Autorin in ihren Illustrationen oft gleich mehrere historische und fiktive amerikanische Nationalhelden und Persönlichkeiten, die es zu suchen und zu entdecken gilt.
So gründlich und liebevoll die Zeichnungen und deren nostalgische Bezüge auch sind, so werden sie doch leider verdeckt und dominiert von einem weitgehend sehr hölzern übersetzten Text, der in Murmeltier-Manier Seite für Seite Simons Verlust eines neuen Gegenstandes beschreibt. Ein etwas unangenehmer Beigeschmack bereitet einem beim Lesen zudem die beständig auf ihren Bruder schimpfende und damit notorisch schlecht gelaunte Adèle.
Die Vielzahl geschichtlicher Bezüge und Hintergründe drängen sich im hinteren Teil des Buches klein gedruckt auf einer Doppelseite. Für den amerikaunerfahrenen Leser erschließt sich damit leider erst am Ende der Lektüre, dass der Begriff "Suchbilderbuch" gleich in mehrfacher Hinsicht gilt.
Wer sich weiterhin ernsthaft mit den vielen versteckten Hinweisen und geschichtlich denkwürdigen Inhalten des Buches beschäftigen möchte, sollte im übrigen ein Lexikon in die Hand nehmen, - viele der porträtierten Persönlichkeiten dürften wohl nur echten Amerikaexperten und -liebhabern bekannt sein.
Neben letztgenannter (Haupt-)Zielgruppe bietet das Buch Kindern ab ca. fünf Jahren trotz alledem einige nette Impressionen, die immerhin weit über das reine von Cowboybildern dominierte nostalgische Amerika hinausgehen.