...und immer mehr Wiederholungen war schon Dr. Thomas Stanley's Buch "The Millionaire Next Door", das vor vielen Jahren, wohl hauptsächlich durch cleveres Marketing, zum Bestseller ernannt wurde. Dieses Vorläufer-Buch war bereits in gedruckter Form nur mäßig informativ und extrem langweilig geschrieben (aber die nicht enden wollende zehnstündige Hörbuch-Version hat dieser Tatsache damals noch die Krone aufgesetzt). Autor Dr. Stanley hat den letzten Jahren schriftstellerisch wenig dazugelernt und quält den Leser in seinem siebten Bestseller "Stop Acting Rich", der im Jahr 2009 auf den Markt der gedruckten Eitelkeiten kam, erneut damit, dass er aus ein paar statistischen Daten mittels stetiger Wiederholungen und Umformulierungen ein ganzes Buch produziert. Man liest lange an Dr. Stanley's Büchern, obwohl sie vom verwendeten englischen Wortschatz her nicht schwierig zu lesen sind. Wiederholungen sind vielleicht im Schulunterricht gut, um ein Thema im Hirn desinteressierter Schüler zu verankern. So wie man aufgeblähte Wiederholungen der gleichen Fakten aber in Dr. Stanley's Buch präsentiert bekommt, empfinde ich es schon als eine gewisse Beleidigung der Intelligenz des Lesers, wenn auch in dem Bestseller-Buch einige Highlights an statistischen Informationen verborgen sind (z.B. das traurige durchschnittliche Jahreseinkommen amerikanischer Leistungssportler und Schauspieler). Auch das Kapitel, das beschreibt, wie Verkäufer Kunden einstufen und Reiche erkennen, war recht nett. Das Buch, könnte für Marketing-Leute interessant sein, denn das Kaufverhalten von Reichen und Möchtegernen bei Uhren, Wodka, Wein und Fahrzeugen wird in einzelnen Kapiteln im Detail analysiert, was mir ganz gut gefiel. Man hätte den Bestseller aber um mindestens die Hälfte der Seiten kürzen können, wenn man weniger wiederholt hätte. Grundaussage des Buches ist, dass durchschnittliche Millionäre ganz anders sind, als sich dies viele Menschen des Mittelstandes vorstellen, die jedoch konsumieren und kaufen wollen wie Multi-Millionäre oder Superstars aus dem Showbusiness, um andere zu beeindrucken. So sind viele Millionäre in Wirklichkeit oft unauffällig, zwanghaft sparsam bis krankhaft geizig, kaufen Ihre Klamotten und Lebensmittel in Billigläden wie "Wal-Mart", kaufen Bücher Second-Hand (ich weiß sogar von einem Milliardär, der dies tut), tragen unspektakuläre Armbanduhren und fast immer im Ausverkauf erstandene Anzüge von der Stange, fahren preiswerte Fahrzeuge und sogar alte japanische Autos, konsumieren weder sehr teuren Wein noch Premium-Wodka, besitzen weder Boot noch Ferienhaus und müssen niemanden durch große Geldausgaben davon überzeugen, dass sie reich sind (wobei es aber auch das Extrem der Superreichen gibt, das in den Medien so ausgiebig behandelt wird, dass man meint, deren Verhalten wäre normal für die Reichen - nicht wahr, Paris, mein Schatz?). "Mehr sein als scheinen!", könnte jedoch in Wahrheit die Devise vieler echter Millionäre sein. "Frugal" leben die meisten Millionäre, beschreibt es Dr. Thomas Stanley mit seinem Lieblingswort. Bestseller-Autor Dr. Stanley müsste eigentlich nach angeblich drei Millionen verkauften Exemplaren seiner sechs Vorgänger-Bücher inzwischen selbst zum frugalen Millionär geworden sein. Wir erfahren aus diesem Buch auch, dass der Besitz von Geld nicht glücklich macht (aber es uns erlaubt, auf weniger anstrengende Art unglücklich sein zu dürfen). Alles, was Dr. Stanley beschreibt, ist kein Wunder, denn viele reiche Menschen haben sich eben einmal Gedanken gemacht über die zukünftigen Kapitalerträge jedes nicht ausgegebenen Euros. Und über die Beziehung zwischen Preis und echtem Wert einer Ware. An der Wahrheit der Aussagen zweifelte ich während des Lesens zuerst einmal wenig, obwohl den statistischen Daten, die dem Buch zu Grunde liegen, lediglich die Angaben von 944 Millionärs-Haushalten zu Grunde lagen. Dass ausgerechnet weibliche Millionäre beim Kauf von Kleidung noch weniger Geld ausgeben sollen als männliche Reiche, ließ mich dann doch sehr verwundert aufhorchen. Ach, wirklich?? Meine Beobachtungen bezüglich des generellen Ausgabeverhalten von Frauen machen diese Aussage unglaubwürdig. Das Buch basiert auf der Auswertung von Fragebögen, die man an die Millionärs-Haushalte geschickt hatte. Man kann damit rechnen, dass nicht jeder Teilnehmer der Studie die Wahrheit geschrieben hat. Manche Leser werden in diesem Buch nur ihre Vorurteile bestätigt finden: Knickrigkeit und Sparsamkeit bei den Reichen tragen zum Anwachsen des Wohlstandes bei, Kauf von protzigen Statussymbolen und teuren Markenartikeln dagegen lässt den Kontostand schrumpfen. Hauptbeschäftigung der Multimillionäre ist statt einzukaufen - keine große Überraschung - das Ausfüllen der vielen Freizeit (Museumsbesuche, Reisen, Urlaube, Besuche von Veranstaltungen, Essen gehen). Was der Doktor nicht erwähnt, ist, dass Millionäre wahrscheinlich oft auch aus Sicherheitsgründen ihren wahren finanziellen Status verschleiern und in der Anonymität der Masse abtauchen, indem sie Toyotas statt Benze fahren. Reiche Menschen haben mir einmal erzählt, dass Wohlstand definitiv auch Schattenseiten hat, obwohl es trotzdem wesentlich besser ist, Geld zu haben als arm zu sein - wenn auch nur aus finanziellen Gründen. Vermögende, deren Reichtum bekannt geworden ist, sind u.a. oft juristischen Angriffen, neidischen Blicken oder der Belästigung durch provisionsgierige Anlageberater und alle möglichen sonstigen listigen Finanzparasiten ausgesetzt (einmal abgesehen von der Bedrohung durch echte Kriminelle, die auch vor physischer Gewalt nicht zurückschrecken). Man erfuhr auch nichts darüber, wie viele Kinder und Haustiere sich die durchschnittlichen Reichen zulegen. So unangenehm diese Wahrheit ist, aber Kinder und Haustiere kosten nun einmal viel Geld und behindern eher das Anhäufen von Reichtümern. Ich konnte das Buch nur in Etappen innerhalb von zehn Tagen durchlesen, weil es derart langweilig geschrieben war. Da mir dieses Buch zudem nicht übermäßig viel neues Wissen brachte, habe ich mein Exemplar schnell wieder in Euronen umgewandelt, so lange noch Nachfrage danach bestand. Sie wissen ja... der Wert zukünftiger Kapitalerträge jedes Euros ist zu bedenken. Und: Weniger Besitz an Sachen bringt mehr Freiheit und Freizeit.