Schon seit Monaten freue ich mich auf dieses Spiel und konnte den 30.10. kaum erwarten. Als ich dann eben gestern in der Mittagspause durch den örtlichen Markt mit dem Planeten schlenderte, traute ich meinen Augen kaum, als das Spiel ganze 7 Tage vor offiziellem Release dort auf einer Palette ausgestellt war.
Ok, 119,99 Euro sind eine Ansage, aber ich konnte absolut nicht widerstehen. Als riesen Guitar Hero Fan (habe jedes für die Wii erschienene Guitar Hero sowie Rock Band 2 und The Beatles Rock Band) war ich mir fast sicher, dass dies umgelegt auf die Spielstunden erheblich billiger wird als eine vergleichbare Anzahl Kinobesuche oder ausgeliehene DVDs :)
Also ausgepackt und losgelegt!
Mann sollte auf jeden Fall die Handgelenksschlaufe von der Wiimote abmontieren. Es ist zwar eine kleine Aussparung vorgesehen im entsprechenden Fach, jedoch geht die Klappe am Turntable dann nicht mehr richtig zu. Insgesamt sind die Dimensionen des Fachs für die Wiimote einfach zu klein. Da hätte man durchaus großzügiger sein können.
Der Plattenteller mit den 3 Knöpfen scheint mir recht hochwertig verarbeitet und fühlt sich gut an. Er ist einem Schallplattenspieler mit aufgelegter Platte (samt Rille :) ) nachempfunden. Der angeklemmte Mixer, den man für Linkshänder auch auf der anderen Seite anstecken kann hinterlässt einen nicht ganz so guten Eindruck. Da wurde etwas am Plastik gespart hab ich den Eindruck. Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis mir der Crossfader oder der Effektdrehregler um die Ohren fliegt... Für ~ 120 Euro hätte man hier hochwertigere Elemente verbauen können. Aber was solls... Bei Bedarf wird einfach die Garantie in Anspruch genommen. Hier sei zusätzlich angemerkt, dass mein erster "Turntable Controller" defekt war. Deshalb bin ich auch froh, dass ich nicht bestellt, sondern im örtlichen Elektromarkt gekauft habe. Ob es sich um allgemeine Qualitätsprobleme handelt, werden die nächsten Wochen zeigen :) Der Mixer sieht, im Gegensatz zum Turntable auch etwas trist aus. Hier wäre ein Stickerset wie bei Guitar Hero ein nettes Goodie gewesen.
Nun aber zum eigentlichen Spiel: Der Grafikstyle ist Guitar Hero zwar ähnlich, sieht aber für meinen Geschmack insgesamt besser aus. Auch im Hinblick auf die Thematik wurden sowohl die einzelnen "Venues" als auch die Charaktere unter denen man wählen kann sehr gut getroffen und sind auch schön animiert. Für Wii Verhältnisse ist die Grafik sehr gut.
Obwohl man sich als alteingesessener Guitar Hero Spieler schnell heimisch fühlen wird und das Spielprinzip auch sofort versteht, empfiehlt es sich, die Tutorials durchzuspielen. Einige Feinheiten im Gameplay sollte man sich schon erklären lassen, denn sonst kann es etwas dauern, bis man es selbst herausgefunden hat. Grundsätzlich läuft es ähnlich wie bei Guitar Hero: auf einer Laufbahn, die dem Ausschnitt einer Schallplatte nachempfunden ist und dreigeteilt ist (für jeden Knopf auf dem Plattenteller eine Spur), laufen von oben kleine Kreise herunter die man im richtigen Moment antippen muss. So weit so gut...
Die eigentliche Herausforderung bei diesem Spiel und was das Ganze auch erheblich komplexer als Guitar Hero macht, sind die einzelnen Varianten, in denen man diese "kleinen Kreise aka Noten" treffen muss. Es gibt die Möglichkeit, dass eine längere "Note" kommt, während derer man den Knopf gedrückt halten und gleichzeitig den Plattenteller vor und zurückbewegen muss. Eben "scratchen"! hier wird wiederum unterschieden, ob man einfach hin- und herrubbeln kan oder ob man die entsprechende Richtung vorgegeben bekommt in die man den Plattenteller bewegen muss. Das wird mitunter sehr stressig und herausfordernd, macht aber so richtig Spaß! Desweiteren bekommt man noch Anweisungen in welche Position man den "Crossfader" stellen muss. Dieser hat 3 Stellungen (link, rechts, mitte). Der Crossfader rastet in der Mittelstellung ein. Deutlich fühlbar aber nicht 100% sicher. Im Eifer des Gefechts kann es schon passieren, dass man übers Ziel hinausschießt, den Regler zu weit bewegt und sich so die Notenfolge versaut. Hier ist wohl einfach viel Übung erforderlich.
Damit noch nicht genug! Es gibt noch einen Effektregler (ein kleiner Drehknopf), der ein gewisses Maß an Kreativität ins Spiel bringt. An manchen Stellen wird einem signalisiert, dass man diesen jetzt benutzen sollte. Wenn man dann anfängt daran zu drehen wird der Klang der Spur, an der die Markierung erscheint verändert. Von basslastig ohne Höhen bis hin zu höhenlastig ohne Bass. Den Effekt sollte jeder Discogänger kennen. Mit dem Regler kann man auch diverse Effekte auswählen, die man auf der roten Spur, wenn diese gelegentlich von einem blinkenden Gewabbel durchzogen mit dem roten Knopf auslösen kann. Vor Beginn eines Sets kann man unter verschiedenen Effektsets wählen.
Damit ist man nun schon ganz schön ausgelastet. Ähnlich wie bei Guitar Heros Starpower gibt es bei DJ Hero "Euphoria". Wenn man den Euphoria Balken gefüllt hat, in dem man während blau unterlegten Passagen keinen Fehler macht, und über den entsprechenden Button auf dem Mixer (der tatsächlich zu leuchten beginnt, wenn man genug Euphoria gesammelt hat). Während der Euphoriaphase muss man sich nicht mehr um den Crossfader kümmern! Gerade in Passagen wo man den Crossfader exzessiv bewegen muss, ist dies eine echte Erleichterung. Manche Passagen möchte ich nicht ohne Euphoria spielen müssen ;)
Als Letztes gibt es noch die "Rewind" Funktion. Nach ca. 60 getroffenen Noten kann man einen Rewind dadurch auslösen, dass man den Plattenteller schnell rückwärts dreht. Nun wird im Lied etwas zurückgespult und man kann die Passage nochmal spielen. Das empfiehlt sich besonders bei leicht zu spielenden Passagen mit vielen Noten. Gibt halt jede Menge extra Punkte und erhöht den Multiplikator um das doppelte.
Obiges klingt jetzt sehr komplex, aber ähnlich wie bei Guitar Hero ist man schnell eingespielt und auch Neulinge dürften keine Probleme haben. Auf höheren Schwierigkeitsgraden ist die Kombination aus den oben erwähnten Steuerungsmöglichkeiten ein echte Herausforderung und garantiert viele viele Spielstunden, bis man alles gemeistert hat. Aber gerade das hat mir an Guitar Hero schon so super gefallen: Vom absoluten Neuling bis zum Profi kann es jeder spielen. Die Schwierigkeitsgrade sind sehr ausgewogen.
Das Spiel selbst ist solide programmiert, bietet neben dem üblichen "Spiele eine Setlist und sammle Sterne um neue Setlists, Venues, Charaktere und Zubehör freizuschalten" noch einen lokalen Multiplayer Modus mit 2 Turntablecontrollern oder 1 Turntablecontroller und einer 1 Gitarre. Die Gitarre funktioniert natürlich nur bei den Setlists, die auch Tracks mit Gitarrenparts enthalten. Wieviele das insgesamt sind, kann ich leider noch nicht sagen, da ich das Spiel noch nicht durchgespielt habe und einige Tracklists noch nicht freigeschaltet sind. Die Gitarrenparts spielen sich auf jeden Fall genauso wie bei Guitar Hero und bieten für Kenner keinerlei Überraschungen.
Den ebenfalls enthaltenen Onlinemodus konnte ich nicht testen, da 1. die Server noch nicht funktionieren und 2. wohl noch kaum Leute online sein dürften.
"Downloadable Content" ist ebenfalls wieder mit dabei. Der "Stoff" sollte einem somit auch dauerhaft nicht ausgehen. Wie die Preise sind kann ich noch nicht sagen, da der Shop leider auch noch nicht funktioniert hat. Aber Bedarf hab ich derzeit noch nicht, da bereits 93 Mixes mit dabei sind. Das bringt mich zum nächsten und letzten Teil meiner Rezension.
Die Qualität der Mixes und die Musikauswahl ist durchwegs auf hohem Niveau und überrascht mit sehr gut gemachten Mashups aus vielen Musikstilen. Man merkt: Hier waren Profi DJs am Werk. Der Soundtrack ist, soweit ich die Mixes bis jetzt freigespielt habe, absolut hörenswert und sehr gut ausgewählt.
Das Spiel bekommt von mir eine eindeutige Kaufempfehlung! Für Fans der Guitar Hero Serie, die auch mal andere Musik als Rock und Metal hören wollen führt quasi kein Weg dran vorbei :) Ein Stern Abzug für den nicht vollständig überzeugenden Eindruck des Controllers und wegen dem zu hoch gegriffenen Preis. 80 - 90 Euro wären angemessen.